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Traumreise in die Sonne

Durch den Wind

Karibik-Kreuzfahrt mit Panamakanal-Durchfahrt bis nach Peru

Kreuzfahrt Karibik. 2.800 Seemeilen pflügt sich MS Amera durch eine weitgehend ruhige See von Guadeloupe bis nach Callao, dem Hafen von Lima in Peru. Das sind stolze 5.200 Kilometer in 14 Tagen. Ist das Wetter bereits in der südlichen Karibik geradezu paradiesisch, macht der Pazifik, der Stille oder Friedliche Ozean, seinem Namen alle Ehre. Auf der Höhe des Äquators präsentiert er sich fast spiegelglatt.

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Leserreisen - Kreuzfahrt Karibik

Für Ländersammler ist die Karibik ein Paradies. Ist doch fast jede Insel ein eigener Staat. So bereisen die Ludwigsburger in zwei Wochen sieben Länder: Frankreich, St. Vincent & Grenadines, Aruba, Kolumbien, Panama, Ecuador und Peru. Es wären sogar neun gewesen, hätten Guadeloupe und Martinique nicht den Status eines französischen Überseedepartements. Somit gehören diese beiden Inseln zur EU, die Flüge dorthin sind französische Inlandsflüge.

Die Kreuzfahrt auf MS Amera beginnt für die Gruppe aus Ludwigsburg in Guadeloupe, einer Insel Über dem Wind im Herzen der Kleinen Antillen. Über dem Wind heißen die Inseln zumeist vulkanischen Ursprungs von den Jungferninseln im Norden bis nach Grenada im Süden, weil hier der Nordost-Passat das Klima beherrscht.

Auf Martinique ist Karneval. Am farbenprächtigen Umzug nimmt gefühlt die ganze Stadt Fort-de-France teil. Ansatzweise fühlt man sich an den Karneval in Rio erinnert, wären da nicht die meisten Teilnehmer übergewichtig, was wiederum den besonderen Flair der Parade ausmacht.

Auf einer Inselrundfahrt überraschen die mit EU-Geldern gut ausgebauten Straßen. Dafür sind die Fassaden vieler Häuser vernachlässigt, wenngleich das Gesamtbild dadurch einen etwas morbiden Charme ausstrahlt.

Ganz anders Saint Vincent, eine ehemals britische Kolonie. Hier ist die kleinste Hütte bunt gestrichen und alles wirkt etwas englischer, aufgeräumter. Nur der Zustand der Straßen dieser gebirgigen Vulkaninsel lässt etwas zu wünschen übrig – und seine Strände. Denn eine Badeinsel ist Saint Vincent definitiv nicht.

Im Gegensatz zu Aruba. Das ist die westlichste der so genannten ABC-Inseln, die anderen beiden heißen Curacao und Bonaire. Sie liegen vor der Küste Südamerikas und heißen bezeichnenderweise Unter dem Wind. Hier weht kein Passat und auch Hurricans kennt man hier nicht. Diese rotieren allesamt nach Norden und bescheren so diesen überwiegend flachen Felsen im Meer ein beständiges, trockenes Klima. Zu sehen gibt es nicht viel, außer zahlreichen Luxushotels zumeist US-amerikanischer Hotelketten vor weißen Sandstränden.

In Kolumbien taucht die Reisegruppe ein in die Kolonialgeschichte Süd- und Mittelamerikas. Allenthalben begegnet man Denkmälern von „El Libertador“  Simón Bolívar, des Befreiungskämpfers, der vor fast zweihundert Jahren die heutigen Staaten Kolumbien, Panama, Venezuela, Ecuador, Peru und Bolivien der spanischen Krone entriss.

Zuvor beutete Spanien seine Kolonien rücksichtslos aus, bestenfalls gestört durch die Engländer. Natürlich gelten die im Namen der englischen Krone agierenden Freibeuter Sir Francis Drake (1540-1596) und Henry Morgan (1635-1688) in den spanisch sprechenden Ländern Lateinamerikas auch heute noch als skrupellose Piraten. Drake überfiel dabei unter anderem Cartagena, Morgan Panama. Dass die Spanier das Gold der Inka und anderer indigenen Völker stahlen und diese unterdrückten, wurde bis ins 20. Jahrhundert zumeist als legitim angesehen. Erst seit einigen Jahrzehnten setzt man sich in Mittel- und Südamerika mit dem Schicksal der Ureinwohner kritisch auseinander, ebenso mit der Verantwortung, die sich bis heute aus der einstigen Ausbeutung afrikanischer Sklaven ergibt.

