17. Januar 2013

Neues Management soll BER aus dem Chaos führen

Schönefeld/Berlin (dpa) - Eine neue Führung soll das Desaster um den Berliner Hauptstadtflughafen endlich in den Griff bekommen. Flughafenchef Rainer Schwarz wurde nach monatelanger Kritik am Mittwoch entlassen.

Hauptstadtflughafen Berlin-Brandenburg
Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck spricht bei einer Pressekonferenz auf dem Gelände des neuen Flughafens Berlin-Brandenburg in Schönefeld. Foto: Michael Kappeler
dpa

Das beschloss der Flughafen-Aufsichtsrat in einer Sondersitzung. Ein Nachfolger werde noch gesucht, sagte der neue Aufsichtsratsvorsitzende, Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD). Derweil zeichnet sich als realistischer Eröffnungstermin das Jahr 2015 ab.

Bis auf weiteres führt Technikchef Horst Amann die Berliner Flughäfen. Künftig soll eine Dreierspitze das Unternehmen leiten: Ein Vorsitzender der Geschäftsführung, ein Finanz-Geschäftsführer sowie Amann. Platzeck nannte keine Kandidatennamen. Es müsse jemand mit Erfahrung in der Branche sein.

Platzeck nannte keinen neuen Eröffnungstermin für den Airport Berlin Brandenburg in Schönefeld. Amann geht «eher von 2015 aus». Zu Beginn seiner Sitzung wählte der Aufsichtsrat Platzeck einstimmig zu seinem neuen Vorsitzenden. Er löste Berlins Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) ab, der nun Platzecks Stellvertreter ist. Diese Rochade war zuvor in den Parteien heftig diskutiert worden.

Amann sagte im ZDF über die Lage in Schönefeld: «In den kommenden Monaten soll zunächst der aktuelle Bauzustand des Gebäudes ausführlich untersucht werden.» Erst danach könnten die Restarbeiten wieder aufgenommen werden. Ein Termin im Herbst 2014 sei unter diesen Umständen nur noch unter optimalen Bedingungen einzuhalten.

Platzeck sagte, ein neuer Termin könne erst «in einigen Monaten» genannt werden. Zuerst müssten Planungsgrundlagen vorhanden sein, die die Baubehörde auch genehmigen könne. Wegen der gravierenden Mängel an der Brandschutzanlage war die für den 27. Oktober geplante Inbetriebnahme Anfang voriger Woche abgesagt worden. Es war bereits die vierte Verschiebung. Platzeck betonte, es müssten keine Gebäude abgerissen werden. Bei möglichen Umbauten gehe es ausschließlich um die Gebäudetechnik wie etwa Schaltschränke oder Schaltanlagen.

Schwarz wurde mit sofortiger Wirkung abberufen. Er war Sprecher der Geschäftsführung und zuständig für den kaufmännischen Bereich. Auf seine Ablösung hatte vor allem der Bund gedrungen, der mit Berlin und Brandenburg die Gesellschafter stellt. «Herr Schwarz hat sein Dienstzimmer geräumt und den Betrieb verlassen», sagte Platzeck. Zur Frage, ob Schwarz wegen seiner vorzeitigen Abberufung eine Abfindung bekommt, äußerte sich Platzeck nicht.

Platzeck kritisierte auch die Vorgehensweise von Amann vor der neuerlichen Verschiebung der Eröffnung, betonte aber: «Herr Amann hat mein Vertrauen.»

Neu ist auch, dass der Projektausschuss des Aufsichtsrates künftig von Rainer Bomba geleitet wird, dem Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium. Er löst in dieser Funktion den brandenburgischen Wirtschaftsminister Ralf Christoffers (Linke) ab.

Die Kosten für das angeschlagene Prestigeprojekt in Schönefeld bei Berlin haben sich seit Baubeginn 2006 von 2,0 Milliarden Euro auf 4,3 Milliarden Euro mehr als verdoppelt. Weitere Mehrkosten sind zu erwarten, weil die Eröffnung auf unbestimmte Zeit verschoben wurde.

Trotz der Flughafenmisere hat Wowereit nach Umfrageergebnissen weiter Rückhalt bei den Bürgern. Nach einer Befragung des Instituts Forsa im Auftrag der Zeitschrift «Stern» wünschen sich 58 Prozent der Deutschen, dass Wowereit weiter im Amt bleibt. Dass er wegen der Pannenserie am Flughafen als Regierungschef in Berlin zurücktreten soll, meinen 32 Prozent der Deutschen. Das Institut Forsa hatte am 10. und 11. Januar 1001 Bundesbürger befragt.

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