17. August 2012

Ryanair-Chef wehrt sich: Kerosinmenge nicht zu knapp

London/Hamburg (dpa) - Ryanair-Chef Michael O'Leary hat sich gegen Vorwürfe gewehrt, die jüngsten Notlandungen der Billigfluglinie in Spanien könnten auf Sicherheitsprobleme wegen zu wenig Kerosin im Tank hindeuten.

Ryanair-Chef Michael O'Leary
Ryanair-Chef Michael O'Leary. Foto: Daniel Reinhardt (Archivbild)
dpa

Es habe sich um ein «außergewöhnliches Ereignis» gehandelt, sagte O'Leary der «Financial Times Deutschland» (Freitag). «Jede der drei Maschinen hatte genug Treibstoff an Bord, dass es für 90 Minuten über der geplanten Landezeit reichte. Die Flugzeuge mussten jedoch rund eine Stunde nach der geplanten Landezeit in einer Warteschleife über Valencia kreisen. Das ist nicht normal.»

Im Auftrag des Verkehrsministeriums untersucht die spanische Flugsicherheitsbehörde (AESA) derzeit drei Vorfälle, die sich am 26. Juli ereigneten. Wegen eines Gewitters mussten an dem Tag zahlreiche Flugzeuge mit Ziel Madrid nach Valencia umgeleitet werden. Drei Ryanair-Maschinen mussten hierbei den Notruf Mayday ausgeben, da die Kerosinmenge ein vorgeschriebenes Minimum erreicht hatte. Die Behörde will nun prüfen, ob die Maschinen zu knapp betankt waren.

Notlandungen sind nach Angaben des Ryanair-Chefs Teil des Sicherheitssystems der irischen Fluggesellschaft. «Wenn eine Airline Mayday ausruft, dann handelt es sich nicht um eine Notsituation. Sondern das ist ein vorgeschriebenes Verfahren für eine bevorzugte Landung», sagte er der «FT».

In einem Telefoninterview mit der Madrider Zeitung «El Mundo» (Freitag) betonte O'Leary, Ryanair habe in Spanien nie Probleme mit der Sicherheit gehabt. «Wenn es Sanktionen gab, dann auf lokaler Ebene und aufgrund von Beschwerden von Verbraucherverbänden. Diese hatten aber nie etwas mit der Sicherheit zu tun.» Er befürchte keinesfalls, dass Spanien dem Unternehmen die Fluglizenz aberkennen könnte. «Die Lizenz wurde von der irischen Luftfahrtbehörde ausgestellt. Weder die spanische Regierung noch das Verkehrsministerium sind befugt, sie uns abzuerkennen.»

Die spanische Pilotengewerkschaft Sepla forderte das Verkehrsministerium auf, den Dingen auf den Grund zu gehen. «Ryanair ist dafür bekannt, dass es seine Piloten ständig unter Druck setzt, beim Treibstoff zu sparen», betonte die Organisation. «Dies kann zu einer Gefahr für die Flugsicherheit werden.» Am Donnerstag hatte auch die deutsche Pilotenvereinigung Cockpit Ryanair ähnlich kritisiert. Die Deutsche Flugsicherung (DFS) hatte daraufhin angegeben, ihr seien keine Probleme dieser Art mit Ryanair bekannt.

Ryanair hatte betont, dass zum Zeitpunkt der Landung im Juli noch Treibstoff für 30 Minuten Flugzeit oder 300 Flugmeilen im Tank gewesen sei. Dies entspreche den Sicherheitsvorschriften des Flugzeugbauers Boeing und der europäischen Sicherheitsbehörde EASA. Auch andere Fluggesellschaften sparen Sprit. So werde bei Air Berlin zum Beispiel teilweise die Geschwindigkeit reduziert, sagte Vorstandschef Hartmut Mehdorn im Juni bei der Hauptversammlung in London. Das führe aber nicht zu Verspätungen.

Ryanair-Mitteilung

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