23. Mai 2012

Quo vadis Schlecker: Investor oder Zerschlagung?

Ehingen (dpa) - Die Rettung der insolventen Drogeriekette Schlecker könnte noch in dieser Woche scheitern - die Gerüchteküche brodelt. Sollten sich die Gläubiger für eine Zerschlagung entscheiden, könnte dies auch das Aus für Tausende Schlecker-Beschäftigte in Deutschland bedeuten.

Schlecker
Eine geschlossene Filiale der Drogeriekette Schlecker in Hannover. Foto: Julian Stratenschulte
dpa

In einer Sitzung des Gläubigerausschusses am Freitag werde eine Vorentscheidung über den Einstieg von Investoren erwartet, hieß es am Dienstagabend aus Verhandlungskreisen - «Es gibt weiterhin verschiedene Optionen.» Medienberichten zufolge stehe Schlecker aber schon am Freitag vor dem Aus. Auch Experten sehen das Treffen als richtungsweisend.

Die Gläubiger könnten dann die Zerschlagung beschließen, wie die «Stuttgarter Nachrichten» und das «manager magazin» berichteten. Ein Sprecher des Insolvenzverwalters ließ am Mittwoch dazu alle Fragen offen: «Was am Freitag passieren wird, weiß kein Mensch. Theoretisch ist und war auch immer alles möglich.» Er räumte aber ein, dass es immer wieder kritische Momente mit den Gläubigern gegeben habe. Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz sei aber weiter mit drei möglichen Investoren in «vertieften Gesprächen».

Geiwitz muss die Gläubiger davon überzeugen, das Schlecker bald kostendeckend geführt werden kann. «Erscheint eine Fortführung wirtschaftlich nicht sinnvoll, könnten die Gläubiger sehr kurzfristig den Insolvenzverwalter auffordern, die Geschäfte zu beenden», sagte der Vorsitzende des Insolvenzverwalterverbands (VID), Christoph Niering, am Mittwoch der Nachrichtenagentur dpa. «Bei dieser Entscheidung blickt jeder Gläubiger durch seine eigene Brille.»

Sowohl die 4000 Kündigungsklagen von Ex-Mitarbeitern als auch das schwierige Image von Schlecker belasteten die angestrebte Investorenlösung. «Je länger die Investorensuche dauert, desto zurückhaltender sind die Chancen zu beurteilen, dass diese erfolgreich abgeschlossen wird», sagte Insolvenzexperte Niering. Eigentlich wollte Geiwitz bis Pfingsten einen Investor präsentieren.

Sollte Schlecker zerschlagen werden, würden zum Beispiel attraktivere Unternehmensteile wie die Auslandsgesellschaften einzeln verkauft. An der Tochter IhrPlatz zeigte der Münchner Investor Dubag bereits großes Interesse. Doch was wird aus den Schlecker-Filialen, wenn es jetzt schon schwer ist, Interessenten für das gesamte Netz zu finden? Im schlimmsten Fall werden nur einige Perlen verkauft und der Großteil wird geschlossen - und das könnte langfristig ein erneutes Aus für tausende Mitarbeiter bedeuten.

Die Gewerkschaft Verdi will gar nicht erst an diese Option denken, doch auch dort scheint das Bauchgefühl kein wohliges zu sein. «Die Entscheidung wäre furchtbar für die Beschäftigten, wenn sie fallen würde - aber wir möchten uns an den Spekulationen nicht beteiligen», sagte Verdi-Sprecherin Christiane Scheller am Mittwoch.

Die Lage ist brenzliger als je zuvor. Am Freitag könnte eine richtungsweisende Vorentscheidung fallen, die am 5. Juni bei der Gläubigerversammlung beschlossen wird. Letzten Endes vertritt der Insolvenzverwalter die Interessen der Gläubiger, er ist verpflichtet, das Bestmögliche für diese aus Schlecker herauszuholen. Noch ist völlig unklar, ob es zu einer Investorenlösung kommt.

Den «Stuttgarter Nachrichten» zufolge ist das arabische Emirat Katar am Montag als Interessent abgesprungen. Lars und Meike Schlecker, die Kinder von Firmengründer Anton Schlecker, hätten das Emirat als Geldgeber vorgesehen. Katar sei jedoch nicht an Risikogeschäften interessiert. Deshalb habe man dem Insolvenzverwalter abgesagt. Dies bestätige ein Sprecher von Geiwitz nicht.

Schlecker verliere derzeit täglich einen sechsstelligen Euro-Betrag, berichtete das «manager magazin». Der Schuldenberg des Unternehmens nähere sich der Milliardengrenze. Zur Höhe der Verluste wollte sich die Insolvenzverwaltung nicht äußern. Das Schlecker rote Zahlen schreibe, sei bekannt und zunächst auch so kalkuliert.

Im Zuge der Insolvenz der Drogeriekette mit Sitz in Ehingen in Baden-Württemberg war Ende März bundesweit rund 10 000 Beschäftigten gekündigt worden - verblieben sind mehr als 13 500 Mitarbeiter.

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