18. Mai 2012

Forscher: Griechen müssen Korruption bekämpfen

Linz/Frankfurt (dpa) - Korruption und die große Schattenwirtschaft sind nach Auffassung des österreichischen Ökonomen Friedrich Schneider die drängendsten Probleme Griechenlands.

Arbeiter
Schwarzarbeit war in Griechenland lange ein Kavaliersdelikt. Experten sehen darin immer noch ein großes Problem für das angeschlagene Land. Foto: Orestis Panagiotou
dpa

Nach seinen Studien wird allein der durch Bestechung angerichtete volkswirtschaftliche Schaden in dem Euro-Krisenland 2012 auf 27,3 Milliarden Euro wachsen.

Trotz eines leichten Abwärtstrends in den vergangenen Jahre stehe zudem die Schwarzarbeit in Griechenland für einen Gegenwert von hohen 24,3 Prozent des Bruttosozialprodukts, schreibt der Professor der Universität Linz. Zum Vergleich: In der Schweiz wird die Wertschöpfung der Schattenwirtschaft auf 7,8 Prozent des Bruttosozialprodukts und in Deutschland auf 13,5 Prozent geschätzt.

Griechenland gehört nach Untersuchungen der Organisation Transparency International zu den korruptesten Staaten Europas und hat in den vergangenen zwei Jahren im Zeichen der Schuldenkrise einen dramatischen Abwärtstrend hinter sich. Lag Hellas im Jahr 2002 noch auf Platz 44 des weltweiten Anti-Korruptionsrankings, ist es 2012 auf Rang 80 abgefallen - auf ein Niveau wie Kolumbien, Marokko oder Thailand.

Schneider schlägt eine Reihe konkreter Maßnahmen vor, um Staat und Wirtschaft des Eurolands wieder in Schwung zu bekommen. Am wirkungsvollsten sei prinzipiell die Absenkung der Lohnnebenkosten, was aber weitere Defizite in den öffentlichen Kassen mit sich bringe. Ziel sei es, die Schwarzarbeit und Korruption einzuschränken, wirtschaftliche Tätigkeiten in die legale Wirtschaft zurückzuholen und gleichzeitig die Steuereinnahmen zu erhöhen.

Letzteres könne unter anderem mit finanziellen Anreizen für die Steuereintreiber und über eine Steueramnestie erreicht werden, bei der reuige Steuersünder mit einem geringen Steuersatz von 25 bis 30 Prozent davonkommen. Potenzielle Steuerflüchtlinge sollten gezielt angesprochen werden und Kleingewerbetreibende künftig nur noch niedrige, pauschale Steuersätze zahlen, die sich nach dem Umsatz richteten, schlägt der Österreicher vor.

Beim Kampf gegen die allgegenwärtige Bestechungskultur schlägt Schneider monetäre Anreize für Tippgeber und schwarze Listen für ertappte Unternehmen vor, die rigide von künftigen Staatsaufträgen ausgeschlossen werden sollten. Bestechliche Beamte sollten umgehend ihr Amt und ihre Pensionsansprüche verlieren.

Gegen Schwarzarbeit könnten nach Schneiders Analyse Mehrwertsteuererstattungen bei personalintensiven Dienstleistungen ebenso helfen wie nach deutschem Vorbild die steuerliche Absetzbarkeit von Dienstleistungen in den privaten Haushalten.

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