19. Juni 2013

Volkswirte: Weiterhin keine Anzeichen für neuen Jobaufschwung

Nürnberg (dpa) - Auftragsflaute und Unsicherheit über die konjunkturelle Entwicklung - da zögern Unternehmen meist mit der Einstellung neuer Mitarbeiter. Fachleute rechnen daher vorerst nicht mit einem neuen Jobaufschwung. Im Juni sorgte allein die Frühjahrsbelebung für Bewegung.

Fensterputzer
Schweißtreibend: Fensterputzen im Hochsommer ist ein Knochenjob. Foto: Stefan Puchner
dpa

Nach dem Ende des deutschen Jobwunders im Vorjahr sehen Fachleute sehen derzeit keine Anzeichen für einen baldigen neuen Jobaufschwung. Bereinigt um saisonale Sonderfaktoren sei in den kommenden Monaten sogar mit einem leichten Anstieg der Arbeitslosenzahlen zu rechnen, berichteten Volkswirte deutscher Großbanken und Konjunkturforscher in einer Umfrage der Nachrichtenagentur dpa. Erst gegen Jahresende könnte bei der von einigen Experten erwarteten leichten Konjunkturbelebung wieder mit leicht sinkenden Arbeitslosenzahlen gerechnet werden.

Für den Juni gehen die Experten von 2,886 Millionen arbeitslosen Männern und Frauen aus; dies wären saisonbedingt zwar rund 50 000 weniger als im Mai, aber rund 78 000 mehr als vor einem Jahr. Wegen des langen Winters und des kalten Frühjahrs reiche der Frühjahrsaufschwung in diesem Jahr bis weit in den Juni hinein. In vielen Außenberufen, aber auch in der Gastronomie sei erst jetzt die Saisonbelegschaft hochgefahren worden. Die offiziellen Arbeitslosenzahlen für den Juni will die Bundesagentur für Arbeit (BA) an diesem Donnerstag (27. Juni) bekanntgeben.

Bei Arbeitsmarktprognosen für die zweite Jahreshälfte 2013 schwanken die Fachleute zwischen Skepsis und vorsichtigem Optimismus. So rechnet etwa Steffen Henzel vom Münchner Ifo-Institut bis zum Jahresende saisonbereinigt mit einem leichten Anstieg der Arbeitslosigkeit. Selbst der für die zweite Jahreshälfte erwartete leichte Konjunkturaufschwung werde im Laufe des Jahres kaum auf dem Arbeitsmarkt spürbar sein; mit den gestiegen Lohnkosten nach den jüngsten Tarifabschlüsse sei in den Unternehmen die Produktivität gesunken. Unternehmen zögerten daher selbst bei verbesserter Auftragslage mit Neueinstellungen.

Zuversichtlicher ist dagegen Deutsche-Bank-Volkswirt Heiko Peters. Er geht davon aus, dass von einem 0,3-prozentigen Wirtschaftswachstum im zweiten Quartal und einem voraussichtlichen 0,2-prozentigen Zuwachs im dritten Quartal auch der Arbeitsmarkt profitieren wird. «Da der Arbeitsmarkt aber erst mit einem bis zwei Quartalen Verzögerungen auf Konjunkturentwicklungen reagiert, dürfte sich die Lage auf dem Arbeitsmarkt wohl erst gegen Ende des Jahres verbessern», prognostiziert er. Auch sein Kollegen Ralf Schneider von der Allianz rechnet damit, dass es «im Laufe des Jahres einen leichten Abbau der Arbeitslosigkeit geben wird».

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