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Zurück in den Sommer

Stürmische Abfahrt

Mittelmeerkreuzfahrt vom 28. Oktober bis 14. November

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Mittelmeerkreuzfahrt. Das Schiff schwankt und rollt, bäumt sich auf, stürzt hinab in die tosende See mit acht bis zehn Meter hohen Wellen, so dass Kreuzfahrt-Neulinge schon denken, ihr letztes Stündlein habe geschlagen.

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Leserreisen - Kreuzfahrt Mittelmeer

"Eine wunderschöne gute Abend, meine liebe Gäste, hier sprixt der Kapitän von der Brrrrrügge". Kapitän Morten Arne Hansen, bekannt und beliebt aus der ARD-Fernsehserie "Verrückt-nach-Meer", bittet um Nachsicht, nennt die Rumpler, die das Schiff erschüttern, Schlaglöcher und ist guter Dinge, Barcelona sicher zu erreichen.

Er soll Recht behalten und manövriert MS Artania die folgenden 16 Tage durch ein durchaus ruhiges Mittelmeer, die letzten zehn Tage gar bei strahlend blauem Himmel und Temperaturen um die 20 Grad. So erleben 142 Ludwigsburger trotz eines sturmgepeitschten Auftakts eine unvergessliche Reise zu den unterschiedlichsten mediterranen Sonnenzielen: Auf Barcelona und Alicante folgen Sardinien, Neapel und Sizilien, dann Malta, die Peloponnes, Montenegro und Kroatien und als krönenden Abschluss Venedig.

Kreuzfahrt bedeutet den meisten: Jeden Tag ein neues Reiseziel, erreichbar ohne Kofferpacken, denn Hotel und Restaurant sind ja schon dabei.

Bereits nach wenigen Tagen "spannt der Ranzen", klagt Bruno Groß, rüstiger Rentner aus Freiberg am Neckar, bereits auf der ersten LKZ-Kreuzfahrt 1972 mit von der Partie.

Zwei der drei Restaurants an Bord sind Bedienrestaurants und keine Büffets. Da ist gut sein. Man nimmt Platz, wählt aus und isst die Speisekarte rauf und runter, mittags und abends, wer möchte, bis zu sechs Gänge. Reklamationen an die bordeigene Wäscherei, Kleider und Sakkos wären eingegangen, werden erfahrungsgemäß nicht anerkannt.

MS Artania ist für gegenwärtige Verhältnisse mit maximal 1.100 Gästen noch ein relativ kleines Schiff. Und das wird auch honoriert. Fast alle klassischen Kreuzfahrer an Bord lehnen die Riesenschiffe, die schwimmenden Schuhkartons, kategorisch ab. Sie kommen ausschließlich aus Deutschland. Doch ein Dialekt ist bei dieser Reise über Gebühr dominant und allenthalben zu hören: Schwäbisch. Jeder achte Gast an Bord gehört der LKZ-Reisegruppe an. Neben den allgemeinen Bordveranstaltungen wie Bingo, Shuffleboard und abendlichen Shows, lädt die LKZ ihre Gäste extra zu mehreren internen Treffs ein. Es werden Reisefilme gezeigt und gesellige Cocktails veranstaltet. Es gibt einen Quiznachmittag und ein lustiges Seemannsliedersingen. Schließlich schickt die LKZ die Junggebliebenen Gäste auf eine unterhaltsame Schnitzeljagd durch das ganze Schiff .

Übrigens: Das Durchschnittsalter bei LKZ-Kreuzfahrten liegt bei etwa 70 Jahren. Auf Fernreisen ist es deutlich niedriger. Bemerkenswert: Mit dieser Kreuzfahrt transportierte die LKZ seit ihrer ersten Reise im Jahr 1972 insgesamt 23.000 Teilnehmer durch die halbe Welt. Und brachte bislang alle lebend wieder zurück nach Ludwigsburg!

Eine Reise in die Vergangenheit

Nicht nur alte Steine

Naturwunder und kulturelle Höhepunkte in sechs Ländern

Legt das Schiff in einem Hafen an, buchen auf dieser Kreuzfahrt mindestens 80 Prozent geführte Landausflüge, davon die Hälfte einen zu historischen Stätten.Trümmersafari! So nennen die einen die Fahrt zu antiken und historischen Schauplätzen. Erbauung, auch im wörtlichen Sinne, sagen die anderen, wenn Steine sprechen und Ruinen im Geiste wieder auferstehen.

