14. April 2012

Unternehmen suchen tausende Ferienjobber

Berlin (dpa) - Bierkisten stapeln, Ersatzteile sortieren, Gummibärchen gießen, in der Autoproduktion helfen: Angesichts der guten Konjunkturlage suchen Unternehmen in Deutschland tausende von Ferienjobbern. Das ergab eine dpa-Umfrage.

Ferienjobs in NRW
Gummibärchen gießen, Bierkisten stapeln, Ersatzteile sortieren: Viele große Unternehmen bieten Ferienjobs für Schüler und Studenten an. Foto: obs/Krombacher Brauerei
dpa

Es gebe einen allgemeinen Trend zu mehr Ferienjobs, sagt Paul Ebsen, Sprecher der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg. «Gerade in der Zuliefer- und Fertigungsindustrie und im Gesundheitswesen sind Schüler und Studenten eine Entlastung für die wenigen Fachkräfte. Grund für die vielen Ferienjobs ist wohl die positive konjunkturelle Entwicklung». Unternehmen griffen vor allem auf Schüler und Studenten zurück, weil sie mit Ihnen flexibel und kurzfristig Spitzen in der Produktion ausgleichen könnten.

Allein der Stuttgarter Autokonzern Daimler sucht mehr als 4300 Ferienbeschäftigte in den Werken für Personenwagen und etwa 2150 für die Lastwagenproduktion. «Die ersten Arbeitskräfte starteten bereits Ende März, die Hochphase wird in den Sommermonaten zwischen Juli und September sein», teilte das Unternehmen vor kurzem mit.

Der größte europäische Autobauer VW will in den Werksferien zunächst vor allem Beschäftigte aus der Stammbelegschaft einsetzen, die auf freiwilliger Basis mehr arbeiten wollen. Um die Produktion hoch zu halten, könnten eventuell aber auch zusätzliche Aushilfen rekrutiert werden, sagte ein Konzernsprecher. «Die Entscheidung, ob und wie viele Ferienbeschäftigte benötigt werden, fällt zu einem späteren Zeitpunkt.» In diesem Fall würden es jedoch voraussichtlich weniger sein als im Vorjahr. 2011 waren über die Wolfsburg AG mehr als 2000 Frauen und Männer als Ferienbeschäftigte bei VW in Wolfsburg eingesetzt.

Der Autozulieferer Bosch rechnet mit einem Bedarf von rund 4500 Ferienarbeitern in Deutschland, wie ein Sprecher sagte. Das seien in etwa so viele wie im Vorjahr. Der als «Schraubenkönig» bekannte Konzern Würth in Künzelsau bietet an seinem Stammsitz vor allem Aushilfsjobs in der Logistik an. Zwischen 150 bis 200 Leute sollen es dieses Jahr sein, wie Sprecherin Janina Knab berichtete. 2011 seien dort 160 Menschen beschäftigt gewesen.

Der Münchner Lastwagenbauer MAN will 130 Ferienjobber an seinem Standort Nürnberg einstellen, in der Produktion sowie im kaufmännischen Bereich. Neben dem Vorteil, dass mit Ferienjobbern vor allem in der Urlaubszeit Lücken ausgeglichen werden können, sieht Sprecher Stefan Straub den Nutzen auch darin, Nachwuchs anzuwerben.

Der Ingolstädter Autobauer Audi stellt zwischen Mai und September wegen der guten Auftragslage Schüler und Studenten in Ingolstadt und Neckarsulm ein. Vier bis acht Wochen können mindestens Volljährige Ferienjobber in der Fahrzeugfertigung arbeiten und dabei ungefähr 2 200 Euro im Monat Taschengeld verdienen - handwerkliches Geschick und die Bereitschaft zur Schichtarbeit vorausgesetzt.

Rund 120 Ferienjobber sucht der Bonner Süßwaren-Produzent Haribo in diesem Jahr. Wie Sprecher Marco Alfter sagte, sollen die Aushilfskräfte von Juni bis August mehrere Wochen am Stück in der Produktion und Logistik aushelfen. Gummibärchen-Verkostung ist dabei nicht nur erlaubt, sondern sogar erwünscht: «Dass unsere Mitarbeiter jederzeit Gummibärchen probieren dürfen, gehört für uns zur internen Qualitätskontrolle.»

Dagegen bietet der Autobauer Opel schon seit Jahren keine Ferienjobs mehr an. «Die produktionsfreie Zeit während der Werksferien wird für Wartung, Instandhaltung und Umbaumaßnahmen in der Fertigung benötigt», berichtete die Adam Opel AG in Rüsselsheim. Opel leidet aber aktuell auch unter einer herben Absatzflaute, so dass die Mitarbeiter eher ihre Arbeitszeitkonten abbauen können, als dass Ferienjobber gefragt wären.

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