23. April 2012

Gute Aussichten für Chinas Automarkt

Peking (dpa) - Nach einer Abkühlung in China soll es auf dem größten Automarkt der Welt langfristig wieder steiler aufwärtsgehen. Experten rechnen in diesem Jahr mit rund fünf bis zehn Prozent Wachstum.

Auto China Show 2012
Internationale Automesse in Peking: China ist der größte Wachstumsmarkt für Autos der Welt, aber wegen einer Abkühlung der Wirtschaft drohen Überkapazitäten. Foto: Adrian Bradshaw
dpa

2011 waren in dem Land nach Angaben von Chinas Personenwagenvereinigung rund 14,5 Millionen Pkw verkauft worden, 5,2 Prozent mehr als im Jahr zuvor. «Die Talsohle ist erreicht», sagte der Vizegeneraldirektor von Chinas Personenwagenvereinigung, Cui Dongshu, am Montag zum Auftakt der Internationalen Automesse in Peking der Nachrichtenagentur dpa. Experten warnen jedoch vor Überkapazitäten, weil im Reich der Mitte viele Autofabriken neu gebaut werden.

Die deutschen Oberklasse-Hersteller haben trotz der jüngsten Abschwächung des Wachstums Grund zur Freude. Daimler will in China mindestens so stark wie das gesamte Premiumsegment wachsen, das um 15 bis 20 Prozent zulegen soll, wie Daimler-Chef Dieter Zetsche sagte. Ähnlich wie der Konkurrent BMW, der «zweistelliges Wachstum» erwartet, eröffnen die Stuttgarter jede Woche einen neuen Händler in China.

BMW-Vertriebsvorstand Ian Robertson äußerte sich zufrieden über den Premium-Markt. Verglichen mit Ländern wie Deutschland, wo das Oberklasse-Segment einen Anteil von 28 Prozent habe, liege es in China erst bei 8,2 Prozent. Es gebe noch Raum zur Entwicklung, sagte Robertson. BMW verkaufe heute schon die Hälfte seiner 7er Limousinen in China. Die Münchner präsentierten in Peking einen 3er BMW in Langversion, die bei chinesischen Kunden sehr beliebt sind.

Der Markt werde sich wieder erholen, weil es großen Nachholbedarf gebe, sagte Cui Dongshu. «Das Potenzial ist weiter groß.» Doch Wettbewerb und Preiskampf seien Probleme. Vor allem die heimischen chinesischen Marken spürten den Druck. Experten der Unternehmensberatung KPMG warnten vor Überkapazitäten, weil im Reich der Mitte zu viele Autofabriken neu gebaut werden.

Ein Höhepunkt der Messe, auf der bis zum 2. Mai rund 800 000 Zuschauer erwartet werden, war die Präsentation des Konzepts des Denza genannten Elektroautos. Der gemeinsam von Daimler mit dem chinesischen Autobauer und Batteriehersteller BYD (Build Your Dreams) für China entwickelte Viertürer soll 2013 vom Band rollen. Damit stellten die Stuttgarter als erster ausländischer Autobauer in China ein mit einem chinesischen Partner entwickeltes Elektroauto vor. «Andere globale Marken sind noch weit davon entfernt, so etwas auf dem Markt zu haben», sagte Zetsche.

Im Laufe dieses Jahres will auch BMW seine Ideen für ein Elektroauto in China vorstellen, berichtete Robertson. Der Markt für Elektroautos entwickle sich weltweit langsamer als ursprünglich erwartet. Wegen der mangelnden Erfahrung mit Elektroautos seien Kunden noch ängstlich, sich darauf einzulassen. «Das ist nicht allein ein chinesisches Problem», sagte Robertson.

Daimler-Chef Zetsche teilt die neuerdings auch in China aufkeimende Skepsis über die langsamer als erwartete Entwicklung der Elektrofahrzeuge nicht. Wegen der starken Unterstützung durch die Regierung, zum Beispiel mit finanziellen Anreizen, seien die Bedingungen in China die besten auf der Welt. Wichtig für die Akzeptanz des Elektroautos sind nach seiner Darstellung der Ausbau der Infrastruktur mit Ladestationen und ein attraktiver Preis. Zum Preis des Denza-Fahrzeugs äußerte sich Zetsche nicht. Es soll eine Reichweite von 200 bis 250 Kilometern haben und an der normalen Steckdose in fünf Stunden aufgeladen werden können.

In der Kooperation lieferte BYD vor allem die Batterietechnologie und die elektrische Steuerung, berichtete BYD-Manager Li Zhuhang der dpa. Daimler habe seine Erfahrung in Produktion, Design und Sicherheit beigetragen. «Wir sind zwei starke Seiten, die zusammenarbeiten, um eine neue Marke zu schaffen.» Er rechnet 2015 mit einem Wendepunkt auf dem Markt für E-Mobilität.

Ein spektakuläres Medienereignis auf der Messe war der Auftritt von Ex-Spice-Girl und Fußballergattin Victoria Beckham, die ein spezielles Design für einen Range Rover Evoque entworfen hatte. Ebenfalls für superreiche Chinesen stellten Porsche die GTS-Version des Geländewagens Cayenne und Lamborghini den neuen Urus Geländewagen vor.

Automesse Peking

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