23. Juli 2013

KKR und Permira verabschieden sich von ProSiebenSat.1

München (dpa) - ProSiebenSat.1 macht sich nach sechs Jahren unter der Regie der Finanzinvestoren KKR und Permira auf den Weg in die Eigenständigkeit.

ProSiebenSat1
Bei ProSiebenSat.1 beginnt der Ausstieg der Eigentümer. Foto: Andreas Gebert
dpa

Die Hauptversammlung des TV-Konzerns stimmte am Dienstag im München erwartungsgemäß einer Veränderung der Aktienstruktur zu und macht damit den Weg für den lange erwarteten Ausstieg von KKR und Permira frei. Damit können sich die beiden jetzt von ihren verbleibenden Anteilen über die Börse trennen.

Die Sendergruppe dürfte damit ein heißer Kandidat für die Aufnahme in den DAX werden. Dort gibt es bisher keine Medienunternehmen.

Konzernchef Thomas Ebeling hat damit ein wichtiges Ziel erreicht und verschafft sich bei der Führung des Unternehmens (ProSieben, Kabel 1, Sixx) damit größeren Freiraum. Dabei ist der Schritt eigentlich nur der Plan B. Lieber hätten KKR und Permira den Konzern komplett verkauft, doch es fand sich kein Interessent. «Wir sind ein Stück weit Opfer des eigenen Erfolgs. Die Marktkapitalisierung liegt derzeit bei mehr als sieben Milliarden Euro, die müsste ein Käufer komplett finanzieren können», sagte der bisherige Aufsichtsratschef und Permira-Manager Götz Mäuser jüngst im «Spiegel».

Ein zu großer Brocken für die deutschen Medienhäuser und vor allem wegen möglicher kartellrechtlicher Bedenken auch ein komplexes Unterfangen. Schließlich hatten die Wettbewerbshüter bereits eine Übernahme der Sendergruppe durch den Springer-Verlag 2006 verhindert. KKR und Permira blieb somit der Ausstieg über die Börse. Dafür musste auf der Hauptversammlung am Dienstag ein komplizierter Beschluss gefasst werden: Die bisher nicht stimmberechtigten, aber an der Börse gehandelten Vorzugsaktien werden in stimmberechtigte Stammaktien umgewandelt - und zugleich zum Handel an der Börse zugelassen.

Die bisherigen Stammaktien gehörten zu 88 Prozent KKR und Permira, wurden bislang nicht an der Börse gehandelt. Künftig gibt es nach Eintragung der Beschlüsse ins Handelsregister nur noch an der Börse gehandelte Stammaktien. Der Anteil von KKR und Permira sinkt damit von 88 auf 44 Prozent. Wie schnell sich die beiden Unternehmen von diesen Anteilen trennen wollen, ist offen. Mäuser wollte sich am Dienstag auch nach mehreren Nachfragen nicht zu einem Zeitplan für den endgültigen Abschied von ProSiebenSat.1 äußern. Es gilt aber als ausgemacht, dass die Beteiligungsgesellschaft diesen Schritt gehen.

Konzernchef Ebeling verlor auf der Versammlung nur wenige Worte über den Schritt. Er hatte aber zuvor schon deutlich gemacht, dass er zufrieden mit dem Weg seiner bisherigen Haupteigentümer ist. Statt auf Großaktionäre hofft er auf eine breite Eigentümerbasis «ohne dominante Einzelinteressen», wie er der «Süddeutschen Zeitung» bereits im Juni sagte.

Aktionärsschützer lobten den Rückzug der beiden Investoren. Damit werde der langgehegte Wunsch nach Stimmrecht für die übrigen Aktionäre endlich erfüllt, sagte Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Auch die stattliche Sonderdividende von 5,65 je Vorzugsaktie und 5,63 Euro je Stammaktie lobte Bergdolt - allerdings mit Einschränkungen.

Die hohe Ausschüttung sei ein großzügiges Abschiedsgeschenk für KKR und Permira. Bezahlt wird die Dividende auch aus dem Milliardenerlös des Verkaufs der skandinavischen Sender. Bergdolt sagte, statt das Geld aus dem Verkauf fast komplett in die Dividende zu stecken, hätte mehr davon im Unternehmen bleiben sollen. «Das ist eine Vergoldung der Zustimmung der jetzigen Stammaktionäre, dafür, dass sie uns jetzt Stimmrecht geben», sagte Bergdolt.

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