Wer schafft den kleinsten Fußabdruck?
Ludwigsburg | 22. November 2017

Wie man richtig heizt und lüftet

Seit gut vier Wochen sind die Ludwigsburger Energiehelden nun am Start. Zehn Haushalte haben sich vorgenommen, sparsamer mit Strom, Heizung, Kraftstoff, Wasser und Müll umzugehen. Im Juni 2018 soll der Sieger feststehen. Am Samstag holten sich die Teilnehmer im Holzheizkraftwerk der Stadtwerke Tipps zum Heizen und Lüften. Im Anschluss an die Theorie gab’s eine Führung durch die Anlage.

Die Teilnehmer des Wettbewerbs werden fürs richtige Heizen sensibilisiert. Fotos: Karin Rebstock/dpa
Die Teilnehmer des Wettbewerbs werden fürs richtige Heizen sensibilisiert. Fotos: Karin Rebstock/dpa

21 Grad im Wohnzimmer reichen aus

„Ein Thermostat voll aufdrehen, macht einen Raum nicht schneller warm“, sagt Sven Roth von der Ludwigsburger Energieagentur (LEA). Und: Nur ein Grad mehr im Wohnzimmer steigere den Energieverbrauch um sechs Prozent. Hier würden 20 bis 21 Grad ausreichen. In Schlafzimmern seien 16 bis 18 Grad optimal, in der Küche reichten 18 Grad. Das Badezimmer sei mit 21 bis 24 Grad gut geheizt. Glücklich sei, wer eine Fußbodenheizung habe. Weil die gefühlt eine höhere Temperatur ausstrahle, könne die gemessene Luftwärme sogar um ein bis zwei Grad reduziert werden.

Heizkörper und Thermostatventile sollten nicht durch Möbel oder Vorhänge verdeckt werden. In den Nischen der Heizkörper ist die Außenwand meist am dünnsten. Selbst eine schlanke Kaschierung mit Aludämmung könne wirken, empfiehlt der Ingenieur. Es ist sinnvoll, nachts die Temperatur abzusenken und Rollläden zu schließen.

Beim Warmwasser sollte nicht gespart werden, so der Lea-Berater. Zwischen 20 und 45 Grad würden sich Legionellen optimal vermehren. Und die können der Gesundheit zusetzen. Deshalb müssen auch tote Winkel im häuslichen Leitungsnetz beseitigt werden, regelmäßig auch alle anderen Rohre mit mindestens 60 Grad heißem Wasser gespült werden. Auch der Warmwasserbereiter sollte von einer Fachfirma regelmäßig gereinigt werden.

Heizen und Lüften sind wie Geschwister. Wo keine mechanische Anlage vorhanden ist, müssen mehrmals täglich die Fenster aufgemacht werden. Das verringert das Risiko von Schimmelbildung. Hier gilt: Stoßlüften bei abgedrehten Heizkörpern, damit die Wände nicht zu sehr abkühlen, aber die Luft ausgetauscht wird. Je größer der Unterschied zwischen drinnen und draußen, desto kürzer kann das ausfallen. „Wer vorhat, sein Haus grundlegend energetisch zu sanieren, sollte das mit Fachleuten absprechen“, rät Roth. Hier würden viele unterschiedliche Faktoren ineinandergreifen, die zusammen berücksichtigt werden müssten.

Energiehelden achten auf den Verbrauch

„Ich achte jetzt noch mehr auf meinen Stromverbrauch und ziehe konsequent den Stecker, wenn ich schlafe oder nicht zu Hause bin“, zieht Daliborka Horvath ein erstes Fazit. Früher liefen bei ihr CD-Spieler, Fernseher und WLAN-Router oft auf standby. Wo es geht, vermeidet sie Verpackungsmüll. Obst und Gemüse wird nur noch nach Bedarf und einzeln statt in Großpackungen auf Vorrat eingekauft. „Das kostet nicht viel mehr.“ Ein positiver Nebeneffekt: immer frische Ware.

