02. Mai 2012

Trotz Zweifel Freispruch für Volkert-Geliebte

Wolfsburg (dpa) - Für die brasilianische Journalistin Adriana Barros ist es ein guter Tag: Das Wolfsburger Amtsgericht hat die 47-Jährige am Mittwoch vom Vorwurf der Beihilfe zur Untreue freigesprochen.

VW-Affäre
Prozessakten im Untreueprozess gegen die früherer Geliebte des Ex-VW-Betriebsratschefs Volkert. Foto: Jochen Lübke
dpa

Adriana Barros - eine Randfigur der VW-Affäre um Bestechlichkeit und Korruption - war die Geliebte des ehemaligen VW-Betriebsratsvorsitzenden Klaus Volkert. Für ein Treffen mit ihm jettet sie durch die halbe Welt - unbestritten auf Konzernkosten.

Doch das konnte sie laut Gerichtsurteil nicht wissen, auch nicht, das ihr Honorar für Videos von insgesamt 250 000 Euro nur zum Schein gezahlt wurde. Von den Kulturunterschieden bis zum komplizierten deutschen Aktienrecht begründete der Richter den Freispruch.

Die Anspannung war Barros anzumerken. Im kleinem Schwarzen und einem Blazer mit goldenem Wappen saß sie neben der Dolmetscherin, hörte konzentriert der Übersetzung des einstündigen Plädoyers ihres Anwalts zu. Bei ihren Schlussworten kamen der 47-Jährigen die Tränen.

«Ich hatte große Angst», sagte sie nach dem Prozess auf dem Gerichtsflur - nun sichtlich erleichtert. Die Sorgen und die Ungewissheit hätten ihr zu schaffen gemacht. Ganz unbesorgt kann sie jedoch noch nicht in die Zukunft schauen, der Staatsanwalt will Rechtsmittel einlegen.

«Auch uns geht es so, dass es uns schwer fällt, alles zu glauben, was die Angeklagte erzählt. Aber das ist nicht entscheidend», sagte Richter Holger Kuhlmann in seiner Urteilsbegründung. Das Gericht musste entscheiden, ob sie wusste, dass die Zahlungen unrechtmäßig waren. Darauf habe es keinen Hinweis gegeben. «Ich stand an der Tür zur Karriere», erinnerte sie sich. In den Medien wurde vor sieben Jahren viel über sie geschrieben. Immer sei nur die Rede davon gewesen, dass sie in dem Ferienclub, in dem sie Volkert kennenlernte, arbeitete. Dort habe sie nur kurz vor ihrem Studienabschluss gejobbt. Danach habe sie als Journalistin gearbeitet und sich auch schon vor der Beziehung zu Volkert für Straßenkinder engagiert. «Niemand hat sich dafür interessiert, wer ich wirklich bin», beklagte sie am Mittwoch. Und niemand - auch Volkert nicht - habe ihr damals erklärt, was das alles zu bedeuten habe.

«Wir halten die Entscheidung nicht für richtig», erklärte Staatsanwalt Daniel Facca nach der Verhandlung. Die Anklagebehörde wolle auf jeden Fall Rechtsmittel einlegen.

Weitere Artikel aus diesem Ressort