Wer schafft den kleinsten Fußabdruck?
Energiehelden
Ludwigsburg | 07. Juli 2018

Kampf gegen die Bequemlichkeit

Die Ludwigsburger Energiehelden sind am Ziel: Zehn Haushalte waren vor acht Monaten angetreten und haben seither den eigenen ökologischen Fußabdruck beobachtet. Ihr Fazit: Es wird einem nicht unbedingt leicht gemacht, nachhaltig zu sein.

Sie haben, wo es ging, aufs Auto verzichtet, Müll getrennt und gewogen. Sie lasen regelmäßig Strom- und Wasserzähler ab, achteten auf ihr Konsumverhalten und versuchten, Plastikverpackungen zu vermeiden. Sie opferten sechs Samstage, um sich von Experten coachen zu lassen, wie sie denn noch besser werden könnten. Das Holzheizkraftwerk wurde besucht, der Wochenmarkt, der Wasserturm, ein Biobauer. Gemeinsam radelten sie durch die Stadt. Die Ludwigsburger Kreiszeitung begleitete die gesamte Aktion „Nachhaltigkeit barockt“ unter der Federführung von Anna Hoeffler vom Referat Nachhaltige Stadtentwicklung und berichtete.
Alle kamen durch, bis auf eine Gruppe. Die Studenten-WG musste aufgeben. Ihre Wohngemeinschaft wurde aus baurechtlichen Gründen aufgelöst. Trotzdem blieben sie am Ball. Außer Konkurrenz allerdings. Obwohl alle Teilnehmer eigentlich schon ziemlich „öko“ drauf waren, legten sie alle noch eine Schippe drauf. „Das Projekt hat unser Bewusstsein für die Zukunft geschärft“, sagt zum Beispiel Matthias Rother, der mit seiner Frau Stefanie zwei kleine Kinder hat. Mit Windelkindern sei es schwer, tatsächlich Müll zu vermeiden. Wegwerfwindeln seien doch praktischer, als die aus Stoff. Und bei dem mächtigen Milchverbrauch seien Tetrapacks doch erheblich leichter. Die Eltern gestehen eine gewisse Bequemlichkeit ein. Sie haben sich ein Lasten-E-Bike mit dem städtischen Zuschuss für die Energiehelden zugelegt. Mit dem legen sie so gut wie alle Strecken in der Stadt zurück. Bis auf den Berg in Neckarweihingen. Die Kinder sitzen vorne zusammen mit den Einkäufen.
Sie beteiligen sich am Foodsharing, statt Lebensmittel wegzuschmeißen und wollen in Zukunft noch stärker darauf aufpassen, kein Spielzeug mit Plastik zu kaufen. Rothers kleiden sich im Secondhandladen ein. Für jedes Stück, das in den Schrank kommt, wird ein anderes aussortiert und gespendet. Und sie wollen sich drei Hühner zulegen.
Den Wasserverbrauch hat die allein erziehende Silvia Kluson nicht in den Griff bekommen. „Wen wundert’s mit pubertierenden Zwillingen in der Wohnung, die oft und ausgiebig duschen.“ Die Perlatoren hätten so gut wie keinen Effekt gehabt. Auch die alte Spülmaschine sei ein echter Schluckspecht. Die 52-Jährige ärgert vor allem, dass es in ihrer Wohnanlage keine Biotonne gibt. Drei Viertel ihres Restmülls könnten eigentlich kompostiert werden. Dafür will sie sich jetzt einsetzen. Sie hat sich außerdem vorgenommen, jetzt auf ein E-Bike zu sparen. Das habe ihr richtig Spaß gemacht. Ihre Jungs waren vom Projekt insgesamt wenig begeistert, weil sie sich einschränken mussten.
Tina Murphy hat fünf Männer im Haus: Gatte, drei Söhne – drei, sechs, acht Jahre – und ein Au-pair. Am Stromverbrauch sind sie beinahe verzweifelt. Statt standby wurden Geräte immer ganz abgeschaltet, der Gefrierschrank wurde abgetaut, kein Licht brannte unnötig. Nach sieben Monaten war der Übeltäter gefunden: Die Lüftungsanlage im Haus war es. „Die ist ein richtiger Stromfresser und bleibt im Sommer künftig abgeschaltet.“ Radikal hat sie ihr Einkaufsverhalten geändert und kauft nur noch unverpacktes Obst und Gemüse, wenn es das nicht gibt, dann eben nicht. Joghurt, Milch und Wasser gibt’s aus Glas. Nur bei Frischkäse, Shampoo und Biogurke wird eine Ausnahme gemacht. „Anfangs hatte ich Schiss vor der Aktion“, sagt die 41-Jährige. Heute würde sie die ökologische Buchhaltung sogar vermissen. Sie möchte damit weitermachen. Außerdem hat sie vor, Öffentlichkeitsarbeit für
E-Bikes zu machen. Das habe ihr am meisten gebracht. 40 Kilometer am Tag seien damit gar kein Problem, undenkbar mit einem normalen Rad. Allerdings müsse dafür die Infrastruktur in der ganzen Region verbessert werden. Mit Radstraßen, Abstellplätzen und Ladestationen, fordert sie konsequentes Umdenken bei Verwaltung und Stadträten.
Alle sind sich einig: Dem Fahrrad mit Elektroantrieb gehört die Zukunft in einer Stadt wie Ludwigsburg mit beinahe idealer Topographie. Das würde viele Probleme auf einmal lösen. Stau, Parkplatznot, schlechte Luft, Lärm. Das Projekt „Energiehelden“ betrachtete zum Abschluss jeder als gewinnbringend.
Anna Hoeffler freut sich, dass aus Konkurrenten im Lauf des Wettbewerbs Freunde geworden sind. „Sie haben sich ausgetauscht und sich gegenseitig Tipps gegeben.“ Ellbogen wurden keine ausgefahren. Die Sieger stehen bereits fest, denen wird ein Wochenende in einem Biohotel spendiert. Bekannt gegeben wird der Gewinner im Rahmen des NaturVision Filmfestivals auf dem Arsenalplatz. Am Sonntag, dem 22. Juli, um 18 Uhr.

Von Thomas Faulhaber
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