17. April 2012

dm neuer Primus und bietet Jobs für Schlecker-Gekündigte

Karlsruhe (dpa) - Die Drogeriemarktkette dm hat die Konkurrenten Rossmann und Schlecker ausgestochen. Mit weiterhin zweistelligen Zuwachsraten ist der Karlsruher Konzern zum Marktführer in Deutschland aufgestiegen.

Drogeriemarktkette dm
Nach der Schlecker-Pleite ist die Drogeriemarktkette dm vor Rossmann neuer Branchenführer. Foto: Uli Deck
dpa

Dabei profitiert er von der Pleite des bisherigen Branchenprimus Schlecker, der Filialen schließen und tausenden Mitarbeitern kündigen musste. dm-Vorstand Erich Harsch ist überzeugt, dass etliche frühere Schlecker-Kunden inzwischen in seinen dm-Filialen einkaufen. Zugleich blieb Harsch bei seiner Linie, kein unnötiges Wort über den in der Vergangenheit wenig beliebten Konkurrenten zu verlieren. Allerdings stellte er Schlecker-Mitarbeitern Jobs in Aussicht.

Harsch verwies bei der Präsentation der Halbjahreszahlen (bis 31. März) am Dienstag in Karlsruhe auf das gleichbleibend hohe Wachstum des Konzerns. Die Umsätze stiegen in Deutschland im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 12,7 Prozent auf 2,47 Milliarden Euro. Im Ausland fiel das Plus mit 4,5 Prozent etwas geringer aus. Der Umsatz lag bei 862 Millionen Euro. Zum Ende des Geschäftsjahres will Harsch in Deutschland an der 5-Milliarden-Hürde kratzen. Über den Gewinn schweigt sich der Konzern traditionell aus.

In den vergangenen zwölf Monaten hat dm nach eigenen Angaben 3500 neue Stellen geschaffen, davon 2700 in Deutschland. Bis zum Ende des Geschäftsjahres sollen weitere 1500 dazukommen. In dieser Zeit will dm allein in Deutschland 60 neue Filialen eröffnen und sein Netz auf 1306 Standorte erweitern.

Das biete auch Chancen für die Belegschaften der kriselnden Konkurrenz, sagte Harsch. «Einige unserer dm-Kollegen sind sogar auf die Mitarbeiter von schließenden Schlecker-Märkten zugegangen und haben sie zu einer Bewerbung bei uns ermuntert.» Zurzeit beschäftigt dm insgesamt rund 40 000 Menschen, davon knapp 26 300 in Deutschland.

Harsch wies Darstellungen zurück, dass Schlecker seine Mitarbeiter besser bezahle als dm. Es gebe bei der Karlsruher Kette ein große Bandbreite. Filialleiter etwa könnten je nach Erfahrung zwischen 3000 und mehr als 6000 Euro verdienen. Zudem gebe es etliche Zusatzzahlungen wie Urlaubs- und Weihnachtsgeld.

Die Karlsruher Kette will aber nicht offensiv in die Lücke stoßen, die Schlecker hinterlässt. So kommt etwa eine weitreichende Übernahme von Schlecker-Filialen nicht infrage. «Mehr als 98 Prozent dieser Märkte sind für unsere Belange sowieso viel zu klein», sagte Harsch. Gleichzeitig kritisierte er einige Mitbewerber, die mit «zum Teil aggressiven Werbemaßnahmen versuchen, von der Schwäche des langjähriges Branchenführers zu profitieren».

Auf die Kampfansage von Dirk Roßmann - «ich möchte immer so dicht dran sein, dass die Nummer eins meinen Atem spürt» - wollte Harsch nicht eingehen. Er verwies schlicht auf die Zahlen: «dm ist ohne Zweifel das am stärksten wachsende Unternehmen der Branche, sowohl bezogen auf die absoluten Umsatzzahlen als auch im Besonderen noch viel deutlicher bezogen auf die drogistischen Marktanteile.»

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