15. April 2014

Versicherer fordern mehr Transparenz bei Altersvorsorge

Berlin (dpa) - Die Bürger sollen nach dem Willen der Versicherer einen besseren Überblick über ihre Ansprüche aus der Altersvorsorge bekommen.

Rente
Wieviel Geld man im Rentenalter bekommt, ist oft schwer zu ermitteln. Experten fördern mehr Klarheit. Foto: Oliver Berg/Archivbild
dpa

Nur bei regelmäßigen Informationen aller Versicherungsträger könnten mögliche Lücken in der gesetzlichen, privaten und betrieblichen Vorsorge besser erkannt werden, erläuterte der Präsident des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), Alexander Erdland. Eine solche umfassende Information der Verbraucher ist allein schon aus Datenschutzgründen derzeit noch schwierig.

Bisher gebe es lediglich für die gesetzliche Rentenversicherung regelmäßige Auskunft über die künftigen Ansprüche. Im Zeitalter des Internets sollten Politik und Versicherungswirtschaft den Versicherten aber einen Gesamtüberblick ermöglichen, sagte Erdland. Sein Verband sei dazu grundsätzlich bereit. Allerdings müssten in diesem Fall sehr viele Anbieter zusammenarbeiten.

Erdland verwies auf andere Länder, wo es solche umfassenden Renteninfos schon gebe. Dort gebe es eine Bürgernummer für das Rentensystem ähnlich der deutschen Steuernummer. Die Steuernummer könnte jedoch nicht für das Rentensystem genutzt werden. Nach der Information des Versicherungsnehmers sollen diese Daten wieder gelöscht werden.

Die unter der Niedrigzinsphase leidenden Versicherer sind gerade dabei, sich neue Investitionsmöglichkeiten zu erschließen. Dabei kommt nach Erdlands Worten die Energiewende in den Blick: Altersvorsorge durch Energievorsorge sei das Stichwort.

Allerdings müssten derzeit Investitionen in der Erneuerbaren Energiebranche noch mit einem rund 50-prozentigen Eigenkapitalanteil abgesichert werden. Die Politik sei hier aufgefordert, mit abnehmendem Investitionsrisiko in der Branche die hohe Investitionshürde Eigenkapital zurückzufahren.

Der Rentenexperte Bert Rürup sagte bei der Vorstellung einer Studie über «die Zukunft der Altersvorsorge» voraus, dass die betriebliche Altersvorsorge in den nächsten Jahren eine «Renaissance» erleben werde.

Als Begründung verwies er auf den zunehmenden Fachkräftemangel. Vor diesem Hintergrund komme es Betriebe günstiger, dem beworbenen Mitarbeiter eine betrieblichen Altersvorsorge anzubieten, als entsprechend einen höheren Lohn zu zahlen. Die deutschen Betriebsrenten seien die sichersten der Welt.

Die Studie wurde im Auftrag der GDV vom «Handelsblatt» Research Institute in Zusammenarbeit mit der Schweizer Prognos AG erstellt. Sie kommt zu dem wenig überraschenden Ergebnis, dass die Rentenbeiträge durch die aktuelle Rentenpolitik der schwarz-roten Bundesregierung in den nächsten Jahren steigen und das Rentenniveau gleichzeitig stärker zurückgehen werde als erwartet.

Als Folge der Mütterrente und der abschlagsfreien Rente mit 63 nach 45 Beitragsjahren dürfte der Beitrag bis 2030 auf 22,7 Prozent steigen und bis 2050 auf etwa 25 Prozent, so die Berechnungen. Die schwarz-rote Rentenpolitik drehe Erfolge der Rentenreformen der vergangenen 10 bis 20 Jahre zurück. Der GDV warf der Bundesregierung vor, das derzeitige «demografische Zwischenhoch für langfristige Leistungsausweitungen zu «missbrauchen».

Rürup und die Versicherer warben für den Ausbau der kapitalgedeckten - der betrieblichen und der privaten - Altersvorsorge. Die Förderhöchstbeträge im Rahmen der Riester-Rente sollten angehoben und künftig dynamisch angepasst werden. Sie lägen seit zwölf Jahren bei 2100 Euro. Grundsätzlich aber bleibe eine Mischform aus Umlage- und Kapitaldeckung der «richtige Weg». Daran ändere auch die derzeitige Niedrigzinsphase nichts.

GDV-Studie

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