02. Juni 2012

Schlecker-Beschäftigte stehen vor unsicherer Zukunft

Ehingen (dpa) - Nach dem Aus der insolventen Drogeriemarktkette Schlecker müssen sich tausende Beschäftigte auf die Suche nach einem neuen Job machen. Mehr als 13 000 Menschen in Deutschland werden Ende Juni ihren Job verlieren.

Schlecker
Die vor dem Aus stehenden Schlecker-Filialen haben geöffnet, die Kunden fragen nach Rabatten, die Beschäftigten sehen der Arbeitslosigkeit entgegen. Foto: Federico Gambarini/Archiv
dpa

In den kommenden Tagen beginne in den Schlecker-Filialen der Ausverkauf, sagte ein Sprecher des Insolvenzverwalters Arndt Geiwitz. Der Sozialflügel der CDU forderte am Samstag eine Transfergesellschaft für die von der Entlassung betroffenen Mitarbeiter. Die FDP lehnt dies weiter ab.

Handeln müsse Baden-Württembergs grün-rote Landesregierung, sagte der stellvertretende CDA-Bundesvorsitzende Christian Bäumler am Samstag in Stuttgart. «Die Politik darf sich nicht aus der Verantwortung stehlen und der Bundesagentur für Arbeit den Schwarzen Peter zuschieben.» Die entlassenen Schlecker-Mitarbeiter müssten in einer Transfergesellschaft fortgebildet oder umgeschult werden. Sonst hätten sie keine Chance auf dem Arbeitsmarkt.

Baden-Württemberg sei in der Verantwortung, weil sich hier mit Ehingen der Sitz des vor der Zerschlagung stehenden Unternehmens befinde. «Die Landesregierung muss schnell und in enger Abstimmung mit der Bundesagentur für Arbeit aktiv werden, damit die Mitarbeiter nicht in die Arbeitslosigkeit abstürzen», sagte Bäumler. Die Chancen für die Betroffenen stünden schlecht. Allein in Baden-Württembergs Einzelhandel kämen auf eine offene Stelle fünf Bewerber.

Ein klares Nein kam von der FDP. Eine Transfergesellschaft würde nicht weiterführen, sagte der Vorsitzende der FDP-Bundestagsfraktion, Rainer Brüderle, am Samstag am Rande eines Landesparteitags der Liberalen Mecklenburg-Vorpommerns in Wittenburg. «Jetzt kommt es darauf an, dass die Bundesagentur für Arbeit schnell mit ihrer Expertise handelt», sagte Brüderle der Nachrichtenagentur dpa.

Nach monatelangem Ringen hatten die Gläubiger am Freitag das Aus für die Drogeriekette beschlossen. Mögliche Investoren hätten zu wenig geboten.

Um eine Transfergesellschaft hatte es bereits Ende März Streit gegeben. Die unter anderem von Baden-Württemberg angepeilte Gründung einer solchen Gesellschaft für die schon damals entlassenen Schlecker-Mitarbeiter war am Widerstand der FDP gescheitert.

Die Schlecker-Filialen hatten am Samstag wie gewohnt geöffnet. «Die Kunden fragen nach Rabatten», sagte eine Mitarbeiterin in Freiburg. Das bevorstehende Ende sei ein großes Thema. «Der Ausverkauf wird für uns Beschäftigte noch einmal bitter werden.»

Deutschlands zweitgrößte Drogeriekette Rossmann machte den Schlecker-Mitarbeitern nur wenig Hoffnungen auf einen neuen Job. «Wir werden sicher auch ehemalige Schlecker-Mitarbeiter einstellen», sagte Firmenchef Dirk Roßmann am Samstag. Wie viele der Schlecker- Beschäftigten eine Arbeitsstelle bei Rossmann bekämen, könne allerdings nicht gesagt werden. Eine Bevorzugung von ehemaligen Schlecker-Mitarbeiterinnen dürfe es schon vom Gesetz her nicht geben, betonte ein Sprecher von Rossmann. Sie hätten wegen ihrer Qualifikation gute Chancen, doch sie müssten sich gegen andere Bewerber durchsetzen.

Zur eventuellen Übernahme ganzer Schlecker-Filialen sagte Roßmann: «Wir haben alle Märkte gecheckt, infrage kämen für uns nur 50 bis 80.» Die große Mehrzahl der Schlecker-Märkte sei entweder zu klein oder ihr Standort sei nicht lukrativ.

Perspektiven gibt es für die Schlecker-Tochterfirmen IhrPlatz und Schlecker-XL. Der Münchner Investor Dubag wird sie einem Medienbericht zufolge übernehmen. Dubag wolle die 342 XL-Märkte zu IhrPlatz-Filialen umwandeln, berichtete am Samstag die «Neue Osnabrücker Zeitung» und berief sich auf Angaben des IhrPlatz-Insolvenzverwalters Werner Schneider.

Der Insolvenzverwalter des Mutterkonzerns Arndt Geiwitz hatte am Freitag nach dem Beschluss über das endgültige Schlecker-Aus bereits angekündigt, dass beide Töchter voraussichtlich an einen Investor gehen werden. Die Münchner Beteiligungsgesellschaft Dubag ist nach eigenen Angaben auf den Erwerb und die Neupositionierung von Unternehmen in Sondersituationen spezialisiert.

Dem Bericht zufolge ist der Kauf der Osnabrücker Tochter IhrPlatz bereits vollzogen. Bevor die Ihr-Platz-Anteile tatsächlich auf Dubag übertragen würden, müssten aber noch die Schlecker-Gläubiger und das zuständige Insolvenzgericht, das Amtsgericht Ulm, zustimmen. Dies dürfte aber eher formellen Charakter haben, sagte Geiwitz am Freitag ohne den Namen des Investors zu nennen.

Die Chancen für die Übernahme der Schlecker-XL-Filialen durch IhrPlatz stünden gut, sagte IhrPlatz-Verwalter Schneider dem Blatt zufolge. IhrPlatz verfügt bisher über rund 490 Filialen unter eigener Marke, knapp 350 würden bei erfolgreichem Deal noch hinzu kommen.

Zu den Großgläubigern von Schlecker gehören nach einem Bericht der «Wirtschaftswoche» auch die beiden Kinder des Firmengründers Anton Schlecker, Meike und Lars. Das Ehinger Logistikunternehmen LDG, das beiden Schlecker-Kindern gehöre, habe ein Darlehen von insgesamt 70 Millionen Euro an die Firma des Vaters vergeben. Eine Rückzahlung dieses Darlehens sei nun unwahrscheinlich.

Info zum Schlecker-Insolvenzverfahren

Rossmann-Fakten

Eigendarstellung Dubag

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