19. April 2012

Spanische Anleihe-Auktion läuft glatt

Madrid/Berlin (dpa) - Das angeschlagene Euroland Spanien hat sich bei einem mit Spannung erwarteten Test am Anleihemarkt erfolgreich behauptet. Die Versteigerung von Staatsanleihen mit Laufzeiten von bis zu zehn Jahren habe insgesamt 2,54 Milliarden Euro in die Staatskasse gespült.

Spanischer Euro
Für Spanien hat sich die Lage an den Finanzmärkten weiter zugespitzt. Foto: Oliver Berg
dpa

Dies teilte die spanische Finanzagentur am Donnerstag in Madrid mit. Dank einer robusten Nachfrage wurde sogar das Maximalziel von 2,5 Milliarden Euro übertroffen. Allerdings musste Spanien etwas höhere Zinsen als noch bei der letzten vergleichbaren Auktion in Kauf nehmen. An den Finanzmärkten war die Erleichterung spürbar. Allerdings verstummten die Warnungen vor gravierenden Problemen im Bankensektor des angeschlagenen Eurolandes nicht.

Unter den Hammer kamen Anleihen mit Laufzeiten von zwei und zehn Jahren. Mit einer Versteigerung von zehnjährigen Anleihen wurden insgesamt 1,42 Milliarden Euro eingesammelt. Die Rendite lag bei 5,743 Prozent (Januar: 5,403 Prozent). Die Auktion von Anleihen mit einer Laufzeit von zwei Jahren brachte 1,12 Milliarden Euro bei einer Rendite von 3,463 Prozent.

Am Devisenmarkt reagierte der Euro mit einem kurzzeitigen Sprung auf das Tageshoch bei 1,3164 US-Dollar auf die Ergebnisse der Versteigerung. Danach gab er seine Gewinne wieder ab. Experte Lutz Karpowitz von der Commerzbank rechnete allerdings nicht mit nachhaltigen Bewegungen bei der Gemeinschaftswährung. Dafür sei das Volumen der Spanien-Auktion einfach zu gering gewesen.

Die Versteigerung spanischer Anleihen fand in einer angespannten Lage statt. Zu Beginn der Woche waren die Renditen der richtungsweisenden zehnjährigen Anleihen in den kritischen Bereich über der Marke von 6,0 Prozent gestiegen. In den vergangenen beiden Handelstagen hatte sich die Lage zwar wieder etwas entspannt. Unmittelbar nach der Spanien-Auktion stieg die Rendite am späten Vormittag im einfachen Handel aber wieder leicht auf 5,803 Prozent.

Als besonders beunruhigend hatten Experten zuletzt die jüngste Entwicklung im spanischen Finanzsektor gewertet. Dort stieg der Anteil der notleidenden Bankkredite auf den höchsten Stand seit 18 Jahren. Die Zahlen sind alarmierend, weil sie das hohe Misstrauen, das spanischen Banken aus anderen Ländern entgegenschlägt, untermauern. Der Finanzsektor gilt als große Achillesferse der spanischen Wirtschaft.

In ihrem Frühjahrsgutachten warnten führende deutsche Wirtschaftsforschungsinstitute die Euro-Krisenländer davor, dass nachlassender Reformwille und spürbare höhere Zinsen zu nicht mehr tragbaren Schulden führen könnten. Allerdings sind die Forscher für Irland, Italien und Spanien noch vergleichsweise optimistisch, dass eine Stabilisierung möglich sei.

Pessimistischer fällt das Urteil für Griechenland und Portugal aus. Kritisch sehen die Wirtschaftsforscher die Rolle der Europäischen Zentralbank (EZB), die unbegrenzt Liquidität bereitstelle, um einen Kollaps angeschlagener Finanzinstitute zu verhindern. Wenn die EZB ihre Geldpolitik am schwächsten Euro-Mitgliedsland ausrichte, könne das nicht lange gutgehen.

Hiobsbotschaften drohen auch erneut von den Ratingagenturen. Denn mit Fitch hat bereits die zweite Agentur die Niederlande ausdrücklich vor einer Aberkennung ihrer Bestnote gewarnt. «Die Niederlande sind an der Schwelle einer negativen Ratingaktion», sagte Chris Pryse, Fitch Direktor für Westeuropa, in einem Interview mit dem britischen «Daily Telegraph» (Donnerstag).

Das Land leidet derzeit unter einer schwachen Wirtschaftsentwicklung und stark fallenden Häuserpreisen. Die Regierung hat keine eigene Mehrheit und muss sich mit der rechtspopulistischen Partei der Freiheit auf Reformen einigen. Diese lehnt jedoch vor allem Kürzungen bei den Sozialausgaben ab. Nur noch ganz wenige Euroländer, darunter Deutschland, werden mit Bestnoten bei der Kreditwürdigkeit bewertet.

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