Wer schafft den kleinsten Fußabdruck?
Energiehelden
Ludwigsburg | 27. Februar 2018

Jeder kann Müll und Wasser sparen

Ein Team im Rennen um den Titel „Ludwigsburger Energiehelden“ ist raus. Die Studenten-WG musste sich auflösen. Die jungen Leute möchten trotzdem weiter mitmachen. Aber eben außer Konkurrenz. Am Samstag ging’s um Müll und Wasser.

Die Energiehelden auf Erkundungstour am Ludwigsburger Wasserturm.Foto: Andreas Essig
Die Energiehelden auf Erkundungstour am Ludwigsburger Wasserturm.Foto: Andreas Essig

Stündlich werden in Ludwigsburg Einwegbecher in der Höhe des Eiffelturms weggeschmissen. In Deutschland wandern jede Sekunde 313 Kilo an Lebensmitteln in der Tonne. Auf den Weltmeeren treiben mindestens fünf gigantische Müllinseln groß wie Mexiko oder Mitteleuropa. Die Beispiele, die Sandra Riedel und Stefanie Fischer von der Abfallverwertungsgesellschaft (AVL) nennen, sind drastisch. Und es dauert Jahre bis Jahrhunderte, bis Abfälle verrotten. Bis eine Einwegwindel abgebaut ist, dauert es genauso lange wie eine Plastikflasche: 450 Jahre.

Im Jahr fallen im Landkreis Ludwigsburg pro Person durchschnittlich 81 Kilo Papiermüll an, 53 Kilo Biogut, 27 Kilo Glas, 15 Kilo Kunststoffe und zehn Kilo Metall. 37 Kilo sind die Leichtverpackungen schwer. Wobei die zehn Teilnehmerhaushalte beim Wettbewerb „Nachhaltigkeit barockt“ umgerechnet mit „nur“ 2,2 bis 32,4 Kilo auskommen. 141 Kilo Haus- und Sperrmüll (Restmüll) sammeln sich im Schnitt an. Die künftigen Energiehelden landen hier bei 600 Gramm bis 103 Kilo.

Wer trennt, der spart, sind Riedel und Fischer überzeugt. Vieles kann recycelt werden und gehört daher nicht in den Restmüll. Aus Plastikgranulat können Eimer oder Fleecepullis hergestellt werden. Auch CDs hätten nichts in der grauen Tonne zu suchen. Denn aus denen könnten Motorradhelme produziert werden. Der Restmüll werde verbrannt. Auch kompostierbare Plastiktüten gehörten übrigens nicht in die braune Tonne. Bis die verrotten, dauert es drei Monate. „Das ist zu lange“, sagte Riedel, verteilte Papierbeutel und gab saisonale Tipps im Umgang mit der Biotonne.

„Jeder hat seine eigene Einstellung im Umgang mit Wasser“, meint Gerhard Peter. Jeder verbrauche durchschnittlich 122 Liter am Tag. 40 Liter spült er dabei in der Toilette hinunter, 44 Liter gehen für die Körperhygiene durch den Abguss und 17 Liter schluckt die Waschmaschine. „Ohne Qualitätsverluste wären 100 Liter machbar“, sagt der 70-jährige Professor, der an der Heilbronner Hochschule medizinische Informatik lehrt. So verbraucht ein Vollbad locker so viel Wasser wie vier Duschen. Geschirr von Hand spülen verbraucht viel mehr als in der Maschine. Die aber sollte in der Regel erst angestellt werden, wenn sie auch voll ist. Gleiches gelte für die Wäsche. Der Hahn muss beim Zähneputzen oder der Nassrasur auch nicht ständig laufen. Wer Obst und Gemüse in der Schüssel wäscht, hat danach Wasser für die Zimmerpflanzen. Außerdem koste eine Gummidichtung für den tropfenden Hahn nicht die Welt.

Im Garten sollte besser frühmorgens und von Hand gegossen werden, empfiehlt Peter. Am besten aus der Zisterne oder aus der Regentonne. Sehr kritisch ist er gegenüber Rasensprengern. Zwei Drittel des Wassers würde verdunsten, bevor es die Wurzeln erreicht. Wer den Rasen in längeren Intervallen mäht, habe einen natürlichen Speicher.

Es gebe viele kleine Stellschrauben, hier und dort ein wenig weniger verschwenderisch zu sein. Steter Tropfen höhlt den Stein. Nur bei einem sollte man nicht geizig sein: Spätestens alle vier Stunden sollten die Wasserleitungen durchgespült werden. Nicht nur Haushaltstipps hatte Peter mitgebracht. Er erinnerte auch an die weltweiten Umweltprobleme. Auch das ein Grund, bewusster mit Wasser umzugehen.

„Wasser ist unser Sorgenkind“, sagt Eszter Kiss. Sie und ihr Mann wollten nicht auf die morgendliche Dusche verzichten. Dagegen sind sie beim Müll auf gutem Weg: 20 Prozent weniger.

Michael Rettig, von der aufgelösten WG, gibt der AVL den Rat, an den Ludwigsburger Hochschulen die Mülltrennung à la Ludwigsburg bekannter zu machen. „Für auswärtige Studenten ist das komplizierte System ohne Erklärung einfach unbegreiflich.“ Der Wettbewerb zum Energiehelden sei anstrengend, so sein Fazit. „Du musst dich permanent zwingen, an alles zu denken, und hast dann doch wieder was vergessen.“

Zum Abschluss des Tages schnauften die Teilnehmer die 245 Stufen des Wasserturms im Salonwald hoch. Der fasst 12 500 Kubikmeter. Das sind 12,5 Millionen Liter oder 417 Tanklastzüge.

Info: Jetzt beteiligen sich also noch neun Haushalte am Wettbewerb Energiehelden der Stadt im Zuge des EU-Projekts CitiEnGov. Die Ehrung ist zur Zukunftskonferenz im Juni geplant. Die LKZ ist Medienpartner der Aktion. Infos unter www.lkz.de/energiehelden.html oder www.ludwigsburg.de/energiehelden. Dort sind auch Videos zu den Terminen zu finden.

Thomas Faulhaber
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