02. Mai 2012

Studie: Schwerhörige haben schlechteren Tastsinn

Berlin (dpa) - Menschen mit Hörproblemen haben laut einer Studie oft auch einen schlechteren Tastsinn. «Hör- und Tastsinn haben eine gemeinsame genetische Basis», sagte Forschungsgruppenleiter Gary Lewin vom Berliner Max-Delbrück Centrum für Molekulare Medizin.

Der Professor und sein Forscherteam haben eine Genveränderung identifiziert, die beide Sinne beeinflusst. Er könne sich vorstellen, dass man künftig Hautcremes entwickeln kann, die den Tastsinn verbessern, sagte Lewin.

In den vergangenen Jahren seien beim Menschen 70 Gene gefunden worden, die bei Mutationen Schwerhörigkeit auslösen können. «Seltsamerweise sind aber noch keine Gene gefunden worden, die den Tastsinn beeinflussen», sagte Lewin. Daher untersuchten die Wissenschaftler zunächst an 100 Zwillingspaaren, ob die Tastfähigkeit genetisch bedingt ist. Dies war zu mehr als 50 Prozent der Fall. Außerdem wurde eine Verbindung zwischen Hör- und Tastsinn deutlich.

In einer weiteren Untersuchung an einer Berliner Schule für Hörbehinderte zeigte sich, dass bei auffällig vielen Jugendlichen der Tastsinn nur schwach ausgeprägt war. Um nicht alle 70 Gene zu untersuchen, die für die Hörbehinderung infrage kommenden, konzentrierten sich die Wissenschaftler anschließend auf Patienten mit dem Usher-Syndrom. Bei dieser vererbten Form von Schwerhörigkeit sind neun Gene als Auslöser bekannt. Die Wissenschaftler konnten zeigen, dass nur die Patienten mit einer Veränderung des Gens USH2A auch einen schlechteren Tastsinn haben.

Insgesamt untersuchten sie 518 Menschen, darunter 295 Frauen. «Wenn Frauen beklagen, dass ihre Männer ihnen nicht richtig (zu)hören, dann ist da in der Tat etwas dran», sagte Lewin. «Die Untersuchungen haben tatsächlich gezeigt, dass Frauen besser hören und feinfühliger als Männer sind.» Die Ergebnisse wurden im Online-Fachjournal «PLoS Biology» veröffentlicht.

Die Wissenschaftler wollen nun nach weiteren Genen suchen, deren Mutationen Hör- und Tastsinn beeinflussen. «Wenn wir besser verstehen, wie der Tastsinn funktioniert, können wir ihn eventuell mit chemischen Substanzen, etwa in Hautcremes, verbessern», sagte Lewin. Die für den Tastsinn zuständigen Nervenenden säßen schließlich direkt unter der Hautoberfläche. Viel schwieriger seien die für das Hören zuständigen Haarzellen erreichbar, da diese im Innern des Ohres sitzen.

Studie nach Ablauf der Sperrfrist

Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch

Weitere Artikel aus diesem Ressort
Anzeige