09. Mai 2012

Spaniens viertgrößte Bank wird teilweise verstaatlicht

Madrid (dpa) - Neuer Höhepunkt in der spanischen Bankenkrise: Die kriselnde Großbank Bankia wird teilweise verstaatlicht. Der Staat übernimmt 45 Prozent des Kapitals.

Bankia
Bankia-Präsident José Ignacio Goirigolzarri (R) und schüttelt seinem Vorgänger, Rodrigo Rato (L) die Hand Foto: Ballesteros/Pool Pool
dpa

Wie das Madrider Wirtschaftsministerium in der Nacht zum Donnerstag mitteilte, wird die Bank damit staatlicher Kontrolle unterstellt. Bankia steht unter den spanischen Großbanken nach dem Börsenkapital an vierter Stelle hinter Banco Santander, BBVA und CaixaBank.

Das Geldinstitut gilt wegen seiner zahlreichen faulen Immobilienkredite als der größte Problemfall im spanischen Finanzsektor. Es war aus dem Zusammenschluss von Caja Madrid mit sechs anderen Sparkassen hervorgegangen. Bankia hat nach eigenen Angaben zwölf Millionen Kunden.

Madrid bekommt derweil Rückendeckung aus Brüssel. Dies sei ein «Schritt in die richtige Richtung», hieß es aus Kreisen von EU-Diplomaten in Brüssel. «Das erlaubt die Stabilisierung der Bank selbst und des gesamten Bankensektors.» EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia - selbst Spanier - müsse die konkreten Pläne dann noch prüfen, hieß es. Almunias Sprecher erklärte in Brüssel, man sei mit den spanischen Behörden «auf Arbeitsebene» in Kontakt. Details wollte er nicht nennen.

Die angekündigte Teilverstaatlichung wurde in der Finanzwelt zunächst nur begrenzt mit Erleichterung aufgenommen. Der Aktienkurs des Geldinstituts fiel am Donnerstag bis zum Mittag um weitere drei Prozent. Zuvor war der Wert der Bankia-Aktien seit Beginn der Woche bereits um mehr als 13 Prozent gesunken.

Die Lage an den Anleihemärkten entspannte sich wieder etwas. Die Renditen, zu denen umlaufende Schuldverschreibungen der beiden großen Krisenländer gehandelt werden, gingen spürbar zurück - für spanische Anleihen wieder unter die kritische Marke von sechs Prozent. Bei den italienischen Pendants fielen die Renditen in exakt der gleichen Größenordnung und notierten zuletzt bei 5,493 Prozent.

Die Bonitätsprüfer von Standard & Poor's (S&P) zeigten sich unbeeindruckt. Bankia stehe weiter unter verschärfter Beobachtung («Credit Watch negative»), was nun auch für die kurzfristige Kreditwürdigkeit der Muttergesellschaft BFA gelte, teilte S&P mit. Die Entscheidung reflektiere die gestiegene Unsicherheit hinsichtlich der Finanzstärke und der zukünftigen strategischen Ausrichtung der Institute. S&P bewertet Bankia mit der Bonitätsnote «BBB-».

Das ist die letzte Stufe über Ramschniveau. Die Bewertung «Credit Watch with negative Implications» bedeutet eine erhöhte Wahrscheinlichkeit, dass die Kreditwürdigkeit kurzfristig herabgestuft wird.

Der Bankia-Präsident José Ignacio Goirigolzarri hatte zuvor für eine teilweise Verstaatlichung der Bank plädiert. Die Regierung nahm den Vorschlag sofort an. Danach soll die Summe von 4,6 Milliarden Euro, die der staatliche Bankenrettungsfonds Frob der Bankia-Mutter BFA als Kredit zur Verfügung gestellt hatte, in BFA-Aktien umgewandelt werden. Damit gerät die Muttergesellschaft zu 100 Prozent in den Besitz des Staates, der zugleich größter Aktionär von Bankia wird. Für die Aktionäre und Anleger bedeute dies keinerlei Nachteile, betonte das Wirtschaftsministerium.

Der kriselnde spanische Bankensektor steht noch vor weiteren Umwälzungen: Ministerpräsident Mariano Rajoy äußerte die Zuversicht, dass seine geplante Bankenreform, die an diesem Freitag vom Kabinett verabschiedet werden soll, die Probleme der Finanzwirtschaft in seinem Land größtenteils lösen werde. «Wir wissen, was zu tun ist, und wir werden es tun», sagte der Regierungschef.

Wie aus Finanzkreisen verlautete, will Madrid mit der Reform von den Geldinstituten fordern, noch höhere Kapitalreserven als bisher zur Abdeckung fauler Kredite zurückzulegen. Nach Angaben der Regierung beläuft sich das Gesamtvolumen der Immobilienkredite spanischer Banken auf 320 Milliarden Euro. Davon wurden 180 Milliarden als «giftig» eingestuft. Experten gehen davon aus, dass der Staat dem Bankensektor, der mehr als angenommen unter der 2008 geplatzten Immobilienblase leidet, noch stärker unter die Arme greifen muss.

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