Kati´s Trends
20. Februar 2013

Stofftaschen – unsere Alltagsbegleiter

Hand aufs Herz, meine Damen – wer hat sich noch nie überlegt, welche Stofftasche (für die Sachen, die wir aufgrund des Platzmangels nicht mehr in die Handtasche stopfen können) am besten zum Tagesoutfit passt? Es ist wie im Film, in der Hauptrolle sehen wir die Handtasche, sie gibt den Ton an, erobert die Herzen. Die Stofftasche, die anscheinend eine unbedeutende Nebenrolle spielt, kann aber über Top oder Flop des ganzen Auftritts entscheiden. Nicht umsonst werden auch Nebendarsteller mit dem Oscar prämiert.

Seit zwei Wochen beobachte ich die Leute abwärts der Taille, um mir ein Bild von deren Stofftaschenwelt verschaffen zu können. Der Perspektivenwechsel gleicht einem spannenden Spiel. Man schaut als Erstes auf das als Letztes ausgewählte Element der Bekleidung und tippt. Ist die Person jung oder alt, modebewusst oder konservativ usw., und nur dann blickt man aufs Gesicht. Beim Volltreffer Siegeslächeln, falls voll daneben – erstaunen, nachdenken. Statistisch verwertbare Zusammenhänge konnte ich zwar nicht feststellen, es gibt aber Allgemeinheiten, die leicht festzustellen sind. Männer bevorzugen in der Regel weiße Baumwolltaschen (wirkt neutral) oder sind völlig anspruchslos und nehmen was ihnen als Erstes in die Hände fällt (wirkt manchmal komisch). Frauen sind experimentierfreudiger, sie mögen allerlei Muster und Farben. Manche provozieren und belustigen gerne mit aufgedruckten Sprüchen voller Ironie oder Dialekt-Witz.

Ich vermute die Stoffbeutel sind genauso alt wie die Textilherstellung selber, die ersten Webstühle sind auf 4000 v. Chr. datiert. Was über Jahrtausende eine Selbstverständlichkeit war, wurde in den 60ern aufgrund der Erfindung und Verbreitung der Kunststoffe von den Plastiktüten verdrängt. In den 80ern kam die Renaissance der Stofftaschen mit den Öko-Bewegungen und mit dem Aufblühen des Fairen Handels (einer der ersten Importschlager waren die „Jute statt Plastik“-Taschen.) Heute stehen die Baumwoll-Beutel immer noch für ein ökologisches Bewusstsein, viele Lebensmittelhändler drucken Öko-Motive auf ihre Stofftaschen. Die Modemarken haben auch schon längst nachgezogen und bieten Stofftaschen an; man fungiert zwar damit als kostenlose Werbeträger, aber in der Regel weisen sie ein gut durchdachtes Design und Qualität auf. 

Ich würde jeden ermutigen, Stofftaschen zu sammeln. Irgendwann werden sie zu Unikaten oder können einen Stilfrust-Tag retten, indem man einfach eine mit der klassischen Aufschrift über die Schulter wirft: „My other bag is Chanel.“

 

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kalü
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