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Leserreise Nordseeküste

Moin, moin...Sind die Fische an Land, dann meistens als Fischbrötchen

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Nordseeküste. An der Nordseeküste, am plattdeutschen Strand, sind die Fische im Wasser und selten an Land! Ob das tatsächlich so ist, versuchen 60 wackere Schwaben auf einer Busreise nach Ost- und Nordfriesland herauszufinden. Um die Busfahrt kurzweiliger zu gestalten, wird auf der Hinreise Hildesheim mit seinem tausendjährigen Rosenstock am Dom besucht und auf der Rückfahrt Fulda, das mit klerikalen Ampelmännchen aufwartet.

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Leserreisen - Nordseeküste

Moin, moin sagen übrigens nur Hamburger und Nordfriesen. Für Bremer, Ostfriesen und Altländer gilt die Doppelung bereits als geschwätzig. Aber der Reihe nach: Schon zu Beginn der Busreise gilt es eine paradox klingende Vorschrift einzuhalten: Obwohl alle vollständig geimpft sind, herrscht im Bus Maskenpflicht – nach Ausstieg im Restaurant dann aber nicht mehr. Die Ludwigsburger nehmen es gelassen und erleben an drei Tagen Bremen, Ostfriesland und das Alte Land, und an weiteren vier Tagen Hamburg, Schleswig-Holstein und Helgoland. Unter der sympathischen und kompetenten Begleitung der beiden Reiseleiterinnen Pia Pfähler und Brigitte Bieber von Schlienz Tours fühlen sich dabei alle bestens aufgehoben.

Küstenschutz ist das vordringliche Thema an der Nordseeküste, die durchgängig eingedeicht ist, sodass man das Meer erst sieht, wenn man direkt davor oder auf einem Deich steht. Der Klimawandel bringt in den nächsten Jahren eine weitere Erhöhung der Bollwerke gegen den Blanken Hans mit sich, um Sturmflut-Katastrophen wie in der Vergangenheit so weit wie möglich auszuschließen.

Riesige Kreuzfahrtschiffe in riesigen Hallen werden in der Meyer-Werft in Papenburg in Rekordzeit – in der Regel 18 Monate – Modul für Modul zusammengeschweißt und anschließend im Baukastenprinzip mit Kabinen und Sonderwünschen ausgestattet, bevor sie vom Stapel laufen und durch die schmale Ems ins offene Meer gelangen. Der Schiffszimmermann Heinrich Jansen, Großvater des Firmengründers Rolf Meyer, ließ sich 1690 in Papenburg nieder, allerdings unter einer Bedingung der Obrigkeit: Sie heißen jetzt Meyer, Jansens haben wir hier schon genug.

Wieder zurück in Bremen werden die Bremer Stadtmusikanten hier gefeiert wie Ehrenbürger, obwohl sie bekanntermaßen die Stadt nie erreichten. Die Konkurrenz unter den Hansestädten Bremen und Hamburg schlägt sich auch in Bremens Kommentar zu beiden Stadtwappen nieder: Ihr (Hamburg) habt das Tor, aber wir (Bremen) haben den Schlüssel.

In Stade, dem Tor zum Alten Land, wird die Gruppe von kostümierten Fremdenführern erwartet. Ausführlich schildern diese die engstirnigen Landbewohner und deren seltsame Bräuche: Die Hochzeitstür ohne äußere Türklinke an der Stirnseite des traditionellen Bauernhauses im Alten Land passiert eine altländische Braut in ihrem Leben nur zweimal. Einmal aufrecht hinein, einmal liegend hinaus.

Während einige der Gruppe Hamburg besichtigen, düsen die meisten mit dem Schnellkatamaran und einer Höchstgeschwindigkeit von 65 km/h von Hamburg nach Helgoland. Auf Deutschlands einziger Hochseeinsel macht sich die Sonne leider etwas rar. Dafür gibt es reichlich Basstölpel und gefühlt noch mehr Touristen. Tag für Tag fallen einige Tausend Besucher für 4 bis 6 Stunden über die Insel her, auf der abends der (See-)Hund begraben ist.

Einer der bedeutendsten Handelsplätze zur Wikingerzeit war Haithabu. Das belegen Münzen aus Innerasien und Kontakte über den gesamten Nord- und Ostseeraum. Das Danewerk, eine Schutzmauer der Dänen unter Harald Blauzahn, dem wir den Begriff „Bluetooth“ verdanken, schließt sich der Ausgrabungsstätte direkt an.

In Husum dreht sich alles um den großen Dichter Theodor Storm. Doch auch dieser hatte seine Macken. Im Hin- oder Rückblick auf sein Liebesleben postuliert die neuere Forschung: Dieser Mann ließ nichts anbrennen.

Etwas befremdlich präsentiert sich Sankt Peter-Ording. Touristisch voll erschlossen wie ein Strandbad am Mittelmeer unterscheidet es sich, wie manch anderes Strandbad an Nord- und Ostsee auch, in einer Sache gewaltig von mediterranen Urlaubsorten: Es kostet Eintritt! Um vom Hauptort ans Meer zu kommen, führt ein fast ein Kilometer langer Holzsteg durch Salzwiesen und Dünen. Selbst wer den Strand nicht nutzen und nur kurz den Zeh ins Wasser halten will, bezahlt für diese zwanzig Minuten drei Euro.

Bereits seit voriger Woche gilt in Hamburg die 2-G-Regel. Die Ludwigsburger geben sich während der ganzen Fahrt betont entspannt, sind sie doch alle 4G, wie ein Mitreisender betont: Das vierte G steht für gsond! Ruft einer von hinten: 5G! … und glücklich!