16. April 2014

Angeschlagener Fahrradhersteller Mifa bekommt Hilfe

Sangerhausen (dpa) - Der angeschlagene Fahrradhersteller Mifa aus Sangerhausen verschafft sich mit einem Immobilienverkauf frisches Geld.

Peter Wicht
Mifa-Vorstandschef Peter Wicht hat dem Unternehmen zufolge sein Amt aus gesundheitlichen Gründen niedergelegt. Foto: Hendrik Schmidt/Archiv
dpa

Das Unternehmen, an dem der AWD-Gründer Carsten Maschmeyer wesentlich beteiligt ist, werde ein Betriebsgrundstück für 5,7 Millionen Euro an den Landkreis Mansfeld-Südharz verkaufen und das Gelände anschließend mieten, teilten die Mitteldeutschen Fahrradwerke AG (Mifa) am Mittwoch mit. Zudem holte das börsennotierte Unternehmen mit 770 Mitarbeitern einen weiteren Sanierer an Bord.

Vorstandschef Peter Wicht habe sein Amt mit sofortiger Wirkung aus gesundheitlichen Gründen niedergelegt. Er war zuvor bereits wegen Krankheit nicht mehr im Amt. Als neues Vorstandsmitglied berief der Aufsichtsrat den Sanierer Stefan Weniger, der die Bereiche Reorganisation und Sanierung verantworten soll. Vor einem Monat war bereits der Wirtschaftsprüfer Hans-Peter Barth als Finanzvorstand berufen worden. Damals waren Fehler in der Rechnungsführung entdeckt worden.

Statt des erwarteten steigenden Gewinns muss für das vergangene Jahr nun voraussichtlich ein Verlust von 15 Millionen Euro ausgewiesen werden. Auch die Prognose für das laufende Jahr wurde gekippt. Die Vorlage der Bilanzzahlen wurde auf voraussichtlich Juni verschoben.

Der AWD-Gründer Maschmeyer ließ über eine Sprecherin ausrichten, er stehe weiterhin zu dem Unternehmen und glaube fest an die Zukunft des Fahrradherstellers. Maschmeyer ist seit 2011 an der Firma beteiligt, zusammen mit seiner Familie und seiner Investmentfirma ist er der größte Einzelaktionär. Weiterer wichtiger Aktionär ist der nun ausgeschiedene bisherige Vorstandschef Peter Wicht.

Die Mifa-Aktie hatte nach der Hiobsbotschaft von Mitte März rund die Hälfte ihres Wertes verloren. Am Mittwoch kletterte das Papier bis zum Mittag um 3,7 Prozent auf 3,42 Euro.

Der Landrat des Kreises Mansfeld-Südharz, Dirk Schatz (CDU), verteidigte in einer Mitteilung die Hilfe der Politik. «Ich halte es für einen ganz normalen Prozess, dass die öffentliche Hand abwägt, ob sie helfen kann, Arbeitsplätze zu erhalten.» Am Wochenende hatte der Kreistag in einer Sondersitzung Grünes Licht für staatliche Hilfen gegeben.

Mifa-Sprecher Henryk Deter erklärte, die Finanzierung des laufenden Geschäfts sei gesichert. Man arbeite weiterhin an der Partnerschaft mit dem weltgrößten Fahrradhersteller Hero Cycles aus Indien. Mifa und Hero Cycles hatten eine Absichtserklärung unterzeichnet, wonach die Inder 15 Millionen Euro an Eigenkapital in das Unternehmen einbringen würden. Zudem gebe es Gespräche mit den Gläubigern einer Mifa-Anleihe. Eine Wirtschaftsberatung solle das Geschäft analysieren und Vorschläge machen.

Die Chefin der IG Metall Halle-Dessau, Almut Kapper-Leibe, sagte, jetzt gehe es vor allem darum, das Unternehmen zu stabilisieren. Die Gewerkschaft sehe es positiv, wenn das Geschäft von außen beleuchtet werde. Laut Landkreis gehört Mifa zu den wenigen Leuchttürmen in der Region, die eine Arbeitslosenquote von zuletzt 14,7 Prozent hatte.

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