Ludwigsburg | 24. Februar 2017

Cottons Wut und Cooleys Kämpfernatur

Gegen Maccabi Rishon Le Zion überzeugen die Riesen nicht mit großer Spielkultur, aber mit unbedingtem Durchsetzungswillen

Jack Cooley (links) entlädt seinen Frust, rechts Patrick Richard (Maccabi Rishon). Foto: Baumann
Jack Cooley (links) entlädt seinen Frust, rechts Patrick Richard (Maccabi Rishon). Foto: Baumann

Ludwigsburg. John Patrick hatte es vorausgeahnt und Spieler und Riesen-Fans gewarnt. „Es ist so, als kommst du mit einer 17-Punkte-Führung aus der Halbzeit. Das ist sehr gefährlich“, mahnte der Coach bereits nach dem Hinspiel in der Eliminationsrunde gegen Maccabi Rand Media aus Rishon Le Zion, das die Ludwigsburger Basketballer mit 83:66 für sich entschieden hatten.

Dass das Champions-League-Rückspiel kein Selbstläufer werden würde, zeigte sich bereits im ersten Viertel. Ludwigsburg wirkte unkonzentriert, Maccabi – unterstützt von einer Handvoll Fahnen schwenkender Fans, die dem Abend in der MHP-Arena eine ganz besondere Note gaben – witterte seine Chance und zog in den ersten Minuten auf 15:4 davon. Gerade einmal sechs Punkte Polster waren den Gastgebern nach sechs Spielminuten, als Patrick seine zweite Auszeit nahm, geblieben. Die Partie drohte zur Nervenzerreißprobe für die Schwaben zu werden.

Defensive als Grundstein für den Erfolg

Vor allem Tekele Cotton, der seit Wochen krankheitsbedingt seiner Form hinterherläuft, kam überhaupt nicht ins Spiel. Dann aber war es ausgerechnet der Shooting Guard, der der bis dahin einseitigen Partie die Wende gab und klare Zeichen setzte. Nach seinem krachenden Dunking nach Zuspiel von Cliff Hammonds zum 22:26-Anschluss schrie sich der 23-Jährige den ganzen Frust von der Seele. Zum Ende des zweiten Viertels folgte ein weiterer Dunking, wenig später wurde Cottons Distanzwurf mit der Halbzeitsirene mit Foul gegen Maccabi bestraft. Kurios: Die Israelis verabschiedeten sich bereits in die Pause, verließen das Spielfeld und sorgten damit für einige Verwirrung beim serbisch-griechisch-albanischen Schiedsrichteregespann und Maccabi-Coach Arik Shivek.

Der 60-jährige Coach erinnerte nicht nur vom Aussehen, sondern auch mit seiner Vitalität am Spielfeldrand verblüffend an den israelischen Komiker Ephraim Kishon. Allein Cotton blieb in der allgemeinen Konfusion ganz cool und verwandelte jeden seiner drei Freiwürfe zum 31:35-Halbzeitstand.

Fortan spielten die Riesen voll auf Sieg. Besonders Jack Cooley, der bis zur Pause nur drei Punkte beigesteuert hatte, riss das Zepter an sich und setzte mit 17 Punkten in der zweiten Spielhälfte entscheidende Duftmarken.

Trainer Patrick sah nach dem Spiel vor allem die Verteidigung als Grundstein für den Erfolg. „Nicht immer sind die Spieler, die die Punkte machen, entscheidend. Heute haben Cliff Hammonds und Kelvin Martin mit ihren Blocks tolle Aktionen in der Defensive gehabt. Mit Johannes Thiemann auf dem Feld waren wir 13 Zähler besser als der Gegner“, so der Coach.

Maccabi-Coach Shivek, der nur acht Spieler aufbieten konnte, zollte dem Kampfgeist beider Teams höchsten Respekt. „Ludwigsburg war über die 80 Minuten gesehen besser. In Israel haben wir nicht so gut gespielt und schlechter ausgesehen, als wir sind. Ludwigsburg hat das ausgenutzt. Heute haben wir besser gespielt und hätten eine Chance gehabt, wenn das Hinspiel nicht so verlaufen wäre. Insgesamt war es aber eine beachtliche Champions League-Saison für uns.“

Die MHP-Riesen haben sich nach 16 Europapokalspielen und mit dem Erfolg über Maccabi in die Phalanx der 16 besten europäischen Champions-League-Teams eingereiht. Die Achtelfinal-Reise führt nach Litauen. Dort bekommen es die Ludwigsburger mit Neptunas Klaipeda zu tun. Dazwischen stehen richtungsweisende Bundesligaspiele gegen Vechta und Frankfurt auf dem Programm.

Das Achtelfinale im Überblick

Aris Saloniki – Asvel Lyon

AEK Athen – AS Monaco

PAOK Saloniki – Iberostar Tenerifa

Dinamo Sassari – Le Mans Sarthe

Ludwigsburg – Neptunas Klaipeda

EWE Oldenburg – Banvit Bandirma

Reyer Venezia – Sidigas Avellino

Pinar Kassiyaka – Besiktas Istanbul

Die Hinspiele sind am 28. Februar/ 1. März, die Rückspiele am 7./8. März.

von andreas steimann
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