Basketball
Ludwigsburg | 19. August 2017

Korbleger – von Simon Linder

Als s. Oliver Würzburg die Verpflichtung von Cliff Hammonds bekanntgab, zeigte der Blick in die Internetforen der Fans: In Unterfranken wurde gejubelt, während die Ludwigsburger Frust schoben. Die Reaktionen waren nachvollziehbar, denn Hammonds zeigte vergangene Saison durchweg gute Leistungen. Seine Qualitäten sind bekannt: Er ist ein außerordentlich guter Verteidiger, kann es sowohl mit schnellen als auch kräftigen Gegenspielern aufnehmen. In der Offensive besticht er durch ruhiges Strukturieren der Angriffe sowie einem starken Dreipunktewurf. Keine Frage: Hammonds ist einer der besten Point Guards in der BBL.

Kerron Johnson. Foto: Baumann
Kerron Johnson. Foto: Baumann

Ein ganz anderer Typ Aufbauspieler als Hammonds ist Kerron Johnson (Baumann-Foto) , der zur neuen Saison nach Ludwigsburg zurückkehrt. Auch er ist ein sehr guter Verteidiger, spielt aber deutlich emotionaler als Hammonds. Wenn es gut läuft, heißt das: Er bringt Tempo und Feuer aufs Feld, reißt Mitspieler und die ganze Arena mit. Klappen seine Aktionen nicht, überdreht er jedoch manchmal oder fängt an zu hadern. In der Offensive legt er weniger Wert auf Ruhe und Struktur als Hammonds, zieht lieber mit schnellen Schritten zum Korb. Obwohl er sich nahezu ausschließlich auf seine starke linke Hand verlässt, kommt er durch seinen explosiven Antritt häufig zu guten Abschlüssen. Da ihm große Vereinsnamen oder besondere Auszeichnungen in der Vita bisher noch fehlen, dürfte bei ihm das Preis-Leistungs-Verhältnis im Vergleich zu Hammonds vielleicht sogar noch etwas besser sein.

Zugutekommen dürfte Johnson zusätzlich eine Regeländerung: Ab der kommenden Saison muss das erste Dribbling beim Loslaufen nicht mehr vor, sondern erst nach dem Anheben des Standbeins gesetzt werden. Klingt nicht nach einer großen Revolution, ist es aber – denn Spieler wie Johnson können nun noch schneller lossprinten und müssen mit dem Dribbling erst etwas später beginnen.

Doch nicht nur Johnsons individuelle Qualität dürfte den Ausschlag dafür gegeben haben, ihn nach Ludwigsburg zurückzuholen. Denn der 26-jährige Amerikaner passt ganz hervorragend in das nahezu komplett neu zusammengestellte Team. Während im letzten Jahr zu Beginn der Saison mit Alex Ruoff und Jack Cooley zwei Spieler im Kader standen, die schon auf höchstem europäischen Niveau Erfahrung sammeln konnten, sieht das dieses Jahr anders aus. Gerade auf der Position des Small Forwards, die in Teams von John Patrick traditionell von einer Art zweitem Spielmacher ausgefüllt wird, ging Erfahrung verloren: Statt D.J. Kennedy, Drew Crawford undRocky Trice stehen hier aktuell der Europa-unerfahrene Thomas Walkup und der Ex-BonnerFlorian Koch im Kader. Diese Spieler werden davon profitieren, wenn Johnson häufiger mal die Verteidigung durcheinanderwirbelt. Heißt im Endeffekt: Johnson könnte tatsächlich das passende Puzzleteil für die Aufbauposition im neuen Kader der Riesen sein.

Simon Lindner
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