Interview
Ludwigsburg | 30. Mai 2018

„Gegenseitiges Vertrauen ist das höchste Gut“

Die Öffentlichkeitsarbeit der Ludwigsburger Bundesliga-Basketballer hat einen Namen: Björn-Lars Blank. Seit sechs Jahren vermittelt der 36-jährige Pressesprecher die Interessen der MHP-Riesen einem breiten Publikum. Mit dem Ende dieser Saison verlässt der ausgewiesene Basketball-Fachmann das Schwabenland und kehrt in seine Heimat nach Niedersachsen zurück.

Björn Lars Blank, der in Duderstadt aufwuchs, ist Sport- und Politikwissenschaftler und war bei der BG Göttingen von 2008 bis 2012 als PR-Manager tätig. In der Saison 2012/2013 trat er die gleiche Stelle beim damals in schwieriges Fahrwasser geratenen Ligakonkurrenten in Ludwigsburg an.

Herr Blank, eine intensive Saison liegt hinter Ihnen und den MHP-Riesen. Haben Sie die Eindrücke der vergangenen Tage und Wochen schon verarbeitet?

Björn-Lars Blank: Es war definitiv die intensivste Saison, die ich bislang erlebt habe. Vor allem nach hinten raus drängten sich die Highlights mit Champions League Final Four und Bundesliga Play-offs. Wir werden wohl erst mit einigem Abstand erfassen, was in diesem Jahr wirklich alles gelaufen ist.

Sie sind jetzt seit sechs Jahren in Ludwigsburg. Stimmt es eigentlich, dass Sie seinerzeit maßgeblich an der Verpflichtung von Trainer John Patrick beteiligt waren?

Blank (lacht): Das weiß ich nicht. Ich war ja ein halbes Jahr vor ihm in Ludwigsburg, und natürlich hat mich der Vorstand damals gefragt, was von Patrick zu halten sei. Wir haben in Göttingen lange zusammengearbeitet, und da weiß man, wie der andere drauf ist. In Medienfragen jedenfalls war John Patrick immer sehr offen. Man kann jederzeit mit ihm über diese Dinge sprechen.

Was glauben Sie, schätzt Patrick an Ihnen besonders?

Es ist schwer, über sich selbst zu reden, aber ich denke, er hat starkes Vertrauen in meine Arbeit.

Sie haben mehr als zehn Jahre Erfahrung als PR-Manager in der BBL. Was fasziniert Sie an dieser Sportart am meisten?

Basketball ist mein absoluter Lieblingssport. Ich habe in meiner Jugend selbst hobbymäßig Basketball gespielt und ich finde es großartig, sich in einem Sport, den man liebt, beruflich wiederzufinden. Im Übrigen wollte ich immer journalistisch tätig sein und etwas im Medienbereich machen.

Welches Ereignis in Ludwigsburg haben sie in bleibender Erinnerung?

Insgesamt natürlich die enorme Entwicklung, die die MHP-Riesen in dieser Zeit genommen haben. Es begann am Ende der Saison 2012/2013 mit einem Nackenschlag, als wir sportlich abgestiegen waren. Das mit der Wild Card war aus heutiger Sicht knapper als gedacht. Wir konnten ja nicht wissen, wie sich der Fall der Giants Düsseldorf entwickeln würde. (Anm. d. Red.: Düsseldorf wurde am Ende die Bundesliga-Lizenz verwehrt). Dass wir danach fünfmal in Folge die Play-offs spielen würden, konnte niemand ahnen. Es war dieser ungeheure Prozess bis hin zur Champions League und ins Play-off-Halbfinale in diesem Jahr, der in Erinnerung bleiben wird. Da habe ich wohl alle Hochs und Tiefs mitgenommen. Für mich persönlich war es aber auch eine Erfahrung, mich fern meiner Heimat beweisen zu können.

Basketballspieler sind eigenwillige Typen. Welcher Ludwigsburger Spieler hat Sie besonders beeindruckt?

Ich möchte da keinem Unrecht tun, aber das ist sicher David McCray. Mein erster Pressetermin war quasi seine letzte Amtshandlung, als bekannt wurde, dass er nach Bonn wechselt. Ich habe wohl keinen anderen Spieler in so viele Interviews geschickt wie David. Klar waren auch Spieler wie Adam Waleskowski und Jack Cooley äußerst beeindruckend. Jon Brockman wurde in Ludwigsburg bekanntlich zur Ikone.

Was ist im Umgang mit den Profis das wichtigste?

Ich habe mit allen Spielern stets eine gute Zusammenarbeit angestrebt. Das wichtigste ist, die Spieler müssen das Vertrauen spüren. Wir müssen alles tun, damit es ihnen gut geht und sie nicht das Gefühl bekommen, aufs Glatteis geführt zu werden. Das ist die Aufgabe der PR-Abteilung.

Und im Umgang mit Fans und Medien?

Du musst ein glaubwürdiger und verlässlicher Ansprechpartner sein, denn gegenseitiges Vertrauen ist das höchste Gut. Natürlich kannst du manchmal nicht alles erzählen, aber wichtig ist, dass du eine vernünftige Erklärung lieferst. Jemanden abzuwimmeln oder zu sagen „Kein Kommentar“, das gibt es bei mir nicht.

Sondern?

Ich kann mich nicht verstellen, und darum ist es wichtig, handwerklich sauber zu arbeiten. Das ist eine Art Selbstschutz und auch der Grund dafür, warum unsere Berichte oft sehr sachlich sind und nur ab und zu Emotionen ins Spiel kommen.

Die BBL erfährt international eine immer größerer Bedeutung. Trotzdem könnte die Wahrnehmung in den Medien größer sein. Woran liegt’s?

Ich erinnere mich noch an 2014, da wurde zum ersten Mal unser Play-off-Viertelfinale gegen Bayern München auf Sport 1 übertragen. Davor war nichts, heute läuft jedes Spiel im Livestream. Insofern macht die Sportart hinsichtlich der Vermarktung einen guten Job. Trotzdem liegt es auch an den Verbänden, mehr Interesse für Basketball zu wecken. Es ist doch ein Phänomen: Menschen, die eigentlich mit Basketball nichts am Hut haben, kommen einmal in die Halle und sind plötzlich begeistert von der Atmosphäre, die spannend und friedlich zugleich ist. Basketball hat enormes Potenzial, aber noch gibt es zu viele weiße Flecken auf der Landkarte und eigentlich nur 18 Leuchttürme.

Die BBL ist noch nicht entschieden. Wer wird deutscher Meister?

Aufgrund der Flüssigkeit ihres Spiels sehe ich Berlin etwas vorne. Die finden für jede Situation Lösungen, trotzdem ist die Qualität von München nicht zu unterschätzen.

Sie kehren nach Saisonschluss in Ihre Heimat zurück und werden mit Basketball nicht mehr viel zu tun haben. Welche neue Aufgabe wartet auf Sie?

Ich liebe Basketball, aber ich denke, dass mir ein Wechsel auch mal ganz guttut. Ich werde journalistisch für eine Medienagentur aus dem Automobilbereich arbeiten. Außerdem bin ich in Braunschweig einen Tick näher an meiner Heimat und kann meine Familie öfter sehen. Diese Chance möchte ich am Schopfe packen.

Fragen von Andreas Steimann
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