29. April 2012

Eurokrise trifft auch russische Wirtschaft

Schlangenbad (dpa) - Die Staatsschuldenkrise in der EU kostet Russland nach Einschätzung der Sberbank einige Prozentpunkte Wirtschaftswachstum. «Immer wenn wir eine Verschärfung der Krisenerscheinungen in Europa sehen, folgen auch in Russland finanzielle Turbulenzen».

Sberbank-Chefvolkswirtin Xenia Judajewa
Sberbank-Chefvolkswirtin Xenia Judajewa: Die Schuldenkrise in der EU kostet Russland einige Prozentpunkte Wirtschaftswachstum. Foto: Friedemann Kohler
dpa

Das sagte Xenia Judajewa, Chefvolkswirtin der größten russischen Bank, im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa im Taunuskurort Schlangenbad.

Die Moskauer Möglichkeiten, den Europäern beizustehen, sah Judajewa skeptisch. «Mit Ausnahme von Zypern hat sich Russland nirgendwo direkt beteiligt.» Russland habe angekündigt, seine Einlagen beim Internationalen Währungsfonds (IWF) um zehn Milliarden US-Dollar erhöhen. «Dieses Geld wird dann auch der Europäischen Union als Hilfe angeboten.»

Die russische Wirtschaft wuchs schon 2011 mit 4,3 Prozent weniger stark als erwartet. Der Außenhandel erreichte 821 Milliarden US-Dollar (620 Mrd. Euro). Etwa die Hälfte wurde mit Ländern der Europäischen Union abgewickelt, Deutschland ist mit 71,8 Milliarden Dollar der wichtigste EU-Partner und der zweitgrößte Handelspartner hinter China.

Zu den Auswirkungen der Krise sagte Judajewa: «In einigen europäischen Staaten ist eine Rezession zu beobachten, das heißt, dass sich das Wachstum auch in Russland verlangsamt.» Auch sei zu befürchten, dass Firmen aus der EU, die daheim mit der Krise zu kämpfen haben, weniger investitionsbereit seien.

Die Verluste beim Wirtschaftswachstum seien aber nicht so stark, wie in der Bankenkrise 2008/09. «Da hat sich ein Wachstum von acht Prozent in einen Rückgang von acht Prozent verkehrt.» Damals sei die russische Wirtschaft allerdings überhitzt gewesen.

Auch zu Beginn der Staatsschuldenkrise 2010, als es erstmals um griechische Zahlungsprobleme ging, habe es Unruhe auf den russischen Märkten gegeben. Mittlerweile habe sich die Lage entspannt. «In Spanien sind die Zinsen auf Anleihen gestiegen, aber der Finanzmarkt hat schon nicht mehr so stark darauf reagiert.» Die Auswirkungen der jetzigen Krise auf Russland würden auch gemildert durch den hohen Öl- und Gaspreis, der vor allem mit der Lage im Nahen Osten und dem Iran-Konflikt zusammenhinge.

Sberbank, Russlands Sparkasse mit etwa 60 Millionen Kunden, verbuchte 2011 eine Bilanzsumme von 10,8 Billionen Rubel (280 Mrd Euro) und machte 315 Milliarden Rubel Reingewinn. Judajewa nahm in Deutschland an einem Treffen deutscher und russischer Politikexperten teil.

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