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Immer schön lächeln

Südostasiens freundlicher Riese

LKZ-Leserreisende erleben Japan in seiner kulturellen Vielfalt und als Land der Harmonie

Tokyo-von-oben

Japan. „Für den ersten Eindruck gibt es keine zweite Chance“, sagt eine alte Weisheit. Und wenn der erste Eindruck entsprechend ist, dann ist alles gut. So geschehen, als 51 Leserreisende in Tokio landen und das Bodenpersonal das Flugzeug mit einem höflichen Verbeugung begrüßt. Auch wenn hier der Mensch der Technik Respekt zollt, so werden die nächsten zehn Tage zeigen: in der drittgrößten Volkswirtschaft der Erde und dem Powerhaus Südostasiens ist es für jeden wichtig, in Harmonie und Respekt voreinander zu leben. Gleichermaßen zwischen Alt und Jung, zwischen Mann und Frau, zwischen Vorgesetztem und Untergebenem, wie die Leser der Ludwigsburger Kreiszeitung in den folgenden Tagen erleben werden.

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Leserreisen - Japan

Für Mitteleuropäer unvorstellbar, ist Japan bis heute eine hochhomogene Gesellschaft, in der 99 % Japaner sind. Einwanderung – Fehlanzeige. Einbürgerung – beschränkt sich auf wenige Tausend Personen im Jahr. Das ist politisch so gewollt, erfahren die Leserreisenden von den Japanologen Oliver Kühne und Hartmut Pohling, die die Gruppen sachkundig durchs Land begleiten. Kulturell wie soziokulturell entsteht so über Jahrhunderte irgendwie eine scheinbar wenig kreative, uniformierte Gesellschaft. Für viele der Reisenden aus dem Landkreis ist dies überraschend: „Ich habe schon viel von der Welt gesehen“, so sagt einer, „aber die Gleichheit macht mich perplex“.

Bis heute prägen Uniformen das Leben der Schülerinnen und Schüler, ist das Büroleben von schwarzer Hose und weißem Hemd dominiert. Krawattenzwang herrscht bis Fukushima, wo das für unvorstellbar gehaltene Reaktorunglück das Leben im Inselstaat durcheinanderwirbelte. Bis heute sind die Auswirkungen zu spüren, volkswirtschaftlich, aber ganz praktisch auch. Seither dürfen Klimaanlagen Gebäude nicht unter 22 Grad kühlen, einfach um Energie zu sparen. Umso erstaunlicher, dass die verantwortlichen Manager der Betreibergesellschaft Tepco gerade dieser Tage von allem Fehlverhalten freigesprochen wurden.

Wer in Japan ist, fühlt sich scheinbar in einer anderen Welt. Während überall für Klimathemen auf die Straße gegangen wird, herrscht in Japans Öffentlichkeit Desinteresse. Pragmatisch und völlig undogmatisch nehmen die dicht gedrängt laufenden Passanten auf den Einkaufspassagen in Tokio und Kyoto das Thema am Rande zur Kenntnis – vielleicht ist es auch der pragmatische Umgang mit den beiden Religionen Shintoismus und Buddhismus, an die viele Einheimische parallel glauben. „Glaube an das, was du willst, Hauptsache es nutzt dir und führt dich zu Erleuchtung“.

Was die Öffentlichkeit viel mehr erregt, sind die aktuell ablaufenden Sumo-Meisterschaften sowie für Europäer unsinnig erscheinende Wortgefechte mit den Nachbarländern Südkorea, China und Russland. Bis heute existieren keine Friedensverträge und ungelöste Grenzstreitigkeiten des zweiten Weltkriegs entzünden noch immer die politischen Gemüter. Und noch etwas überrascht und bestätigt den positiven Eindruck Japans. Die Sauberkeit. Während in Nachbarstaaten wie den Philippinen oder Indonesien Müll und mangelnde Sauberkeit allerorts das Bild bestimmen, fühlen sich die Ludwigsburger LKZ-Leserreisenden in der „Schweiz Südostasiens“ bestens aufgehoben. Obwohl es keine Mülleimer gibt im öffentlichen Raum, ist alles blitzblank. Japaner sind so sozialisiert, dass jeder den Müll, den er verursacht, nach Hause nimmt und dort beseitigt. Konsequent gelebte Harmonie.

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