Stationen einer Reise: Barcelonas Sagrada Família, die Kathedrale des Jugendstilarchitekten Antonio Gaudi, soll nach 144-jähriger Bauzeit im Jahre 2026 fertiggestellt werden. Das ist Gaudis 100. Todestag. Er wurde 1926 von einer Straßenbahn überfahren.

Hannibal, verschiffte im Jahre 218 v. Chr. seine Kriegselefanten von Karthago nach Alicante und marschierte von dort aus Richtung Italien. Bis er die Alpen erreichte, legte er bereits über 1.000 Kilometer zurück.

Seit 1370 verehrt man in Cagliari, Sardinien, eine Marienfigur, die als Heilige Jungfrau von Bonaria Schutzpatronin aller Seeleute werden sollte. Bonaria heißt "gute Luft". Als Dank seiner stürmischen Atlantiküberquerung nannte Pedro de Mendoza, ein spanischer Konquistador, den Ort seiner Landung Bonaria, heute: Buenos Aires.

Nicht der Vesuv allein ist für Neapel gefährlich. Es sind vor allem die so genannten Phlegräischen Felder, ein Supervulkan, ein schlafender Drache tief unter der Erde, der die gesamte Region bedroht. Kein Wunder, dass in Kampanien die meisten Heiligen Italiens verehrt werden.

Eines der schönsten römischen Amphitheater liegt in Taormina. Schon die Griechen bauten an dieser Stelle ein Theater mit der atemberaubenden Kulisse, einem Blick auf den 3.300 Meter hohen Ätna. Hinter den Sitzreihen reicht der Blick 200 Meter hinab auf das tiefblaue Meer.

Malta blickt auf eine der wechselhaftesten Geschichte im gesamten Mittelmeerraum zurück. Bis zu 5.800 Jahre alte Megalithbauten und der befestigte Hafen von Valletta zeugen auch heute noch davon. Woher das Geld für Vallettas Festungsbauten stammt? Der maltesische Johanniterorden beerbte den in Ungnade gefallenen Templerorden, dessen Schatz bis heute nicht gefunden wurde.

Das weltbekannte Orakel von Delphi wurde bis zum Jahr 391 n. Chr. durch eine Jungfrau aus dem Dorf verkörpert, die Rolle der Pythia einnahm. Nur an bestimmten Tagen im Jahr gab sie Weissagungen von sich, angeblich unter Drogeneinfluss. Findige Priester des Apollonheiligtums ließen sie die Weissagungen gut bezahlen und interpretierten sie nach Gutdünken.

Sisi, Kaiserin Elisabeth von Österreich, ließ auf ihrer Lieblingsinsel Korfu den im klassizistischen Stil erbauten Palast Achilleion errichten. Bevor es zu einer der Hauptsehenswürdigkeiten der Insel wurde, diente es unter anderem als Lazarett und Spielkasino.

Die Einfahrt in die Bucht von Kotor in Montenegro erinnert an einen norwegischen Fjord. Ist es aber nicht. Nicht Gletscher formten die Landschaft, sondern ein Fluss. Kotor selbst behauptete sich mit seiner Stadtmauer allen Angriffen der Osmanen und Piraten. Die Mauer zieht sich vom Hafen bis zur 260 Meter hoch gelegenen, die Bucht beherrschenden Festung.

Ein Krawattenladen in Split weist darauf hin, dass das Wort Krawatte aus dem Französischen stammt, entlehnt von Hrvati. So nennen sich die Kroaten in ihrer Landessprache. Einst zierte ein Halstuch deren Tracht.

Im kroatischen Krka-Nationalpark wurden ebenso wie bei den Plitvitcer Seen in den sechziger Jahren die Winnetou-Filme mit Pierre Brice und Lex Barker gedreht. Bei einem Spaziergang entlang den Wasserfällen schein auch heute noch jeden Augenblick Winnetou um die Ecke zu biegen.

Abschließend noch ein Tipp fürs Leben: Venedig sollte man sehen, aber sterben lieber daheim.

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