Champions League
Athen | 05. Mai 2018

Finaltraum der Riesen jäh geplatzt

Die Ludwigsburger Basketballer haben das Endspiel der Champions League verpasst. Im Halbfinale des Final Four gegen AS Monaco verloren die MHP-Riesen in Athen am Ende ausgelaugt und ohne echte Gegenwehr mit 65:87 (38:36).

Enttäuschung sitzt tief: John Patrick.
Enttäuschung sitzt tief: John Patrick.
Dwayne Evans (r.) hat gegen Monacos Gerald Robinson große Mühe, sich zu behaupten.
Dwayne Evans (r.) hat gegen Monacos Gerald Robinson große Mühe, sich zu behaupten.
Elgin Cook (links) fehlt gegen Monaco-Kapitän Amara Sy der entscheidende Schritt.Fotos: Baumann
Elgin Cook (links) fehlt gegen Monaco-Kapitän Amara Sy der entscheidende Schritt.Fotos: Baumann

„Wir hatten keinen Sprit mehr“, musste Riesen-Coach John Patrick am Ende eines zähen und zeitweise zerfahrenen Spiels, in dem die Ludwigsburger gegen den französischen Meister nur eine Halbzeit mithalten konnten, einräumen. „Die Enttäuschung ist riesengroß“, gestand auch David McCray. „Monaco ist ein gutes Team. In Phasen haben wir unser Spiel, unsere Marke von Basketball zeigen können. Doch in der zweiten Halbzeit nicht mehr, daher ist Monacos Sieg verdient.“

Zu gerne hätte der Kapitän mit seinem Team bei dessen zweiter Champion-League-Teilnahme am Sonntag um die eine Million Euro Siegprämie gekämpft. So aber bleibt den Riesen nur das Spiel um Platz 3, das sie am Sonntag um 16.30 Uhr gegen Ucam Murcia spielen werden. Das Finale bestreitet Gastgeber AEK Athen, das gestern am späten Abend vor ausverkauftem Haus in der 19 000 Zuschauer fassenden Olympic Hall die Spanier im zweiten Halbfinale mit 77:75 niederrang, gegen den Ludwigsburg-Bezwinger AS Monaco.

Dabei bekamen beide Teams ihre Nervosität in den ersten Spielminuten überhaupt nicht in den Griff. Vor allem die Monegassen ließen sowohl von der Dreier-, als auch an der Freiwurflinie sträflich viele Chancen liegen. So verwertete Elmedin Kikanovic im ersten Viertel nur drei seiner sieben Versuche. Der Ex-Berliner wurde im Laufe des Spiels immer stärker und war mit 19 Punkten bester Scorer der Mannschaft von Trainer Zvevdan Mitrovic. Für Monaco ebenfall zweistellig punkteten Christopher Evans (17), Gerald Robinson (16), Sergj Gladyr (12) sowie Amara Sy (10). Für Ludwigsburg war Kerron Johnson mit 12 Punkten bester Schütze.

Die Ludwigsburger fanden nach einer kurzen Phase des Abastens schnell zu ihrem Rhythmus. Elgin Cook besorgte die ersten Punkte, auch Johnson und Thomas Walkup fanden in die Spur. Als Adika Peter-McNeilly den ersten Dreier verwertete, war die Führung (18:7) bereits zweistellig.

Nach einem perfekten ersten Viertel (20:11) für die Ludwigsburger, übernahm Monaco die Kontrolle des Spiels. Bis zur Pause kam der Tabellenführer der französischen Liga auf zwei Zähler heran und ging beim 35:36 erstmals in Führung. Peter-McNeilly war es, der per Buzzer-Beater-Dreier den abermaligen Führungswechsel zur Pause besorgte (38:36).

Nach dem Seitenwechsel drehten die Monegassen endgültig die Partie. Ludwigsburg verstrickte sich in schwierige Würfe, bis zum Ede des dritten Viertels zogen die nun diszipliniert und kraftvoll auftretenden Franzosen auf 61:54 davon.

Bis auf zehn Punkte vergrößerte sich der Vorsprung (54:64), ehe ein 16:0-Lauf von 61:67 auf 61:83 alle Hoffnungen der Schwaben, doch noch einmal zurückzukommen, begrub. In der Crunchtime fehlte den müden Riesen, die durch die Verletzung von Justin Sears deutlich geschwächt waren, schlicht die Kraft, was sich auch in Ballverlusten (16) widerspiegelte.

Patricks Kritik an der BBL

„Wir hatten gute Phasen, doch am Ende haben wir nicht unser Spiel zeigen können“, resümierte ein maßlos enttäuschter – und zugleich verärgerter Trainer Patrick. Seine Trainerkollegen hätten ihn vor dem Spiel ausnahmslos gefragt, wie es sein könne, dass eine Mannschaft vor einem solch bedeutenden europäischen Turnier ein Ligafinale mit drei Spielen binnen fünf Tagen absolvieren müsse. Deutlicher könnte die Kritik Patricks an der BBL kaum ausfallen.

Das Spiel um Platz 3 findet am Sonntag (6. Mai) um 16.30 Uhr mitteleuropäischer Zeit statt. Gewinnen die Riesen das kleine Finale, erhält der Club eine Prämie in Höhe von 200 000 Euro, der Verlierer bekommt 140 000 Euro. Aus Sicht der Riesen nur ein kleines Trostpflaster, wenn man berücksichtigt, dass es bereits am nächsten Donnerstag in das erste schwere Play-off-Viertelfinale gegen Bayreuth geht. „Wir müssen schleunigst zu unserem Rhythmus zurückfinden“, hofft Coach Patrick.

Aus Athen berichtet Andreas Steimann
Weitere Artikel aus diesem Ressort
Anzeige