23. April 2012

Flugpersonal warnt vor Sicherheitsrisiken

Frankfurt/Main (dpa) - Vor erheblichen Sicherheitsrisiken im Luftverkehr haben Piloten, Ärzte und Flugbegleiter gewarnt. Die von der Europäischen Agentur für Flugsicherheit (EASA) geplanten Flugdienstregeln würden zu längeren Arbeitszeiten für Piloten und Kabinenpersonal führen.

Flug in die Sonne
Übermüdung macht dem heutigen Flugpersonal zunehmend zu schaffen, sagen die Branchengewerkschaften. Foto: Julian Stratenschulte
dpa

Dies kritisierten die Gewerkschaften Vereinigung Cockpit (VC) und UFO am Montag in Frankfurt. Das bringe zwangsläufig noch mehr gefährliche Situationen durch übermüdetes Personal mit sich, erklärte VC-Vizepräsident Ilja Schulz anlässlich des Deutschen Verkehrspilotentages. Bereits heute spiele bei mehr als 80 Prozent aller Flugunfälle menschliches Versagen eine Rolle.

Bei einer VC-Mitgliederumfrage haben mehr als die Hälfte der antwortenden Piloten angegeben, schon einmal während des Fluges unfreiwillig eingeschlafen zu sein, berichtete Schulz. Fast alle, nämlich 93 Prozent der Teilnehmer, gaben an, aus Ermüdung schon einmal einen Fehler im Dienst gemacht zu haben.

In einem offenen Brief wenden sich die Betroffenen gegen zu lange Dienstzeiten im Kurz- und Mittelstreckenverkehr und zu kurze Pausen nach Langstreckenflügen. Die EASA erarbeitet derzeit neue Regelungen, die laut VC im Mai in die europäische Abstimmung gehen sollen.

Unterstützung erhielten die Flieger vom Deutschen Fliegerärzteverband. Präsident Hans-Werner Teichmüller berichtete von zahlreichen Klagen der Patienten, die aber gegenüber dem Arbeitgeber keine Schwäche zeigen wollten. Die Ruheregelungen für Lastwagen- und Busfahrer seien schärfer als die für Verkehrspiloten. Computer und Umlaufpläne müssten künftig den Menschen angepasst werden und nicht wie bislang umgekehrt.

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