Die Durchfahrt durch den 1914 von Amerikanern fertig gestellten, 82 km langen Panamakanal ist auch heute noch ein grandioses Ereignis. 200.000 US-Dollar zahlt der Veranstalter Phoenix-Reisen für die Passage. Große Containerschiffe werden mit bis zu 2 Millionen Dollar zur Kasse gebeten.

Übrigens: Original Panamahüte stammen aus Ecuador. Weil ihre Verschiffung nach Übersee früher ab Panama erfolgte und Präsident Theodore Roosevelt bei der Eröffnung des Panamakanals einen solchen Hut trug, blieb der Kopfbedeckung die Bezeichnung Ecuador-Hut erspart.

 

Glückliches Finale

In Peru in den Anden

Ein Großteil der Mitreisenden erlebt im Nachprogramm Machu Picchu

„Wenn man sich bewegt, muss man schon schnappen“, meint Helga Single aus Ludwigsburg, mit 81 Jahren eine der ältesten und LKZ-reisetreuesten Mitreisenden in Cusco, der 3.400 Meter hoch gelegenen Andenmetropole mit etwa einer Million Einwohner. Sie ist Ausgangspunkt zur Erkundung der alten Inkastadt Machu Picchu, die fast tausend Meter tiefer, auf 2.430 Meter Höhe liegt. Um vom kolonial geprägten Cusco dorthin zu kommen, geht es zunächst per Bus über einen 3.800 Meter hohen Pass nach Chinchero und wieder hinab ins 2.870 Meter hoch gelegene Urubamba. Nach dem Umstieg in die Andenbahn folgt diese dem wild schäumenden Urubamba-Fluss weitere 900 Höhenmeter bergab bis zur Endstation in Aguas Calientes. Von hier bringen einen Busse auf unbefestigten Straßen schließlich hinauf nach Machu Picchu. Warum dieses Weltkulturerbe vom 16. bis ins 19. Jahrhundert in einen Dornröschenschlaf verfiel, weiß man nicht, hat aber wohl mit seiner versteckten Lage und der Ankunft der spanischen Eroberer zu tun. „Gott sei Dank fanden sie es nicht“, meint Vanesa, die örtliche Reiseführerin, „sonst stände heute gewiss eine Kirche inmitten dieser imposanten Ruinen“. Neuesten Forschungen zu Folge war Machu Picchu nicht nur eine Stadt mit etwa 1.500 Einwohnern, sondern auch Sternwarte und Sitz eines Sonnenheiligtums. Besucher, die auf Schusters Rappen dem Inka-Trail folgen, erreichen Machu Picchu nach vier Tagen über einen 200 Meter höher gelegenen Pass durch das so genannte Sonnentor. Der ausgebaute Wanderweg ist derzeit aber durch einen Bergrutsch nicht begehbar. Ein anderer Bergrutsch verschüttet einen Tag nach dem Besuch der Ludwigsburger die Bahnstrecke, so dass zahlreiche Besucher (täglich bis zu viertausend!) Machu Picchu nicht erreichen können. Glück muss man haben, auch mit dem Wetter. Obwohl die Vorhersage Regen ankündigte, erlebt die Gruppe die Inkastadt bei strahlendem Sonnenschein. Vanesa verriet denn auch erst auf dem Hochplateau, dass es hier an 220 Tagen im Jahr regnet oder die Sicht durch Nebel beeinträchtigt ist.

Das Inka-Reich entstand relativ spät um 1200 n.Chr. Bereits tausend Jahre früher erlebte die Moche-Kultur an der Küste Perus ihre Blütezeit mit kaum bekannten Monumenten. Die Sonnen- und Mondpyramide wurden erst in den letzten vierzig Jahren eingehend erforscht. Dabei stellte sich heraus, dass die siebenstufige Sonnenpyramide einst das größte Bauwerk Amerikas war. Mit einer Grundfläche von 340 x 220 Metern und über 40 Meter Höhe wurde sie aus etwa 140 Millionen (!) Lehmziegeln erbaut. Auch die den Moche nachfolgende Chimú-Kultur hinterließ in ihrer Metropole Chan Chan gewaltige Bauwerke, die der Allgemeinheit noch weitgehend unbekannt sind.

Etwas unorganisierter sind die Peruaner der Gegenwart. Bei der Ausreise tippen die Grenzbeamten zunächst alle Passdaten ein, was pro Person bis zu fünf Minuten dauert. Erst auf Drängen der Reiseleitung hin, dass die Gruppe so ihren Flug verpasst, werden alle Passaufschläge per Handy fotografiert.  Lange nach Boarding-Schluss sitzen schließlich doch alle im Flieger in Richtung Heimat.

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