„Bei uns geht es in ganz kleinen Schritten vorwärts“, meint Silvia Kluson. Zum Beispiel verwendet sie jetzt spezielle wasch- und wiederverwendbare Tüten für Obst und Gemüse. Neue Verpackungen vermeidet sie, indem sie Nachfüllpacks im Drogeriebereich verwende. „Seit ich ein Pedelec habe, bleibt mein Motorroller noch öfter stehen. Außerdem haben wir eine neue Handbrause mit Wasserspareinsatz angeschafft.“ Bei zwei pubertierenden Jungs, die viel Zeit unter der Dusche verbringen, wird das eine sinnvolle Investition gewesen sein. „Die Zwillinge haben leider nur wenig Verständnis für die Aktion.“

Bei den Bruders werden die Zähler in kürzeren Zeitabständen abgelesen. „Das schärft das Bewusstsein“, beobachtet Beate Bruder. Seit sie sich selber auf die Finger schauen, wird Müll noch konsequenter getrennt und darauf geachtet, ihn zu vermeiden. Für die siebenjährige Tochter ist das Projekt noch kein Thema. Aber der Neunjährige geht jetzt regelmäßig durchs Haus und schaltet das Licht ab, wenn niemand im Zimmer ist, und regelt die Heizung runter. Der Ehemann nutzt, seit das VVS-Ticket gesponsert ist, regelmäßig Bus und Bahn. „Das Auto wird nur aus der Garage geholt, wenn es nicht anders geht.“

Projektleiterin Anna Hoeffler ist überrascht: Von den zehn Haushalten haben sich fünf ein E-Bike geliehen, einer hat eins mit Zuschuss gekauft.

Das Holzheizkraftwerk: 50 Tonnen Grünschnitt werden täglich bei Volllast von den kommunalen Häckselplätzen und noch einmal so viel sogenanntes Straßenbegleitgrün im Holzheizkraftwerk (HHKW) der Stadtwerke Ludwigsburg-Kornwestheim (SWLB) verfeuert. Mit einer Gesamtfeuerungsleistung von 14,6 Megawatt gehört die Anlage zu den größten in Baden-Württemberg. Im November 2009 ging sie ans Netz und hat seither rund 75 Millionen Kilowattstunden Energie geliefert. Das deckt den Fernwärmebedarf im Ludwigsburger Verbundnetz zu 75 Prozent. Angeschlossen sind City-Ost-West, die Karlshöhe, die Hartenecker Höhe und Wüstenrot. Geplant ist, bis in drei Jahren über den Salonwald und die Danziger Straße den Ring zum Hallenbad zu schließen, so der Betriebsleiter Uwe Schlitter. Die Anlage an der Eisenbahnstraße produziert jährlich zehn Millionen Kilowattstunden Strom und 48 Millionen kWh Wärme klimaneutral aus 28 000 Tonnen Biomasse. Bislang wurden so 126 000 Tonnen CO eingespart. Das entspricht etwa 54 Millionen Litern Benzin, mit dem ein Auto 13 500 Mal um die Erde fahren könnte, hat die SWLB umgerechnet.

Der Kamin mit 38 Metern ist das höchste Bauwerk der Stadt. Die Leitungen versorgen unter anderem Landratsamt, Stadtverwaltung, Forum, Wilhelmgalerie sowie Privatkunden mit Wärme. SWLB-Geschäftsführer Bodo Skaletz betont: „Mit dem HHKW unterstützen wir die aktive Klimapolitik und unterstreichen damit den Anspruch unseres Unternehmens, nachhaltig zu wirtschaften.“ Die SWLB bietet regelmäßig Führungen an. Anfragen an: info.technik@swlb.de.

Info: Zehn Haushalte beteiligen sich am Wettbewerb „Energiehelden“ der Stadt Ludwigsburg im Zuge des EU-Projekts CitiEnGov. Die Ehrung ist zur Ludwigsburger Zukunftskonferenz im Juni 2018 geplant. Die LKZ ist Medienpartner des Projekts.

Thomas Faulhaber
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