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Ostseeküste

Hoi, a Schiff

Jammert der Wind in den Segeln und Tauen eines Großseglers?

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Mitunter ja, aber Windjammer leitet sich aus dem englischen Verb jam ab, was unter anderem drücken, pressen bedeutet. Deshalb, weil der Wind in die vollen Segel drückt, heißen Großsegler Windjammer Die teilnehmenden Schiffe an der Windjammerparade zur Kieler Woche aber bangen um ihre Zukunft. Geht es nach dem Bundesverkehrsministerium, dürfen sie ab kommendem Jahr keine Passagiere mehr wie gewohnt mitnehmen. Strengste Sicherheitsauflagen machen dies nämlich nicht mehr möglich.

 

So würde es auch die „Minerva“ treffen, die in diesem Jahr LKZ-Leserreisen-Teilnehmer an Bord hat. Als zweites Führungsschiff der Parade startet sie mit dem Hauptfeld der 90 Großsegler aus Protest mit 15 Minuten Verspätung. Sollte Alexander Dobrindts Ministerium an der umstrittenen Reform festhalten, waren die Ludwigsburger mit die letzten, die in Deutschland an einer großen Windjammerparade teilgenommen haben.

 

Steine in den Weg legt man sich sonst in Deutschlands Norden eher selten. Denn, abgesehen von Feldsteinen, gibt es dort gar keine, nur viel Wasser, Sand und Lehm. Will heißen: Baumaterial muss zunächst aus Ton geformt und gebrannt werden. Und die vielgerühmte Backsteingotik norddeutscher Sakral- und Profanbauten sollte hochsprachlich eher Ziegelgotik heißen, weil ein Backstein eben kein Stein, sondern ein Ziegel ist, erklärt Stadtführer Walter in Lübeck.

 

„I han jetzt gnug von denne Backstoi, mir langt’s“, sagt ein Markgröninger und weiter geht die wilde Fahrt entlang der deutschen Ostseeküste von Eutin bis Usedom.

 

Es hat sich viel getan zwischen Trave und Peene, auf Rügen oder Usedom seit der Wende, ohne die viele ältere Gebäude vor dem Verfall nicht hätten gerettet werden können.

 

So gepflegt, kernsaniert und renoviert wie heute waren die historischen Baudenkmäler in Wismar, Schwerin, Rostock, Greifswald und Stralsund noch nie.

 

Nur in manchen Köpfen scheint die DDR munter weiterzuleben. Auf die höfliche Frage, wie spät es denn sei, antwortet eine Hotelangestellte brüsk: „Da drüben hängt 'ne Uhr!“

 

Einen kleinen Einblick in die Welt der Hanse vermitteln Besuche in spätmittelalterliche Handelskontore. Reiche, als „Pfeffersäcke“ bezeichnete Kaufleute, fuhren mit Pferd und Wagen in ihre Häuser. Im Treppenhaus wurde die kostbare Ladung per Seilzug in die oberen Etagen verfrachtet, um sie so vor neugierigen Blicken zu schützen.

 

Das Leben schwer machte diesen Kaufleuten der Pirat Klaus Störtebeker. Seine Geschichte erleben jährlich 300.000 Zuschauer auf der großen Freilichtbühne in Ralswiek auf Rügen. Die meisten der Mitgereisten lassen sich mit diesem Spektakel in die Hansezeit verführen und staunen nicht schlecht, als am Ende tatsächlich der Kopf des Helden fällt, wenn auch fälschlicherweise durch eine Guillotine, die erst 400 Jahre später erfunden wurde.

 

Faszinierend aber auch gefährlich präsentieren sich Rügens Kreidefelsen. Erst im April verunglückte eine Frau nach einem 60 Meter tiefen Sturz tödlich. 2011 wurde ein Mädchen nach einem Hangabbruch verschüttet. Keine Gefahr indes besteht auf den ausgeschilderten Wanderwegen oder beim Anblick der Klippen bei einer Bootsrundfahrt vom Meer aus.

Fazit der allermeisten Mitreisenden: Das muss man gesehen haben!

 

Einziger Wermutstropfen dieser Reise: Es ist doch ganz schön weit von Ludwigsburg bis an die Ostsee. Und die deutsche Ostseeküste selbst ist nochmals über 400 Kilometer lang. Das bedeutet lange Busfahrten. Doch die Schlienz-Busse sind äußerst bequem. Gejammert wird nicht, auch nicht an Bord, wenn anderen Großseglern zugerufen wird: Schiff ahoi. Nur der Schwabe wundert sich und meint: Hoi, a Schiff.

 

Mit der Ludwigsburger Kreiszeitung nach Jersey und ins Mittelmeer

Im Juni 2018 geht es auf die vom Golfstrom besonders begünstigte Kanalinsel Jersey. Ihr britisches Flair, gepaart mit französischer Küche verspricht Entspannung pur. Ausflüge nach St. Malo und zum Mont Saint Michel sowie auf die Insel Sark runden das 8-tägige Programm ab. Ende Oktober/Anfang November kommenden Jahres heißt es wieder Leinen los. Die LKZ-Jubiläumskreuzfahrt „200 Jahre LKZ“ führt mit MS Artania von Genua über Spanien, Korsika, Sardinien, Süditalien, Sizilien, Griechenland, Montenegro und Kroatien nach Venedig. Der Film zur Ostseereise wird im Oktober aufgeführt. Weitere Bilder zu dieser Reise sind unter www.lkz.de/leserreisen zu sehen, die Bilder-DVD mit allen 390 Fotos ist ab kommenden Mittwoch im Kundencenter der LKZ erhältlich.