29. Mai 2012

Edel statt billig: «Max Bahr» soll «Praktiker» retten

Kirkel/Hamburg (dpa) - Der angeschlagene Baumarktkonzern Praktiker will mit einer Zwei-Marken-Strategie die Trendwende schaffen. Im Mittelpunkt steht dabei die Marke «Max Bahr». Unter diesem Namen betreibt der Konzern vor allem in Norddeutschland bereits 78 Märkte.

Max Bahr
«Max Bahr» soll als eine Art Premium-Baumarkt positioniert werden - mit viel Beratung und «Vollservice auf Fachhandelsniveau». Foto: Ulrich Perrey
dpa

Von den 234 «Praktiker»-Filialen in Deutschland will der Konzern etwa 125 vor allem in Süd- und Südwestdeutschland bis Ende 2013 umbenennen und aufwerten, wie das Unternehmen am Dienstag mitteilte. «Max Bahr» soll als eine Art Premium-Baumarkt positioniert werden - mit viel Beratung und «Vollservice auf Fachhandelsniveau». Dafür plant der Konzern Investitionen und Ausgaben im niedrigen dreistelligen Millionenbereich.

Bis zu 100 «Praktiker»-Standorte sollen unter dem alten Namen als eine Art Baumarkt-Discounter erhalten bleiben. Die Filialen sollen als Selbstbedienungsmärkte mit kleinerem Sortiment geführt werden. Anders als bislang geplant, will das Unternehmen keine Märkte sofort schließen, wie es am Dienstag mitteilte. Unrentable Standorte ohne Entwicklungsperspektive will der Konzern zwar weiterhin aufgegeben - aber erst mit Ende der Mietverträge.

«Dieses Konzept ist die bestmögliche Zukunftsinvestition für die Praktiker Gruppe, die dadurch eine neue Wachstumsperspektive mit zwei starken Marken gewinnt», sagte Vorstandschef Kay Hafner. «Max Bahr» sei eine Stütze des gesamten Konzerns, habe in den vergangenen Jahren durchgängig Gewinne erzielt und Marktanteile gewonnen.

An der Verlagerung des Konzernsitzes vom saarländischen Kirkel nach Hamburg hält das Unternehmen fest. Allerdings solle im Saarland ein Servicecenter mit rund 180 Mitarbeitern erhalten bleiben. Die bisherigen Kapitalgeber und der künftige Finanzierer, der New Yorker Finanzinvestor Anchorage Capital, tragen demnach die Umbaupläne mit.

Praktiker steckt seit Jahren in Schwierigkeiten. Verantwortlich dafür ist auch die frühere Positionierung als Billigmarke mit Werbesprüchen wie «Hier spricht der Preis» oder «20 Prozent auf alles». Auch mit Boris Becker als Werbeträger gelang es nicht, dieses Image abzustreifen und in höhere Segmente vorzudringen.

Das Unternehmen hatte 2011 einen Verlust von mehr als einer halben Milliarde Euro verbucht. Der Umsatz war gegenüber 2010 um 7,7 Prozent auf knapp 3,2 Milliarden Euro gesunken. In den letzten beiden Monaten 2011 sowie im ersten Quartal dieses Jahres hatte Praktiker nach eigenen Angaben den stetigen Umsatzverfall gestoppt.

Weitere Artikel aus diesem Ressort