Umsatzrückgang im 1. Quartal
15. Mai 2018

Windrad-Hersteller trotz guter Auftragslage unter Druck

Der Ausbau der Windenergie steht weltweit auf der Tagesordnung. Für die Hersteller der Anlagen sind die Zeiten dennoch nicht einfach. Sie haben zwar ausreichend Aufträge, stehen aber unter starkem Wettbewerbsdruck.

Windrad
Insgesamt sieht es für die Zukunft der Windenergie nicht schlecht aus. Foto: Jens Büttner
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Hamburg (dpa) - Die Hersteller von Windkraftanlagen kämpfen mit Preisdruck und rückläufigen Subventionen. Die Quartalsberichte der beiden deutschen Hersteller Nordex und Senvion, die am Dienstag in Hamburg vorgelegt wurden, sind nicht wirklich gut.

Bei Senvion stürzte der Umsatz geradezu ab, um fast 35 Prozent von 392 Millionen Euro im gleichen Zeitraum des Vorjahres auf nunmehr 256 Millionen Euro. Nicht viel besser sah es bei Nordex aus: 25 Prozent Umsatzrückgang von 648 auf 488 Millionen Euro. Operativ blieb bei beiden Unternehmen ein kleiner Gewinn übrig, aber unter dem Strich erwirtschafteten sie in den ersten drei Monaten des Jahres Verluste: Nordex 19,4 Millionen Euro, Senvion sogar 28,4 Millionen Euro.

Nun ist das erste Quartal bei den Herstellern von Windkraftanlagen in der Regel das schwächste des Jahres, und beide Unternehmen erwarten im Jahresverlauf eine bessere Entwicklung ihrer Geschäfte. Ebenso wie Siemens Gamesa mit Sitz in Spanien, die dänische Vestas oder der US-Konzern GE haben sie mit strukturellen Problemen der Branche zu kämpfen.

Im deutschen Heimatmarkt steht beim Ausbau der Windenergie an Land ein Rückgang bevor. Die Ausschreibungsregeln für neue Windparks sind strikt kostenorientiert und geben demjenigen Anbieter den Zuschlag, der mit den geringsten oder ganz ohne öffentliche Subventionen auskommt. Auf Nord- und Ostsee ist der Ausbau gedeckelt. Deutschland steht mit dieser Politik nicht allein; auch andere Länder wollen den Subventionsaufwand bremsen. Folge: Um konkurrenzfähig zu bleiben, müssen die Unternehmen ihre Kosten herunterfahren. Alle Mitspieler auf dem Markt haben entsprechende Programme aufgelegt und dabei auch die Zahl ihrer Mitarbeiter reduziert.

Zum anderen müssen die Unternehmen in die Modernisierung ihrer Produkte investieren. Auf See rücken schon Anlagen mit einer Leistung von mehr als 10 Megawatt in Sichtweite; aktuell liegen die leistungsfähigsten Windkraftwerke bei 8,5 Megawatt. Auch an Land sind noch Leistungsreserven zu erschließen. Viele Hersteller bieten mittlerweile Windkraftwerke mit einer Leistung von mehr als 4 Megawatt an, gegenüber 3 oder 3,5 bisher. Die höhere Leistung führt zu einer spürbaren Senkung der Kosten je erzeugtem Megawatt Strom von 20 bis 30 Prozent oder noch mehr.

Insgesamt sieht es für die Zukunft der Windenergie nicht schlecht aus. Durch die Kostensenkungen und höhere Leistung der Windräder wird Windstrom an vielen Standorten konkurrenzfähig zu konventionellen Kraftwerken. Der jährliche globale Ausbaupfad liegt bei 50 bis 60 Gigawatt Leistung, das sind mehr als 10.000 Windkraftwerke an Land und auf dem Meer. Die meisten davon werden in China installiert, und dieser Markt ist westlichen Herstellern weitgehend verschlossen. Aber die USA, Indien, Südamerika und die großen europäischen Länder bieten genug Marktchancen.

So ist der Ausblick für Senvion und Nordex gar nicht negativ: «Wir konnten eine starke Zunahme der Auftragseingänge in den ersten drei Monaten zeigen», sagte Senvion-Chef Jürgen Geißinger. «Das ist ein äußerst ermutigendes Zeichen.» Tatsächlich legte der Auftragseingang um 37 Prozent zu; das Polster reicht bis weit in das kommende Jahr. Auch Nordex-Chef José Luis Blanco gibt sich zuversichtlich: «Unsere Produktstrategie stimmt.» Der Nordex-Auftragseingang allein für Neubauprojekte stieg von 333 auf 820 Millionen Euro. Fast alle Aufträge kamen aus dem Ausland. Der Grundstein für bessere Umsätze und Erträge ist damit gelegt.

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