06. Juni 2012

Moody's senkt Daumen über deutsche Banken

Frankfurt/Main (dpa) - Schlechtere Noten für Commerzbank und Co: Die Bonitätsprüfer von Moody's stufen gleich zehn europäische Banken herab. Die wiederaufgeflammte Schuldenkrise bereitet Sorgen. Die Lage der Banken ist allerdings weniger dramatisch als befürchtet.

Moody's
Moody's begründete die Schritte mit Risiken überschuldeter Staaten und der dortigen Banken, denen sich deutsche Banken nicht gänzlich entziehen könnten. Foto: Andrew Gombert
dpa

Moody's stufte die Kreditwürdigkeit der Commerzbank und neun weiterer Banken in Deutschland und Österreich herab. Die Bonitätsprüfer senkten die Benotung der Commerzbank um eine Stufe auf «A3». Zudem ist der Ausblick negativ, wie die Ratingagentur am Mittwoch mitteilte. Das bedeutet, dass Moody's die Gefahr einer weiteren Herabstufung sieht. Das teilverstaatlichte Institut wollte die Entscheidung nicht kommentieren.

Auch die Kreditwürdigkeit der genossenschaftlichen DZ Bank, der Dekabank, der Deutschen Hypothekenbank sowie der Landesbanken Baden-Württemberg, Hessen-Thüringen und NordLB wurde um je eine Stufe herabgestuft. Ebenso erging es der deutschen Tochter der italienischen Unicredit, der HypoVereinsbank. Insgesamt erhielten sieben deutsche Geldhäuser und drei österreichischen Banken schlechtere Noten. Die Neubewertung der Deutschen Bank einschließlich Postbank ist den Angaben zufolge noch nicht abgeschlossen.

Die Institute kamen allerdings vergleichsweise glimpflich davon. «Ursprünglich hatten wir befürchtet, die zur Neubewertung stehenden Banken um zwei Stufen senken zu müssen», sagte Moody's-Analystin Carola Schuler am Mittwoch der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX. Die Refinanzierungsrisiken seien jedoch vergleichsweise gering. Zudem seien deutsche Banken heute liquider als noch vor einem Jahr.

Die Agentur begründete die Schritte mit Risiken überschuldeter Staaten und dortiger Banken, denen sich deutsche Institute nicht gänzlich entziehen könnten. Die Geldhäuser hätten nur begrenzte Fähigkeiten, Verluste abzufangen. Die Commerzbank war Ende März laut Geschäftsbericht mit rund 14 Milliarden Euro allein in Spanien engagiert, 4,4 Milliarden waren Forderungen gegenüber Banken. Auch die Bewertungen der irischen und Luxemburger Tochtergesellschaften der Commerzbank wurde herabgesetzt.

Die Bewertungen der Ratingagenturen sind für die Geschäfte der Banken von nicht unerheblicher Bedeutung. Je schlechter die Bonität eines Schuldners eingeschätzt wird, desto teurer und schwieriger kann es für diesen werden, sich frisches Geld zu besorgen - denn die Geschäftspartner beurteilen die Risiken auch auf Basis der von den Agenturen vergebenen Buchstabencodes.

Die Börse reagierte gelassen. Die Commerzbank-Aktien legten in einem freundlichen Markt im Tagesverlauf zu.

In Österreich wurde die Benotung der Unicredit Austria und der börsennotierten Raiffeisen Bank um eine Stufe auf «A3», beziehungsweise «A2» gesenkt. Die Erste Bank erhielt sogar eine Herabstufung um zwei Noten auf «A3». Die Risiken durch Problemkredite in osteuropäischen Kernmärkten österreichischer Banken bleiben nach Ansicht der Ratingagentur weiter hoch. Als weiteren Grund für die Herabstufung nannte Moody's das vergleichsweise geringe Eigenkapital der österreichischen Banken.

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