04. Juni 2014

Mehdorn feuert BER-Technikchef wegen Korruptionsverdacht

Berlin (dpa) - Wegen der Korruptionsaffäre am neuen Hauptstadtflughafen hat Geschäftsführer Hartmut Mehdorn den unter Verdacht stehenden Technikchef Jochen Großmann entlassen. Das sagte Mehdorn im Hauptausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses.

Hartmut Mehdorn
BER-Flughafen-Chef Hartmut Mehdorn. Foto: Stephanie Pilick
dpa

Er hatte Großmann in der vergangenen Woche zunächst beurlaubt, nachdem die Staatsanwaltschaft dessen Büros durchsucht hatte. Sie wirft dem Ingenieur Bestechlichkeit vor.

«Ich habe diesem Mann getraut», sagte Mehdorn. In der Vernehmung durch die Anklagebehörde habe Großmann jedoch sein Schuld schon «halbwegs» eingestanden. Dem widersprach Großmanns Unternehmen GICON am Abend. Mehdorn irre, es habe keine Vernehmung geben, teilte GICON mit. Das Büro kündigte erneut an, die Vorwürfe zu entkräften. Zudem werde man mit allen Mitteln gegen Vorverurteilungen vorgehen.

Mehdorn hatte wörtlich gesagt: «Ich hab eigentlich bis zur letzten Sekunde, als der Staatsanwalt ihn verhört hat, geglaubt, dass der irgendwann mal anfängt und sagt: «Nein, das stimmt alles nicht, ich war es nicht, ich hab's nicht gemacht.» Da ist nichts gekommen. Also der hat schon halbwegs da seine Schuld eingestanden.»

Die Staatsanwaltschaft Neuruppin war am Abend nicht zu erreichen. Nach ihren Angaben von vergangener Woche war Großmann bei der Durchsuchung seines Berliner Büros zugegen. Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) als Aufsichtsratschef des Flughafens sprach angesichts der Affäre von einem Einzelfall.

Mehdorn hatte Großmann erst im April angestellt. Zuvor war er als Berater tätig. In dieser Zeit soll er Geld von dem niederländischen Planungsanbieter Arcadis verlangt haben, damit er diesem zu einem Auftrag auf der Baustelle verhilft. «Der Vorfall war nicht entdeckbar, weil er nicht bei uns stattgefunden hat», sagte Mehdorn. Erst Arcadis machte ihn darauf aufmerksam.

Der Flughafen hatte zunächst gemeldet, Großmann habe 500 000 Euro gefordert, im Ausschuss sprach Mehdorn nun von 350 000 Euro. Wowereit sagte: «Auch wenn man die Summe abzieht, wären sie der günstigste Anbieter gewesen und hätten den Zuschlag bekommen.»

Mehdorn sagte der Nachrichtenagentur dpa, er habe bereits erste Nachfolge-Kandidaten im Blick. Der Posten solle so schnell wie möglich neu besetzt werden, er selbst führe die Suche. Bewerber können jedoch nicht darauf hoffen, wie die früheren Technikchefs Manfred Körtgen und Horst Amann auch in die Geschäftsführung einzuziehen. Dass es auf dieser Ebene keinen explizit Technikverantwortlichen gibt, führt immer wieder zu Kritik.

Großmann war laut Mehdorn vom Tüv Rheinland empfohlen worden, Amann habe ihn als Sachverständigen geholt, der die nicht funktionsfähige Brandschutzanlage umplante. Mehdorn gestand Großmann zu, gute Arbeit geleistet zu haben und schloss aus, dass der Ingenieur sich bei der Umplanung an persönlichen Profitmöglichkeiten orientierte.

Inzwischen untersucht eine Arbeitsgruppe die Vergabeverfahren, auf die Großmann nach Flughafenangaben Einfluss hatte. «Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht. Und wer es einmal tut, der tut es wieder», sagte Mehdorn.

Er kündigte für die Aufsichtsratssitzung am 30. Juni einen Kostenplan für den Neubau und den Jahresabschluss 2013 an. Operativ sei das Unternehmen sehr erfolgreich, betonte der Geschäftsführer. Im ersten Halbjahr 2014 liege die Passagierzahl an den bestehenden Flughäfen Tegel und Schönefeld um rund 500 000 über dem Vorjahreszeitraum.

Die Probleme beim Neubau machen jedoch die Banken skeptisch. So hält die Förderbank KfW nach Wowereits Angaben gut 100 Millionen Euro als letzte Tranche einer Kreditlinie zurück. Wie Mehdorn sagte, will die staatliche Bank zunächst wissen, wie viel der Neubau letztlich kosten wird. Wowereit sagte: «Es ist schon mehrmals passiert, dass auf erste Anforderung nicht gezahlt wurde, sondern dass da noch Fragen waren.»

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