08. Juni 2012

Eurozone rutscht immer mehr in Wirtschaftskrise

Berlin/Frankfurt/Main (dpa) - Die Schuldenkrise würgt die Konjunktur in der Eurozone zunehmend ab. Die Wirtschaft im Euroraum steuert immer mehr in eine Rezession. Deutschland steht bislang zwar robust da. Allerdings sind die Exporte in die Eurozone deutlich zurückgegangen.

Hollande
Hollande setzt auf ein baldiges Anziehen der Konjunktur um mindestens 0,5 Prozent für das Gesamtjahr 2012, um seine ehrgeizigen Initiativen finanzieren zu können. Foto: Gonzalo Fuentes/Pool (Archivbild)
dpa

Im April blieben die Ausfuhren der deutschen Unternehmen in die Länder der Eurozone weit unter dem Niveau des Vorjahres. Der Exportwert sank um 3,6 Prozent auf 33,1 Milliarden Euro, wie das Statistische Bundesamt am Freitag in Wiesbaden mitteilte. Die Importe aus der Eurozone gingen im selben Zeitraum um 0,6 Prozent auf 32,8 Milliarden Euro zurück.

Vor allen wegen der Bremsspuren im Außenhandel mit dem Euroraum sanken die deutschen Exporte im April kalender- und saisonbereinigt insgesamt um 1,7 Prozent. Die Einfuhren gingen um 4,8 Prozent zurück. Angesichts der robusten globalen Nachfrage dürften die Exporte in den kommenden Monaten aber wieder zulegen. Sein Exportplus verdankt Deutschland derzeit ausschließlich den Ländern außerhalb der Europäischen Union, wie etwa China.

Die Bundesbank verbreitete dennoch Zuversicht. Aus ihrer Sicht wird die Schuldenkrise den Aufschwung in Deutschland nicht stoppen. «Ich gehe davon aus, dass die expansiven Kräfte die Oberhand behalten», sagte Bundesbankpräsident Jens Weidmann bei der Präsentation der jüngsten Konjunkturprognose der Bundesbank. Allerdings dürfe die Staatsschuldenkrise nicht eskalieren.

Die Notenbank hob ihre deutsche Wachstumsprognose für das laufende Jahr deutlich von 0,6 Prozent auf 1,0 Prozent an. 2013 werde die deutsche Wirtschaftsleitung um 1,6 Prozent zulegen statt wie zuletzt prognostiziert um 1,8 Prozent.

Im Gegensatz zu Deutschland aber stecken viele große Länder der Eurozone in einer schweren Krise - etwa Spanien. Die viertgrößte Volkswirtschaft des Euroraums ist von einer massiven Bankenkrise gebeutelt und kämpft mit einem zu hohen Staatsdefizit, die Konjunktur ist eingebrochen. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur wird Spanien voraussichtlich noch an diesem Samstag beim Euro-Rettungfsonds EFSF einen Antrag auf Hilfe für seine kriselnden Banken stellen.

Auch die Konjunkturaussichten Frankreichs, der zweitgrößten Volkswirtschaft des Euroraums, verschlechtern sich weiter. Die Banque de France revidierte am Freitag ihre Prognosen fürs zweite Quartal nach unten, wie die Nachrichtenagentur AFP berichtete. Erwartete sie bisher eine Stagnation, so geht sie jetzt von einer um 0,1 Prozent schrumpfenden Wirtschaftsleistung aus. Im ersten Quartal hatte Frankreichs Wirtschaft Null-Wachstum verzeichnet.

Die Europäischen Zentralbank hatte zuletzt eine leichte Rezession für die Eurozone vorhergesagt. Eine dramatische Verschlechterung sehen die Währungshüter trotz der wiederaufgeflammten Schuldenkrise aber nicht, wie EZB-Präsident Mario Draghi am Mittwoch deutlich gemacht hatte. Die EZB erwartet, dass das Bruttoinlandsprodukt der Eurozone im laufenden Jahr um 0,1 Prozent sinken wird. Im Jahresverlauf dürfte sich die Wirtschaft im Euroraum allmählich wieder erholen.

Im ersten Quartal 2012 war die Wirtschaft in den Euroländern auf der Stelle getreten. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) blieb im Vergleich zum Schlussquartal 2011 unverändert, wie die europäische Statistikbehörde Eurostat am Mittwoch in Brüssel mitgeteilt hatte. Im Schlussquartal war das BIP um 0,3 Prozent gesunken.

US-Notenbankchef Ben Bernanke warnte vor den Gefahren der europäischen Schuldenkrise für die US-Wirtschaft. Die Lage in Europa stelle ein «signifikantes» Risiko für das Finanzsystem und die Wirtschaft der USA dar, sagte Bernanke am Donnerstag zum Auftakt einer Kongressanhörung.

Banque de France

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