07. Juni 2012

Fed-Chef Bernanke warnt vor Risiken für US-Wirtschaft

Washington (dpa) - Amerikas Top-Notenbanker Bernanke läutet die Alarmglocken: Er sieht «signifikante» Risiken für die US-Wirtschaft durch die Euro-Krise. Aber auf neue geldpolitische Maßnahmen seitens der Fed legte sich Bernanke erwartungsgemäß nicht fest.

Ben Bernanke
Klare Signale erhoffen sich die Finanzmärkte nun von Fed-Chef Ben Bernanke. Foto: Jim Lo Scalzo
dpa

Die Lage in Europa stelle ein «signifikantes» Risiko für das Finanzsystem und die Wirtschaft der USA dar, sagte Bernanke am Donnerstag zum Auftakt einer Kongressanhörung. Die Schieflage jenseits des Atlantiks verursache sogar größere Sorgen als eine mögliche Abschwächung des chinesischen Wachstums. Auch die US-Haushaltssituation bereite Kopfschmerzen.

Bernanke bekräftigte, dass die Federal Reserve (Fed) im Fall einer «Eskalation des finanziellen Stresses» handlungsbereit sei, wenn dies zum Schutz des US-Finanzsystems und der Wirtschaft nötig sei. Konkrete mögliche Maßnahmen nannte er jedoch nicht. Er und seine Kollegen in der Zentralbankführung würden bis zu ihrer nächsten Sitzung am 19. und 20. Juni an dieser Frage «noch arbeiten», sagte er. Fed hatte bereits zwei große Anleihekaufprogramme aufgelegt, um die Konjunktur zu stützen. Eine Senkung der Zinsen ist nicht mehr möglich, da sie bereits seit Ende 2008 bei null Prozent liegen.

Die US-Wirtschaft sieht der Notenbankchef trotz der verschiedenen Unwägbarkeiten auch in den kommenden Quartalen auf einem «moderaten» Wachstumspfad. Er hob dabei vor allem anhaltende Zuwächse bei den Ausgaben der US-Haushalte hervor. Es gebe aber einige Hindernisse auf dem Weg der Erholung. Dazu zähle trotz jüngster ermutigender Anzeichen für einen Aufwärtstrend der Häusermarkt. Zudem habe sich die Krise in Europa belastend auf US-Exporte und die Zuversicht bei Verbrauchern sowie Geschäftsleuten ausgewirkt. Die Märkte reagierten Verhalten auf die vagen Aussagen des Fed-Chefs.

Die Europäer hätten bereits eine Reihe von Maßnahmen zur Krisenbekämpfung ergriffen, sagte Bernanke. «Aber wahrscheinlich wird mehr nötig sein, um die Banken in der Eurozone zu stabilisieren..., ein praktikables fiskales Rahmenwerk für die Eurozone zu erreichen und die Grundlage für langfristiges wirtschaftliches Wachstum zu schaffen.» US-Banken hätten zwar in den vergangenen Jahren ihre Finanzstärke sehr verbessert, «aber die Lage in Europa bedeutet signifikante Risiken für das US-Finanzsystem und die Wirtschaft und muss genau beobachtet werden.»

Auf Fragen, was die USA tun könnten, um ein Übergreifen der Krise zu verhindern, empfahl Bernanke dem Kongress, die eigene Wirtschaft zu stärken und damit widerstandsfähiger zu machen. Er wäre glücklicher, wenn die Politiker «die Last von uns nehmen» könnten. Bernanke warnte in diesem Zusammenhang auch vor den Folgen drohender drastischer Sparmaßnahmen im US-Haushalt. Sie werden im kommenden Jahr automatisch beginnen, wenn sich der Kongress vorher nicht noch auf gezielte finanzielle Einschnitte einigt.

Fed-Webseite mit vorbereiteter Bernanke-Erklärung zum Auftakt der Anhörung

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