09. Juni 2012

Aufsichtsgremium berät über Preisspanne für Evonik-Börsengang

Essen (dpa) - Für den geplanten Börsengang des Chemiekonzerns Evonik könnte es an diesem Sonntag grünes Licht geben.

Evonik
Der Evonik-Chemiekonzern könnte in Kürze grünes Licht für den Börsengang geben. Foto: Nico Kurth
dpa

Das Kuratorium des Evonik-Haupteigentümers RAG-Stiftung (74,99 Prozent) berät am Nachmittag in einer Telefonkonferenz über den Umfang und die Preisspanne beim Schritt an den Kapitalmarkt.

Wenn das Kuratorium zustimmt, werde die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) den Evonik-Prospekt noch Anfang der Woche freigeben, hieß es aus Stiftungskreisen. Dann beginnt die Investorensuche und die Preisbildung. Am 25. Juni soll die Aktie nach unbestätigten Berichten das erste Mal gehandelt werden. Es sei aber weiter auch möglich, dass das Kuratorium den Börsengang wegen der Euro-Krise noch einmal verschiebe, hieß es aus Finanzkreisen.

Die RAG-Stiftung und der Finanzinvestor CVC Capital Partners (Anteil: 25,01 Prozent) wollen die Aktien laut einer früheren Mitteilung im Verhältnis zwei zu eins abgeben. Das Gesamtvolumen blieb offen. In unbestätigten Berichten war mehrfach von einem Drittel der Evonik-Anteile und einem geschätzten Preis von fünf Milliarden Euro die Rede.

Evonik gilt mit einem Umsatz von 14,5 Milliarden Euro und einem operativen Ergebnis vor Abschreibungen und Sondereinflüssen (Ebitda) von 2,8 Milliarden Euro im vergangenen Jahr als lukratives Investment und Kandidat für den Dax. Anleihen des Unternehmens stießen in der Vergangenheit am Kapitalmarkt auf große Nachfrage. Ein Börsengang mit einem Drittel der Anteile wäre der größte Börsengang in Deutschland seit mehr als zehn Jahren. Möglich ist angesichts der Turbulenzen an den Märkten offenbar aber auch ein «kleiner Börsengang» mit insgesamt einem Zehntel der Anteile.

Das Kuratorium ist stark politisch beeinflusst. Mitglieder sind unter anderem die Bundesminister Philipp Rösler (Wirtschaft) und Wolfgang Schäuble (Finanzen) sowie die Ministerpräsidentinnen von NRW und des Saarlandes.

Von den Eigentümern gab es zu Spekulationen über Umfang und Erlös des Börsengangs keinen Kommentar. Ein Sprecher der RAG-Stiftung sagte nur, die Situation an den Börsen werde weiter «sehr aufmerksam» beobachtet. Theoretisch könne ein Börsengang bis zum Vortag der Handelseröffnung abgeblasen werden. Am 17. Juni findet in Griechenland die Wahl statt, die zum Austritt aus der Eurozone und zu abstürzenden Börsenkursen führen könnte. «Kein Mensch weiß, wie es danach aussieht», sagte kürzlich ein Insider.

Die Erlöse sollen im wesentlichen nicht in das Unternehmen fließen, sondern zur Abdeckung der sogenannte Ewigkeitslasten des Steinkohlen-Bergbaus genutzt werden. Dazu zählt das dauerhafte Abpumpen von Wasser in den ehemaligen Abbaugebieten. Der Evonik-Konzern war 2007 aus dem Spezialchemieunternehmen Degussa und Teilen der einstigen Ruhrkohle AG neu formiert worden.

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