Logo

Portugal

Pasteten, Grotten, Kork und Fisch

Acht Tage Sommer in Lissabon und an der Algarve

Portugal. Reiseführer Thomas holt aus – weit aus, referiert über die Historie Portugals, über seine Könige, die Alfonsos, Joãos und Manuels, über die Kelten, Römer, Sueben, Mauren und Kastilier, die sich hier die iberische Klinke in die Hand geben, bis sich Portugal im 12. Jahrhundert seine Unabhängigkeit erkämpft. Das Kurzzeitgedächtnis (leider nur das) der Ludwigsburger kommt bald an seine Grenzen; in kürzester Zeit erfahren sie mehr über die portugiesische Landesgeschichte, als sie je zuvor über die Württembergische wussten.

P1044762
Bildergalerien

Leserreisen Portugal

Auch die beiden portugiesischen Reiseführerinnen, Sonìa und Cristina, reden ohne Punkt und Komma: Todo bem? Alles gut? Todo bem! Sinngemäß: Basst scho. Dabei wird das portugiesische m am Wortende eher ausgesprochen wie ein gehauchtes j.

Gerne blicken sie, wie alle Portugiesen, auf ihre glorreichen Zeiten zurück. Damals, als die Erde noch rund war … Denn im 15. Jahrhundert beherrschte das kleine Portugal die Weltmeere. Erst später traten Spanier, Engländer, Holländer und andere auf den Entdeckerplan. Vasco da Gama erreichte als erster die Gewürzinseln auf dem östlichen Seeweg rund um Afrika, vorbei an Indien. Ferdinand Magellan umsegelte auf der West-Route als erster die Welt – das heißt 18 Überlebende auf einem seiner fünf Schiffe, der Victoria, vollbrachten die Tat; er selbst starb auf halber Strecke. Doch die Victoria brachte so viele kostbare Gewürze mit, dass sich die Expedition für die Investoren und Kaufleute zuhause tausendfach auszahlte.

Eines der stärksten Erdbeben in historischer Zeit erschütterte am 1. November 1755 Portugal. Sein Epizentrum lag draußen im Atlantik. Doch die Auswirkungen waren noch in Deutschland zu spüren. Neben dem Beben und den daraus resultierenden Bränden zerstörte eine nachfolgende 15 Meter hohe Flutwelle insbesondere Lissabon, aber auch viele andere portugiesische Küstenstädte. Selbst in englischen Häfen richteten Ausläufer des Tsunami noch Zerstörungen an.

Ähnlich wie Barcelona entwickelte sich Lissabon in den letzten Jahren zu einer europäischen Da-musst-du-hin-Metropole, insbesondere für jüngere Touristen. Steil führen die Straßen in den höher gelegenen Teil des Stadtteils Bairro Alto, wo sich die Jugend in engen Gassen bis spät in die Nacht vergnügt. Endlich wieder. Denn 87 Prozent aller Portugiesen sind zwischenzeitlich vollständig gegen Covid-19 geimpft, unter den über 60jährigen nahezu alle.

Eine Fahrt in der historisch anmutenden Straßenbahn in Lissabon kostet zwei Euro, Holzbänke inklusive. Aber nur in den gelben Wagen. Die rote Bahn ist für Touristen, hat gepolsterte Bänke und kostet zehn Euro. Ebenso scheint der 45 Meter hohe Aufzug aus dem Jahr 1902 fast ausschließlich von Touristen genutzt zu werden, um in die Oberstadt zu gelangen. Die Wartezeit in der Schlange davor hinzugerechnet, geht es zu Fuß schneller.

Ein Nachmittag in Lissabons Vorort Belem hält zwei Überraschungen parat: Alle portugiesischen Staatsempfänge finden unter Ausschluss der Öffentlichkeit im Hieronymitenkloster Mosteiro dos Jerónimos statt. In gleicher Weise wird die LKZ-Gruppe empfangen, exklusiv, ohne andere Gäste. Denn am selbigen Tag, einem Montag, ist das Kloster für alle anderen geschlossen. Besichtigt werden die Grablegen zahlreicher portugiesischer Könige und Königinnen, sowie jene von Vasco da Gama und der Dichter Camões und Pessoa. Als Ansporn zu dieser kulturellen Führung werden zuvor die unerreicht leckeren Pasteten Pastéis de Belem gereicht.

Eine Richtung Westen unternommene Fahrt an der Algarve, der Südküste Portugals, endet am Ende der Welt, o fim do mundo, am Kap, an den fünfzig Meter hohen Klippen des Cabo de São Vincente. Zahlreiche Brandungsgrotten finden sich an dieser Steilküste, die auch per Boot erkundet werden kann. Erst hinter dem Horizont geht’s weiter: Amerika.

Etwa 120 Reiselustige meldeten sich ursprünglich zu dieser 8-tägigen Portugalreise an, doch nur etwa die Hälfte reiste mit. Zu groß waren die Bedenken wegen Corona, obwohl die Inzidenzen in Portugal seit Wochen fielen, auf einen nur noch halb so hohen Stand wie in Deutschland. Die Mitreisenden werden deshalb umso mehr belohnt, mit acht Tagen Sonnenschein und Temperaturen bis zu 30 Grad – und das Mitte Oktober. Todo bem? Todo bem! Claro!