12. April 2012

EZB: Können Geldhahn rechtzeitig wieder zudrehen

Frankfurt/Main (dpa) - Die Europäische Zentralbank (EZB) hat Sorgen vor ausufernder Inflation infolge ihrer weit geöffneten Geldschleusen zerstreut.

Mario Draghi
EZB-Präsident Mario Draghi. Vor allem aus Deutschland gibt es Kritik an der Krisenpolitik der EZB. Foto: Boris Roessler
dpa

Alle geldpolitischen Sondermaßnahmen seien vorübergehender Natur, bekräftigten die Währungshüter in ihrem am Donnerstag veröffentlichten Monatsbericht. Zudem stünden die notwendigen Instrumente zur Verfügung, «um Aufwärtsrisiken für die mittelfristige Preisstabilität entschlossen und rechtzeitig entgegenzuwirken».

Im Dezember und Februar hatte die EZB den Geschäftsbanken extrem billiges Geld für bis zu drei Jahre angeboten. Die Institute liehen sich insgesamt gut eine Billion Euro. Zusätzlich zu dieser Geldflut liegt der Leitzins im Euroraum seit Dezember wieder auf dem Rekordtief von 1,0 Prozent. Geldflut und niedrige Zinsen können die Inflation anheizen.

Vor allem aus Deutschland gibt es immer wieder Kritik an der expansiven Krisenpolitik der EZB. Die Notenbank dagegen sieht die Preisstabilität mittelfristig nicht in Gefahr, auch wenn sie einräumt, dass die Teuerungsrate 2012 über ihrem Zielwert von 2,0 Prozent liegen dürfte. Risiken sieht die EZB in weiter steigenden Energie- und Rohstoffpreisen.

Die wirtschaftliche Lage im von der Schuldenkrise gebeutelten Euroraum hat sich nach Einschätzung der Währungshüter wieder stabilisiert. «Bei der Konjunktur dürfte sich im Jahresverlauf eine moderate Erholung einstellen», heißt es im Monatsbericht.

Die Regierungen seien dennoch weiter «zur Umsetzung entschlossener Strukturreformen» aufgefordert. Von 2007 auf 2011 sei die staatliche Bruttoverschuldung im Eurogebiet schätzungsweise um 22 Prozentpunkte auf 88 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) gestiegen.

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