11. April 2012

Sorgen an Finanzmärkten flammen auf - EZB beruhigt

Madrid/Rom (dpa) - Die Europäische Zentralbank (EZB) hält an ihrem Aufkaufprogramm für kriselnde Staatsanleihen fest und hat damit am Mittwoch die Finanzmärkte beruhigt. Das schuldengeplagte Italien musste zwar höhere Zinsen bieten, um neues Kapital auf dem Geldmarkt einzusammeln.

Frisches Geld
Die Sorgenkinder Spanien und Italien rücken erneut in den Fokus. Um neues Kapital einzusammeln, werden deutlich höhere Zinsen fällig. Foto: Marc Müller
dpa

Doch Rom bekam die angestrebten elf Milliarden Euro. Nachdem auch das Vertrauen in Spanien zuletzt wieder nachgelassen hatte, versicherten EU-Kommission und die Regierung in Madrid am Mittwoch, dass das Land keine Hilfsgelder benötige. Spanien musste zuletzt ebenfalls höhere Zinsen für seine Staatspapiere bieten.

Am Mittwoch entspannte sich die Situation an den Bondsmärkten etwas. Händler führten das unter anderem auf Aussagen von EZB-Direktoriumsmitglied Benoît Coeuré zurück. In Paris sagte Coeuré: «Wir haben mit dem Anleihekaufprogramm ein Instrument, das derzeit nicht genutzt wird, aber nach wie vor existiert.» Händler interpretierten dies als Signal, die Notenbank könnte wieder in größerem Umfang mit Anleihekäufen am Markt eingreifen.

«Spanien zeigt, wie nervös die Märkte derzeit sind», sagte Coeuré. «Wenn man jedoch auf die Fundamentaldaten schaut, gibt es keinen Grund warum sich die Situation nicht normalisieren sollte.»

Spanien braucht nach Worten von Ministerpräsident Mariano Rajoy keine internationalen Hilfsgelder. «Es gibt Länder, die ihre Schulden nicht begleichen konnten und in denen daher eine internationale Hilfsaktion erforderlich wurde. Dies ist in Spanien nicht der Fall, weder jetzt noch in der Zukunft», sagte der konservative Regierungschef vor Abgeordneten seiner Volkspartei (PP) in Madrid.

Besonders kritisch bewerten Experten, dass angesichts der Sorgen um Spanien auch das Misstrauen der Anleger gegenüber Italien wieder deutlich zugenommen hat. Holger Schmieding, Chefökonom der Berenberg Bank, betonte, keine Brandschutzmauer sei hoch genug, um Italien abzuschirmen.

Italiens Anleihemarkt hat ein Volumen von 1900 Milliarden Euro, Spanien bringt es lediglich auf 750 Milliarden Euro. «Rom ist der Schlüssel zur Lösung der Schuldenkrise», sagte Schmieding. Im Ernstfall könne nur die EZB Italien als Kreditgeber letzter Instanz mit unbegrenzten Anleihekäufen auffangen.

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