Basketball-EM
Ludwigsburg | 13. September 2017

Favorit Spanien beendet deutsche Medaillenträume

Topfavorit Spanien hat die Medaillenträume von Dennis Schröder & Co. beendet. Die deutschen Basketballer müssen sich dem Titelverteidiger nach lange Zeit starker Leistung geschlagen geben.

Daniel Theis (l.) kann Spaniens Superstar Pau Gasol nicht stoppen. Foto: Lefteris Pitarakis/dpa
Daniel Theis (l.) kann Spaniens Superstar Pau Gasol nicht stoppen. Foto: Lefteris Pitarakis/dpa

Istanbul. Mit hängendem Kopf schlich Dennis Schröder vom Feld und holte sich den verdienten Applaus vom Publikum. Trotz einer erneut glänzenden Vorstellung des NBA-Jungstars haben die deutschen Basketballer die große Sensation gegen Spanien und ihr erstes EM-Halbfinale seit 2005 verpasst. Nach langer Führung unterlag das Team des scheidenden Bundestrainers Chris Fleming dem favorisierten Titelverteidiger in der Runde der besten Acht mit 72:84 (33:34).

„Wir haben uns nichts vorzuwerfen, wir haben ein tolles Turnier gespielt. Ich bin stolz auf meine Mannschaft, denn wir haben gekämpft und Herz gezeigt“, sagte Kapitän Robin Benzing. „Wenn die Spanier ins Laufen kommen, ist es gegen sie einfach ganz schwer. Sie sind eine unglaublich gute Mannschaft und hier der Topfavorit auf Gold.“

Schröder führte seine Mannschaft mit 27 Punkten zwar erneut als bester Werfer an, konnte aber auch die neunte Niederlage in Serie gegen die Iberer nicht verhindern. Damit ist auch die Zeit von Chris Fleming als Bundestrainer vorbei – der Coach konzentriert sich zukünftig auf seine Arbeit als Assistent beim NBA-Club Brooklyn Nets.

Nachdem Schröder & Co. Mitte des dritten Viertels noch vorne lagen, drehte NBA-Center Marc Gasol und dominierte mit 28 Zählern. Zuletzt stand die Auswahl des Deutschen Basketball Bunds 2005 mit Superstar Dirk Nowitzki unter den besten vier Teams Europas und holte Silber. Die Spanier dürfen auf ihren vierten EM-Titel seit 2009 hoffen.

Anders als noch beim Achtelfinalcoup gegen Frankreich und im vorigen Turnierverlauf erwischte das deutsche Team einen erstklassigen Start. Vorne trafen Schröder & Co. ihre ersten Würfe und präsentierten sich hochkonzentriert in der Defensive. Spanien-Legionär Johannes Voigtmann stibitzte Center Marc Gasol den Ball und vollendete per Dunking zur 11:2-Führung. Wütend nahm Spaniens Coach Sergio Scariolo nach gut vier Minuten die erste Auszeit.

Spanien untermauert seine Dominanz

Und nach dem schlafmützigen Beginn bewiesen die Iberer, warum sie den europäischen Basketball seit mehr als einer Dekade dominieren. Immer wieder ging der Ball zu den Gasols, die ersten 14 Punkte der Spanier erzielten die beiden Brüder.

Mit einer erneut geschlossenen Teamleistung hielt die deutsche Mannschaft dagegen. Gleich sieben Spieler punkteten im Auftaktviertel, das die DBB-Auswahl mit 19:16 für sich entschied. Doch zu sorglos gingen Schröder & Co. mit dieser immensen Chance um, leisteten sich mehrere unnötige Ballverluste. Zudem erzwang der dreimalige Europameister immer schwierigere Würfe. Pau Gasol stoppte Daniel Theis per hartem Block, Schröder kam nicht wie gewohnt zu einfachen Korblegern. Nach einem zwischenzeitlichen 9:0-Lauf gingen die Spanier mit einer knappen Führung in die Pause.

Doch das jüngste Team des Turniers zeigte sich weiter unbeeindruckt. Mit seinem unbändigen Selbstbewusstsein versenkte Schröder zwei schnelle Dreipunktewürfe. Nach einem eigenen Fehlwurf kratzte sich Pau Gasol entnervt am Kopf. Bei diesem Turnier hatte sich der 37-Jährige den ewigen EM-Punkterekord gesichert und in der Bestenliste Tony Parker und Nowitzki überholt.

Bei den Deutschen setzte erneut die zweite Garde wichtige Akzente. Der Ludwigsburger Johannes Thiemann sorgte beim 45:43 für die erste Führung der zweiten Halbzeit. Doch diese wirkte wie der letzte Nadelstich, um die Widerstandskraft der Spanier zu wecken. Zum Ende des dritten Abschnitts erzielte Marc Gasol gleich zwölf spanische Punkte in Serie – von dem 53:65-Rückstand erholte sich das deutsche Team nicht mehr.

Florian Lütticke
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