08. Juni 2012

Studie: Telekom-Chef hält die verständlichste Rede

Stuttgart (dpa) - Telekom-Chef René Obermann könnte den Chefs der übrigen Dax-Konzerne Nachhilfestunden geben - und zwar im Fach Reden halten.

Rene Obermann
Kein Vorstandsvorsitzender bei den Börsenschwergewichten spricht so gut Klartext wie Telekom-Chef Rene Obermann. Foto: Oliver Berg
dpa

Denn kein Vorstandsvorsitzender bei den Börsenschwergewichten spricht so gut Klartext wie Obermann, wie zumindest aus einer Auswertung der Universität Hohenheim hervorgeht.

Sie hat die Reden der Dax-Vorstände vor ihren Aktionären auf den Hauptversammlungen untersucht. Die Analyse lag der Nachrichtenagentur dpa am Freitag in Stuttgart vor.

Die Reden während der Hauptversammlungen im Frühjahr gelten als einer der wichtigsten Termine im Kalender der Vorstandsvorsitzenden. Darin sollten sie den Anteilseignern Rechenschaft ablegen über ihre Arbeit im abgelaufenen Jahr, strategische Weichenstellungen begründen und die künftigen Ziele erklären. Vergleichbar sind diese Reden zum Beispiel mit den Regierungserklärungen von Kanzlern und Ministern.

Dieser großen Bedeutung werden die meisten Chefs der Untersuchung zufolge aber nicht gerecht, denn sie sprechen viel Kauderwelsch statt Klartext. Bei der sprachlichen Verständlichkeit ihrer Reden bekommen die Topmanager fast nur miese Noten: Auf einer Skala von 0 - das wäre in etwa so verständlich wie eine Doktorarbeit - bis 10 - das wäre so gut zu verstehen wie Radio-Nachrichten - erreichen die 30 Vorstände im Schnitt nur die Note 3,8. Obermann dagegen bekommt eine gute 7,2.

Das Klassenziel völlig verfehlt hat Linde-Chef Wolfgang Reitzle: Er hat die Note 1,0 am fast untersten Ende der Skala. Nachsitzen müsste er zusammen mit Ulf M. Schneider von Fresenius SE (1,1) und Olaf Koch von Metro (1,3). Dagegen könnte zusammen mit Obermann am ehesten noch BMW-Chef Norbert Reithofer (6,5) den Kollegen Nachhilfe erteilen. Zur Ehrenrettung muss gesagt werden, dass die Chefs ihre Reden in aller Regel nicht selber schreiben, sondern geschrieben bekommen und meist nur kleine eigene Korrekturen vornehmen.

Der Initiator der Studie, Professor Frank Brettschneider, fasst zusammen: «Viele Vorstandsvorsitzende verschenken die Chance, mit ihren Reden eine breite Öffentlichkeit zu erreichen. Sie denken offenbar vor allem an Analysten, Finanz- und Wirtschaftsjournalisten, wenn sie ihre Reden halten.» Sie vergäben somit auch die Chance, ihr Ansehen bei einer größeren Zielgruppe zu verbessern.

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