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Natur

Eine Stunde lang zählen und bibbern

Vogelzählung gilt als größte wissenschaftliche Mitmachaktion – Naturfreunde treffen sich auch im Kornwestheimer Stadtpark

Das Fernglas ist fast ein Muss, wenn man Vögel beobachten will.
Das Fernglas ist fast ein Muss, wenn man Vögel beobachten will.
An seinen bunten Federn ist der Eichelhäher zu erkennen.
An seinen bunten Federn ist der Eichelhäher zu erkennen.

Kalt und trüb ist es an diesem Sonntagmorgen. Trotzdem hat sich ein gutes Dutzend Naturfreunde im Kornwestheimer Stadtpark getroffen, um Vögel zu zählen. Unter dem Motto „Stunde der Wintervögel – Zähl mit“, hatte der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) dazu eingeladen, eine Stunde lang Vögel im Garten, vom Balkon aus oder eben in der freien Natur aufzulisten. Die größtenteils von Laien erhobenen Daten sollen dazu beitragen, einen Überblick über die heimische Vogelwelt zu erhalten. Um diese ist es angesichts des Insektensterbens nicht allzu gut bestellt. Die Vogelzählung gilt als größte wissenschaftliche Mitmachaktion in Deutschland.

„Ideale Bedingungen sind das nicht“, macht der Vorsitzende der Kornwestheimer Nabu-Gruppe, Bernd Mathe, gleich zu Beginn deutlich, dass die gefiederten Tiere sich angesichts dieser ungemütlichen Temperaturen wohl eher rar machen. „Es wird eine Stunde lang gezählt – auch wenn es kalt ist!“, erklärt er fast schon trotzig. Zuvor gibt er den Frauen und Männern, die sich für den Outdooreinsatz in wärmende Kleidung eingemummelt haben, einen kleinen Überblick über die heimische Vogelwelt und erklärt ihnen die Zählmethode, die an diesem Morgen angewandt wird.

Vogelstimmen fließen in Zählung ein

Notiert werden soll in den folgenden 60 Minuten von jeder Vogelart die höchste Anzahl, die in diesem Zeitraum gleichzeitig zu sehen ist. Das soll dazu beitragen, Doppelzählungen zu vermeiden.

Wer sich mit Vogelstimmen auskennt, ist hier klar im Vorteil. „Hören zählt auch“, erklärt Bernd Mathe, dass es nicht nur auf Sichtungen ankommt. „Sie erkennen Ihre Bekannten am Telefon ja auch an der Stimme“, macht Nabu-Mitglied Jürgen Fesser, der an diesem Morgen mit von der Partie ist, deutlich, dass das Erkennen von Vogelstimmen vor allem eine Sache der Übung ist. Weil kleine Vögel, die zudem noch recht hoch fliegen, nur schwer zu erkennen sind, haben die meisten Teilnehmer der Nabu-Aktion ein Fernglas mitgebracht. Immer wieder wird es herausgeholt und Richtung Himmel gerichtet. Auch in den Baumwipfeln haben es sich einige Tiere gemütlich gemacht.

Bernd Mathe hat am Vortrag – wie in den Jahren zuvor – eine Zählaktion im eigenen Garten durchgeführt. „Ich möchte diese Kontinuität beibehalten“, erklärt er.

In zwei Gruppen aufgeteilt beginnen die Teilnehmer der Nabu-Aktion mit ihrer Beobachtung. „Ich halte mich gerne draußen auf und beobachte Vögel“, erklärt eine Frau ihre Teilnahme. Schnell erkennt sie Buntspechte, Meisen, Krähen und Amseln. Auch ein Buchfink macht sich zumindest akustisch bemerkbar. Eher zu sehen als zu hören ist ein Grünspecht. Nicht zu übersehen sind dagegen die beiden Nilgänse, die in aller Ruhe über die Wiese watscheln, ebenso wie die Stockenten und die Teichhühner. „Es wäre keine Winterzählung, wenn sie im Sommer stattfinden würde“, trägt Edwin Gehard die frostigen Temperaturen mit Fassung. Gemeinsam mit seiner Frau Heike Kalke ist er in den Stadtpark gekommen. „Man lernt voneinander“, findet sie es gut, als Teil einer Gruppe die Vögel zu beobachten. Sie habe zum Beispiel erfahren, dass der Grünspecht an dem charakteristischen kjückkjückkjück zu erkennen ist, das einem gellenden Lachen ähnelt. Auch einige Eichelhäher, die über bunte Schwanzfedern verfügen, haben sich blicken lassen.

Futterhäuschen zieht Vögel an

Jürgen Fesser ist in Sachen Vogelbeobachtung das, was man als alten Hasen bezeichnet. Er kennt sich gut aus und gibt sein Wissen gerne weiter. Und er hat prompt einen Ratschlag parat, wie Gartenbesitzer es schaffen können, dass sich viele Vögel bei ihnen wohl fühlen. „Man sollte ein Futterhäuschen aufstellen“, empfiehlt er. Wird es regelmäßig gefüllt, wirkt das wie ein Magnet auf die gefiederten Tiere. Auf diese Weise lassen sich ganz verschiedene Vogelarten beobachten.

Wer dann noch zu einem Bestimmungsbuch greift oder eine entsprechende App des Nabu herunter lädt, lernt schnell, die verschiedenen Vogelarten voneinander zu unterscheiden. Allerdings sollte das Futterhaus regelmäßig gefüllt werden, um die Tiere dauerhaft ansässig zu machen. „Das hilft auch gegen den Schädlingsbefall von Pflanzen“, hat er festgestellt. Wenn das keine Win-win-Situation ist.

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