11. November 2013

Forscher entdecken Zahn des «Korbacher Dackels»

Korbach (dpa) - Wissenschaftler versprechen sich von einem mehr als 250 Millionen Jahre alten Tierzahn neue Erkenntnisse über die Entwicklung von Säugetieren. Das prähistorische Stück war bei Ausgrabungen im nordhessischen Korbach an einem fossilen Echsengebiss zum Vorschein gekommen.

Procynosuchus
Das Plastik-Modell eines Procynosuchus (säugetierähnliches Reptil) steht im Museum in Korbach. Foto: Uwe Zucchi
dpa

Das Gebiss stammt von einem Procynosuchus, dessen Aussehen an einen Hund erinnert und der daher auch als «Korbacher Dackel» bezeichnet wird. Der Fund des mehr als 250 Millionen Jahre alten Kieferknochens mit Zahnreihe sei weltweit bisher einzigartig, sagte Geowissenschaftler Eberhard Frey am Montag bei der Präsentation des Fundes im Korbacher Wolfgang-Bonhage-Museum.

Mit dem bloßen Auge ist die Entdeckung kaum zu erkennen - die Zähne des Procynosuchus sind etwa so groß wie Stecknadelköpfe. Erst unter dem Mikroskop wird den Forschern zufolge das Besondere sichtbar: Am Kieferknochen eines Procynosuchus spaltet ein Folgezahn die Wurzel eines älteren Zahns. «Spektakulär», sagte Frey. Überreste des echsenhaften Vorsäugers seien zwar viele in der Korbacher Spalte gefunden worden, bislang aber ohne Durchbruch eines Folgezahns.

«Die Evolution hat an dieser Stelle vor mehr als 250 Millionen Jahren einen Schalter zur Weiterentwicklung des Lebens umgelegt», sagte der ehemalige hessische Landesarchäologe Egon Schallmayer. Das Beispiel des Zahnwechsels beim Procynosuchus bringe einen Erkenntnisgewinn über die Entwicklung der Säugetiere und werfe gleichzeitig neue Forschungsfragen auf.

Die Korbacher Spalte ist eine reichhaltige Fundstätte für Fossilien und wurde 1964 in einem alten Steinbruch entdeckt. Derzeit sind die Wissenschaftler mit der Aufarbeitung von rund 3000 Fundstücken aus der Kalkspalte befasst. Neben fossilen Überresten anderer Arten seien darunter 15 bis 20 Kieferknochen des Procynosuchus, erklärte Geowissenschaftler Frey. Das Präparieren sei eine Sisyphusarbeit: Die Knochenreste splitterten leicht, zudem sei das einschließende Gestein oft härter als das fossile Material.

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