Basketball
Ludwigsburg | 02. September 2017

Korbleger

Viel Kritik musste Dennis Schröder (Foto: dpa) nach der letzten Europameisterschaft 2015 einstecken. Zu einem kleinen Teil zu Recht, denn seine öffentliche Missbilligung eines Spielsystems seines Trainers hätte er sich besser gespart. Zu einem größeren Teil allerdings zu Unrecht: Schröder agierte auf dem Feld überragend; seine Schuld war es nicht, dass es dem deutschen Team nicht gelungen war, die Vorrunde zu überstehen.

Vergangenen Donnerstag, zwei Jahre später, startete die deutsche Nationalmannschaft den nächsten Versuch: wieder Europameisterschaft, wieder soll Schröder das Team in die K.-o.-Runde führen. Die Deutschen taten sich jedoch lange Zeit schwer gegen die Ukraine, die als schwächstes Team in der Gruppe gilt; am Ende stand aber ein souveräner 75:63-Sieg. Überragender Mann des Spiels: Dennis Schröder, der 32 Punkte bei hervorragenden Wurfquoten erzielte, dazu sieben Assists verteilte und sich fünf Rebounds schnappte.

Schröder ist der wohl schnellste Spieler im ganzen Turnier, mit seinen Qualitäten im Eins-gegen-Eins kann er jeden Verteidiger schwindlig spielen. Zu den Favoriten auf den Titel zählt das deutsche Team dennoch nicht – was auch daran liegt, dass Spieler wie Paul Zipser, Maxi Kleber, Niels Giffey, Heiko Schaffartzik, Per Günther und Tibor Pleiß aus verschiedensten Gründen nicht dabei sind. Schon das Erreichen des Achtelfinales dürfte für Deutschland kein Selbstläufer werden; dafür müsste einer der ersten vier Plätze in der Sechsergruppe erreicht werden.

Die Ukraine dürfte Deutschland hinter sich lassen, Italien und Litauen dagegen sind deutlich stärker einzuschätzen als Deutschland. Bleiben noch Georgien, das durch seinen Auftaktsieg gegen Litauen ein erstes großes Ausrufezeichen setzte, und Israel – mindestens eines dieser beiden Teams müsste Deutschland also übertrumpfen.

Am heutigen Samstag geht es für die Deutschen gegen Georgien. Damit ein Sieg herausspringt, müssen sich nahezu alle Spieler steigern – neben Schröder konnten im ersten Spiel nur Robin Benzing und Johannes Voigtmann überzeugen. Sein Level halten sollte auf jeden Fall einer: Dennis Schröder, der wegen seiner Spielweise hin und wieder fälschlicherweise verdächtigt wird, zu egoistisch zu agieren. Was viele Kritiker jedoch übersehen: Schröders größte Stärke neben seinem unfassbaren Tempo ist seine Unberechenbarkeit. In Situationen, in denen andere Aufbauspieler passen würden, nimmt Schröder den Wurf. Wenn andere werfen würden, zieht er zum Korb. Schröder ist ein wandelnder Überraschungseffekt, was es unglaublich schwierig macht, ihn zu verteidigen. Deshalb muss er es hin und wieder mit dem Kopf durch die Wand versuchen – auch wenn der Ball dabei nicht jedes Mal im Korb landet.

Dafür sollte Schröder nicht kritisiert werden. Selbst dann nicht, wenn es für Deutschland – wider Erwarten – erneut nicht für den Einzug in die nächste Runde reichen sollte.

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