06. Dezember 2012

Germanwings versucht Spagat zwischen Billig und Luxus

Köln (dpa) - Die Lufthansa versucht mit ihrer Tochter Germanwings den Spagat zwischen Billigflug und einem Hauch von Luxus.

Germanwings
Die aufgepäppelte Tochter Germanwings soll Schnäppchenjäger wie Geschäftsreisende gleichermaßen zufriedenstellen und endlich Geld verdienen. Foto: Oliver Berg
dpa

Mit einem neuen Logo, neuen Tarifen und zahlreichen Wahlmöglichkeiten soll der konzerneigene Billigflieger das Europa-Geschäft des Luftverkehrskonzerns gegen Konkurrenten wie Ryanair und Easyjet verteidigen, ohne die Geschäftskunden zu verprellen.

«Damit wird es uns gelingen, abseits unserer großen Drehkreuze wieder profitabel zu fliegen», sagte Lufthansa-Chef Christoph Franz am Donnerstag in Köln. Bereits ab Januar übernimmt der konzerneigene Billigflieger mit rund 90 Maschinen die gesamten Lufthansa-Direktverbindungen innerhalb Europas, die nicht über Frankfurt und München führen. 30 Maschinen wechseln von der Mutter zur Tochter, die zudem 23 Maschinen der ebenfalls zur Lufthansa gehörigen Eurowings einsetzen wird.

Ab Juli sollen die Kunden aus drei neuen Tarifen wählen können: Diese reichen vom reinem Flug bis zum Komplettpaket inklusive Lounge-Besuch, Extra-Gepäck und À-la-carte-Menü. «Wir glauben, dass wir das Low-Cost-Fliegen ab dem Jahr 2013 neu erfinden», sagte Germanwings-Chef Thomas Winkelmann. Im Zuge der Umstrukturierung bekommt die Gesellschaft auch ein neues Logo. Die Maschinen sollen bis 2014 nach und nach umlackiert werden.

Mit der Übertragung des Europageschäfts auf Germanwings reagiert die Lufthansa auf rote Zahlen auf den Europastrecken. Dort verlor die Gesellschaft bisher pro Jahr einen dreistelligen Millionen-Euro-Betrag. Germanwings soll mit niedrigen Personalkosten und einheitlicher Flotte dafür sorgen, dass die Verluste spätestens 2015 Geschichte sind. Von dem Sanierungsprogramm «Score», das den operativen Gewinn des Konzerns bis 2015 um 1,5 Milliarden Euro steigern soll, hat die neue Germanwings 200 Millionen Euro zu schultern.

Von der Umstrukturierung sind rund 1 000 Mitarbeiter betroffen, davon mehr als 800 Flugbegleiter und Piloten. Wer nicht zur Kölner Germanwings wechseln will, muss an die Lufthansa-Drehkreuze gehen oder den Konzern gegen Abfindung verlassen.

Laut Konzernchef Franz sind die Kosten bei Germanwings auf einer vergleichbaren Strecke rund 20 Prozent niedriger als bei der Hauptmarke Lufthansa. Dies liegt an niedrigeren Gehältern, aber auch an der einheitlichen Flotte aus Jets der Airbus-A320-Familie und einfacheren Betriebsabläufen.

Vor allem Geschäftskunden der Lufthansa müssen sich künftig umstellen. Bei Germanwings wird es keine Business Class mehr geben. Die ersten zehn Sitzreihen bieten allerdings eine erhöhte Beinfreiheit. Außerdem bleibt bei Best-Tarif-Kunden der Nebensitz frei. Besonders Geschäftsreisende legten darauf Wert, sagte Germanwings-Chef Winkelmann.

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