Basketball
Ludwigsburg | 23. Mai 2017

Kein Einspruch, aber Ruf nach Aufklärung

Die MHP-Riesen Ludwigsburg werden nach ihrem gescheiterten Protest gegen das Viertelfinal-Aus auf eine Berufung gegen das Urteil der Basketball-Bundesliga verzichten. Sie betonen aber, dass sie seitens der Liga um lückenlose Aufklärung bitten und höchstmögliche Transparenz in Folge dieser umstrittenen Schiedsrichter-Entscheidung erwarten.

Abschied tut weh: Die MHP-Riesen der Saison 2016/2017 sagen ihren Fans in Ulm adieu und verabschieden sich in die Sommerpause. Foto: Eibner
Abschied tut weh: Die MHP-Riesen der Saison 2016/2017 sagen ihren Fans in Ulm adieu und verabschieden sich in die Sommerpause. Foto: Eibner

Ludwigsburg. Leicht haben sich die Verantwortlichen der Ludwigsburger Basketballer diese Entscheidung, die faktisch gleichbedeutend mit dem Ausscheiden aus den diesjährigen Play-offs ist, nicht gemacht. Noch am Sonntag während des bereits laufenden ersten Halbfinalspiels Ulm gegen Oldenburg hatte Alexander Reil den weiteren Weg durch die juristischen Instanzen nicht ausgeschlossen. Der Vorsitzende der MHP-Riesen machte aber deutlich, dass ein erneuter Widerspruch laut BBL-Statut zunächst bei der Spielleitung neu entschieden werden müsse und dann erst in die nächste (unabhängige) juristische Instanz gehen könne.

Gestern nun kam die Nachricht, auf diesen Weg zu verzichten. „Trotz eines rechtlichen Gutachtens, das uns Chancen in einem weiteren Verfahren einräumt, haben wir uns nach intensiver Abwägung gegen einen Widerspruch entschieden“, heißt es in der veröffentlichten Mitteilung.

Priorität genieße der sportliche Wettkampf, eine Fortführung des Verfahrens würde über einen unabsehbaren Zeitraum für mehrere Mannschaften rechtliche Unsicherheit bedeuten. „Dies wollen wir vermeiden, da andere Mannschaften an den Vorkommnissen in keiner Weise beteiligt waren“, heißt es.

Dennoch ist die Sache aus Sicht der Riesen damit nicht erledigt. Aufklärung und eine damit verbundene Transparenz spiele über diese Einzelentscheidung hinaus eine entscheidende Rolle. Aus diesem Grund wird sich der Verein an das von der Liga unabhängige Schiedsrichterreferat wenden. Vorsitzender dieser Kommission ist Boris Schmidt (54). Der ehemalige Basketball-Schiedsrichter leitete über 30 Jahre Spiele in deutschen nationalen Spielklassen und wurde auch in internationalen Spielen eingesetzt. Seit seinem Karriereende 2015 ist der Hamburger Kopf des Schiedsrichterreferats der Basketball-Bundesliga. „Wir betonen, dass wir die Vorkommnisse, die auch an anderen Stellen des Spiels auftraten, nicht akzeptieren können“, heißt es in der Mitteilung der MHP-Riesen, die „gerade in Sachen Auftritt, Fingerspitzengefühl und Deeskalationsfähigkeit eine andere Erwartungshaltung haben“.

Beim 81:91 gegen Ulm im entscheidenden fünften Spiel war Ludwigsburgs Trainer John Patrick am vergangenen Donnerstag verwarnt und wenige Sekunden später wegen des zweiten Technischen Fouls der Halle verwiesen worden. Das Schiedsrichtergespann Benjamin Barth, Martin Matip und Christof Madinger traf seine Entscheidung blitzschnell und einvernehmlich.

Aus Sicht des Clubs sollen die Schiedsrichter Patrick daran gehindert haben, Protest beim Technischen Kommissar einzulegen. Liga-Spielleiter Dirk Horstmann erklärte indes, den Schiedsrichtern könne kein Verstoß gegen die Regeln nachgewiesen werden.

von andreas steimann
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