Wer schafft den kleinsten Fußabdruck?
Energiehelden
Ludwigsburg | 26. Juli 2018

Ein Drittel weniger Müll, 400 Liter Wasser gespart

Familie Murphy ist Ludwigsburgs erster Energieheld. Ein Titel für die Ewigkeit, denn dieser Nachhaltigkeitswettbewerb hatte Premiere. Am Sonntag, zum Abschluss des Naturvision Festivals auf dem Arsenalplatz, wurden die Gewinner bekanntgegeben. Wegen des Wetters allerdings vor dünner Kulisse.

Die Familie Murphy mit drei Söhnen (vorne in der Mitte) hat den Wettbewerb ganz knapp gewonnen. Sie sparten am meisten ein.  Foto: Oliver Bürkle

Die Familie Murphy mit drei Söhnen (vorne in der Mitte) hat den Wettbewerb ganz knapp gewonnen. Sie sparten am meisten ein.  Foto: Oliver Bürkle

Zur Erinnerung: Zehn Haushalte waren vor acht Monaten angetreten und haben seither den eigenen ökologischen Fußabdruck beobachtet. Akribisch wurde Buch geführt zu Strom- und Wasserverbrauch, zum Heizverhalten. Abfall wurde gewogen und noch mehr auf Mülltrennung geachtet. Jeder Kilometer mit dem Auto und dem Flugzeug wurde notiert. Dazu gab es regelmäßige Coachings zu den einzelnen Schwerpunktthemen. Besonders gut kam das Experiment mit den E-Bikes an, das die meisten nicht mehr missen möchten.


Ein Drittel weniger Restmüll


Das Ergebnis verblüfft. Obwohl alle zehn Haushalte, die sich zum Wettbewerb angemeldet hatten, ohnehin schon ziemlich „öko“ drauf waren, holten sie noch deutlich mehr Potenzial raus. Ein Drittel weniger Restmüll fiel an. Die Plastikverpackungen wurden um die Hälfte reduziert. Ohne dass die Hygiene litt, wurde der Wasserverbrauch bei 34 Personen pro Kopf von 2150 Litern auf 1750 gesenkt. Der Strombedarf sank um mehr als 20 Prozent.
„Auch im Kleinen kann sehr viel erreicht werden“, sagte Bürgermeister Michael Ilk bei der Preisverleihung. Wenn jeder nur den Ausknopf am Fernseher finden würde, statt ihn ständig Stand-by laufen zu lassen, könne das mehrere Kraftwerke in Deutschland überflüssig machen. Mit den technischen Voraussetzungen konnte die Heizenergie auf ein Zehntel gedrückt werden.
Es war ein Wimpernschlagfinale: Familie Murphy hatte bei 632 Punkten mit nur vier Punkten vor Familie Wasser die Nasenspitze vorne. Auf Platz drei landete das Ehepaar Mühlhaus. Es gab aber bei zehn Teilnehmern noch einen elften Gewinner: die Umwelt. Anna Hoeffler vom Referat Nachhaltige Stadtentwicklung hatte die Federführung für das Projekt und schließt nicht aus, dass es noch einen weiteren freundschaftlichen Wettkamp geben könnte.
Tina Murphy hat fünf Männer im Haus: Gatte, drei Söhne – drei, sechs, acht – und ein männliches Au-pair. Am Stromverbrauch sind sie beinahe verzweifelt. Statt auf Stand-by wurden Geräte immer ganz abgeschaltet, der Gefrierschrank wurde abgetaut, kein Licht brannte unnötig. Nach sieben Monaten war der Übeltäter gefunden: Die Lüftungsanlage im Haus war’s. „Die ist ein richtiger Stromfresser und bleibt im Sommer künftig abgeschaltet.“ Radikal hat sie ihr Einkaufsverhalten geändert und kauft nur noch unverpacktes Obst und Gemüse. Wenn’s das nicht gibt, dann eben nicht. Joghurt, Milch und Wasser gibt’s aus dem Glas. Nur bei Frischkäse, Shampoo und Biogurke wird eine Ausnahme gemacht.
„Anfangs hatte ich Schiss vor der Aktion“, sagt die 41-Jährige. Jetzt würde sie die ökologische Buchhaltung sogar vermissen. Sie möchte damit weitermachen. Außerdem hat sie vor, Öffentlichkeitsarbeit für E-Bikes zu machen. Das habe ihr am meisten gebracht. 40 Kilometer am Tag seien damit gar kein Problem, undenkbar mit einem normalen Rad. Allerdings müsse dafür die Infrastruktur in der Region verbessert werden. Mit Radlerstraßen, Abstellplätzen und Ladestationen, fordert sie konsequentes Umdenken bei Verwaltung und Stadträten.


Gegenseitige Tipps und Austausch


Sie will wie alle anderen auch am Ball bleiben. Und Anna Hoeffler freut sich, dass aus Konkurrenten im Lauf des Wettbewerbs Freunde geworden sind. „Sie haben sich ausgetauscht und sich gegenseitig Tipps gegeben.“
Die Energiehelden des Jahres bedankten sich bei der Stadt mit einer Mini-Demo. Sie hätten den Plastikmüll pro Person und Jahr von zehn auf sechs Kilo reduziert. Sie hätten ihr Gewicht um sechs Kilo reduziert, weil sie das Auto stehenließen und stattdessen auf das Rad umgestiegen sind. Das spare dem Gesundheitssystem 2000 Euro im Jahr. Eine Tankfüllung reiche plötzlich für drei Monate.
„Im Kleinen können wir schon sehr viel erreichen“, so die Gruppe und wünscht sich mehr Einigkeit im Großen. „Wir wollen ein lebenswertes und nachhaltiges Ludwigsburg.“

Infos: www.ludwigsburg.de/energiehelden

Von Thomas Faulhaber
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