18. April 2012

IWF warnt vor neuer Kreditkrise in Europa

Washington (dpa) - Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat vor einer neuen Kreditkrise in Europa mit möglichen weltweiten Folgen gewarnt. Es bestehe die Gefahr, dass europäische Banken in den kommenden Jahren ihre Bilanzen zu schnell verkürzen und dadurch die gesamte Kreditvergabe deutlich einschränken.

Internationaler Währungsfonds (IWF)
Der IWF drängt Europa zur Fortsetzung von Strukturreformen, um die Gefahr einer neuen globalen Finanzkrise zu bannen. Foto: Jim Lo Scalzo
dpa

Das sagte der Chef der IWF-Kapitalmarktabteilung, José Viñals, am Mittwoch in Washington. Im schlimmsten Szenario mit einem neuen Schock auf dem Finanzmarkt könne die Kreditvergabe bis Ende 2013 um 4,4 Prozent sinken, wodurch das Wirtschaftswachstum um 1,4 Prozent fallen würde. Die europäischen Gesetzgeber könnten das aber durch eine Fortsetzung ihres derzeitigen Reformkurses verhindern. Ohne weitere Turbulenzen gehe die Vergabe um 1,7 Prozent zurück - mit weiteren Reformen sogar nur um 0,6 Prozent. Letztere Werte seien durchaus im Bereich einer vernünftigen Entschuldung im Bankensektor, so der IWF.

Bereits die jüngsten politischen Manöver im Kampf gegen die europäische Schuldenkrise hätten für eine größere Entspannung auf den Finanzmärkten gesorgt. Nach Ausweitung der Rettungsschirme für die Eurozone seien Risikoaufschläge für Staatsanleihen gesunken, Kreditmärkte hätten sich geöffnet und an den Börsen sei es bergauf gegangen, heißt es im neuen IWF-Bericht zur Stabilität des globalen Finanzsystems, der am Mittwoch in Washington vorgelegt wurde. Aber «es ist zu früh um zu sagen, dass wir aus der Krise sind», so Viñals.

Hinzu kommt, dass die Analyse des IWF-Berichts ist nicht mehr ganz aktuell ist. Wegen Sorgen um Spanien hatten die Renditen der Staatspapiere von Euro-Schuldensündern zuletzt wieder angezogen. Außerdem machen die meisten Experten nicht allein die zuletzt stark vergrößerten Schutzschirme, sondern vor allem die Flutung des Bankenmarktes mit günstigen Krediten durch die Europäische Zentralbank (EZB) für die Entspannung im ersten Quartal verantwortlich.

Die Zentralbank habe einen bedeutenden Beitrag zur Entspannung geleistet, sagte Viñals. Aber sie könne Strukturreformen durch die europäischen Politiker nicht ersetzen. Sie müssten «Investoren eine klare Vision aufzeigen, wohin sich Europa bewegt», um das Vertrauen der Märkte zu festigen. Für echte Stabilität und Zuversicht müsse dem aktuellen Krisenmanagement der 17 Eurostaaten ein Plan zur mutigen finanziellen und fiskalen Integration der Wirtschafts- und Währungsunion folgen. Eine stärkere gemeinsame Aufsicht über das Bankensystem etwa würde die Gefahren deutlich eindämmen.

Ungewiss machen die Lage nach IWF-Einschätzung auch die hohen Staatsschulden in vielen Ländern. Die im Vergleich zur Wirtschaftsleistung stark in den roten Zahlen stehenden USA und Japan etwa hätten keine verlässlichen Pläne für den mittelfristigen Defizitabbau. In Europa müsse der Kampf gegen die Schulden zudem besonders bedacht angegangen werden, um das ohnehin schwache Wachstum nicht zu gefährden. «Die Finanzkrise und Sorgen über Staatsschulden in einigen Ländern haben Investoren daran erinnert, dass keine Anlage als vollkommen risikolos angesehen werden kann», resümiert der IWF.

IWF-Bericht

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